Orthopädie und Unfallmedizin


Wirbelsäule, Brustkorb und Bauch

Bandscheibenschäden

Bandscheibenschäden: Oberbegriff für Schäden an den Zwischenwirbelscheiben, unterteilbar in Bandscheibenvorwölbung (Protrusio), Bandscheibenvorfall (Prolaps) und Bandscheibendegeneration (Chondrose). Als Folge normaler Alterungsprozesse sind Bandscheibenschäden sehr häufig und verursachen oft keine Beschwerden.

Treten Schmerzen auf, lassen sie sich meist durch Schmerzmittel und Krankengymnastik beherrschen. Nur wenn Nerven eingeengt werden, werden Bandscheibenschäden zum medizinischen Notfall und erfordern eine operative Behandlung. Diese reicht von der Entfernung des störenden Bandscheibengewebes (durch Operation, Laserabtragung, chemische Auflösung) über Versteifungsoperationen bis hin zum Einsatz von Bandscheibenprothesen.

Leitbeschwerden

  • Lokale Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung (bei leichteren Bandscheibenschäden)
  • Lokale Rückenschmerzen mit – meist einseitigen – Ausstrahlungen in Arm oder Bein
  • Taubheit und Lähmungen in Arm oder Bein (beim Bandscheibenvorfall)
  • Kontrollverlust für Wasserlassen und Stuhlgang (Kaudasyndrom) und/oder Gefühlsstörungen (Kribbeln oder Taubheit) an der Oberschenkelinnenseite und um den After (Reithosenanästhesie).

Wann zum Arzt

Nach 1–2 Wochen bei lokalen Schmerzen ohne Ausstrahlungen

Innerhalb weniger Tage bei leichter, anhaltender Taubheit in Arm oder Bein

Innerhalb eines Tages bei Lähmungen oder ausgedehnter Taubheit in Arm oder Bein

Sofort bei zusätzlichen Blasen- und Stuhlgangsproblemen.

Die Erkrankungen

Bandscheiben bestehen aus einem derben Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und einem zentral eingelagerten Gallertkern (Nucleus pulposus). Durch Alterungsprozesse entstehen Risse im Faserknorpelring. Wenn Teile des Gallertkerns in die Risse eindringen, führt dies zu einer Vorwölbung (Protrusion) oder Aussackung (Vorfall, Prolaps) des Faserknorpelrings in den Wirbelkanal.

Bandscheibendegeneration. Im Unterschied dazu beschreibt die Bandscheibendegeneration eine alterungsbedingte Höhenminderung der Bandscheibe. Diese entsteht durch den verminderten Wassergehalt des Gallertkerns und die bereits beschriebenen Risse im Faserknorpelring. Die Höhenminderung stört die fein aufeinander abgestimmten Bewegungen zwischen zwei Wirbeln und führt im weiteren Verlauf oft zu zunehmenden Schädigungen an den angrenzenden Wirbelkörpern, Osteochondrose und Zwischenwirbelgelenken, Spondylarthrose, unechte Spondylolisthese. Letztere verursachen gelegentlich hartnäckige Rückenschmerzen, die der Arzt als Facettensyndrom bezeichnet.

Bandscheibenschäden können, müssen aber nicht Ursache von Beschwerden sein. Ein normaler, altersentsprechender Verschleiß ist nicht notwendigerweise als krankhaft einzustufen. Entscheidend ist die Frage, ob und in welchem Maße die veränderte Bandscheibe benachbarte Nerven einquetscht. Eine solche Einengung (Nervenkompression) äußert sich in neurologischen Symptomen, entweder als Gefühlsstörung oder als Lähmung (Muskelschwäche) in Armen oder Beinen. Aus den betroffenen Körperarealen lässt sich schließen, auf welcher Höhe der verantwortliche Bandscheibenvorfall liegt.

Symptome einer Nerveneinengung machen einen Bandscheibenvorfall zum Notfall. Unbehandelt drohen dauerhafte Nervenschäden, die später chronische Schmerzen sowie bleibende Gefühlsstörungen und Lähmungen verursachen. Deshalb ist es erforderlich, rasch einen Arzt aufzusuchen und mit der Behandlung zu beginnen. Leicht geschädigte Nerven erholen sich eventuell wieder im Verlauf mehrerer Monate.

Auch wenn Rückenschmerzen darauf hinzudeuten scheinen, sind Lähmungen und Gefühlsstörungen nicht in jedem Fall Folgen von Bandscheibenvorfällen. Auch wenn Nerven woanders eingeengt werden, entstehen ähnliche Symptome, z. B. beim Karpaltunnelsyndrom oder Sulcus-ulnaris-Syndrom. Zu Verwechslungen führen manchmal auch Nervenschädigungen, Polyneuropathien, z. B. durch Diabetes, sowie Hirn- und Rückenmarkerkrankungen wie Multiple Sklerose oder amyotrophe Lateralsklerose.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung

Durch Befragung und körperliche Untersuchung stellt der Arzt fest, ob Nerven eingeengt sind. Bei einem entsprechenden Verdacht folgen weitergehende Untersuchungen, meist ein Kernspin oder CT. Gelegentlich ist auch eine elektrische Untersuchung der Nervenfunktion (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit) erforderlich, um bei unklaren Beschwerden Nervenschäden nachzuweisen.

Zahlreiche Forscher beschäftigten sich in den 1980er und 1990er Jahren mit Kernspinuntersuchungen von Lendenwirbelsäulen bei gesunden Menschen. Ungeachtet der Unterschiede im Detail zeigten alle Studien einen hohen Prozentsatz von (beschwerdelosen) Bandscheibenschäden aller Art. Entdeckt also der Arzt im CT oder Kernspin einen Bandscheibenvorfall, wird er den Zusammenhang mit bestehenden Beschwerden kritisch prüfen. Was bei dem einen Patienten einen irrelevanten Befund darstellt, bedeutet bei einem anderen möglicherweise einen medizinischen Notfall. Umgekehrt findet der Arzt häufig auch bei stärksten Rückenschmerzen keine Entsprechung im CT oder Kernspin.

Konservative Therapie

Schmerzen  sind meist gut mit Medikamenten zu behandeln , je nach Intensität der Beschwerden in unterschiedlicher Kombination. In hartnäckigen Fällen helfen kurzfristig oft Injektionen von örtlichen Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten neben die eingeengte Nervenwurzel (periradikuläre Therapie) oder neben das Rückenmark (peridurale Infiltration). Eine gute, schmerzlindernde Wirkung zeigen auch physiotherapeutische Verfahren; dabei sind Massagen auf Dauer weniger effektiv als aktive Krankengymnastik (auch an Geräten); und auch der langfristige Nutzen von Wärmebehandlungen (z. B. Fangopackungen), Elektrotherapie oder manueller Therapie ist begrenzt. Leider bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen solche aktiven physiotherapeutischen Maßnahmen nur in beschränktem Umfang, sodass der Arzt nach Beendigung einer Behandlungsserie (18 Termine) mit der nächsten Verschreibung mindestens drei Monate warten muss.

Nerveneinengungen erfordern eine sofortige, üblicherweise stationäre Behandlung mit Infusionen, bestehend aus Kortison zur Entzündungshemmung und Abschwellung, Schmerzmitteln und häufig einem Vitaminpräparat. Zusätzlich erfolgen oft peridurale Infiltrationen, meist über einen dünnen Schlauch (Katheter), der mehrere Tage liegen bleibt. Führen diese Maßnahmen zur Besserung, beginnen die Betroffenen nach einigen Tagen mit Krankengymnastik und kehren dann schrittweise in ihren Alltag zurück.

Operative Therapie

Lassen sich starke Nervenschmerzen oder Lähmungen so nicht beherrschen, ist eine operative Behandlung erforderlich. Als dringender Notfall gilt insbesondere das Kaudasyndrom (Leitbeschwerden), das auf ausgedehnte Bandscheibenvorfälle mit Einengung des gesamten Wirbelkanals hinweist. Ziel der Operation ist es, das störende Gewebe durch verschiedene Verfahren zu entfernen. Neben konventionellen, offenen Operationen kommen dabei v. a. minimal-invasive Operationen zum Einsatz, entweder endoskopisch (perkutane Nukleotomie) oder als mikrochirurgischer Eingriff unter Verwendung eines Mikroskops. Nur ausgedehnte und ältere Bandscheibenvorfälle erfordern eine offene Operation im Krankenhaus.

Umstrittene alternative Behandlungsmethoden, die zwischen konservativer und operativer Therapie stehen, verwenden Laserstrahlen (Laserabtragung) oder Injektionen von chemischen Substanzen wie Chymopapain, Kortison oder Ozon, um Bandscheibengewebe aufzulösen (Chemonukleolyse). Welche dieser alternativen Therapien welchen Patienten nutzt, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht klar, viele Autoren betonen jedoch die Risiken z. B. schwerer allergischer Reaktionen.

Nach der Entlastung erholen sich die Nerven umso besser, je kürzer sie eingeengt waren. Da die Erholungszeit manchmal bis zu einem Jahr dauert, ist viel Geduld gefordert. Abhängig von der Behandlungsmethode und den vorbestehenden Schäden sind in 60–80 % der Fälle deutliche Besserungen zu erwarten.

Bandscheibenprothesen. Der Ersatz von Bandscheiben durch Imitate aus Metall und Hartkunststoff ist ein neues Operationsverfahren. Die Lebensdauer der Bandscheibenprothesen und die möglichen langfristigen Komplikationen sind aber noch nicht genügend erforscht, um das Verfahren zur Standardoperation zu erklären.

Forschungsergebnisse haben allerdings gezeigt, dass der längerfristige Erfolg von Bandscheibenoperationen, die wegen Schmerzen erfolgen, der konservativen Behandlung nicht überlegen ist. Bereits drei Jahre nach der Operation ist kein Unterschied mehr in Bezug auf den Rückgang der Beschwerden festzustellen.

Zudem verschlechtern sich bei ~ 12 % der (konventionell) Operierten die Beschwerden, da wucherndes Narbengewebe zu einem erneuten Druck auf die Nerven führt. Diese Komplikation, Postnukleotomiesyndrom genannt, führt zu äußerst hartnäckigen Schmerzen und lässt sich nur in Ausnahmefällen erneut chirurgisch behandeln. Als weitere Komplikation haben Bandscheibenoperationen manchmal zur Folge, dass der betroffene Wirbelsäulenabschnitt instabil wird. In diesem Fall ist oft eine Versteifungsoperation erforderlich.

Selbsthilfe und Vorsorge

Bei akuten Beschwerden ist es entscheidend, rasch wieder in Bewegung zu kommen und den Teufelskreis von Schmerz – Verspannung – mehr Schmerz zu durchbrechen. Zur Vorbeugung sind sämtliche Varianten rückenschonenden Verhaltens zu empfehlen.

Die Selbsthilfe bei Rückenschmerzen beruht auf drei Prinzipien: Bewegung, Bewegung und Bewegung – soweit sie nicht schmerzt. Dabei spielt das Engagement des Betroffenen im Rahmen der Selbsthilfe eine ebenso wichtige Rolle wie die Behandlung durch den Arzt. Dies gilt neben der Behandlung von Schmerzen umso mehr für deren Vorbeugung: Auch nach der wirkungsvollsten Behandlung kehren Schmerzen wieder, wenn der Betroffene im Alltag nicht weiterhin auf seinen Rücken achtet.

Linderung akuter Schmerzen

Ohne Linderung der akuten Schmerzen schafft es kaum ein Betroffener, überhaupt wieder in Bewegung zu kommen. Hier bieten sich folgende Möglichkeiten der Selbsthilfe an:

Suchen Sie eine Haltung, in der Ihre Schmerzen möglichst gering sind. Erfahrungsgemäß wird Liegen und Gehen als angenehmer empfunden als Stehen und Sitzen. Viele Therapeuten empfehlen die Rückenlage mit um 90° gebeugten Hüft- und Kniegelenken (Stufenlagerung, Stufenbettlagerung). Für manche Schmerzgeplagte ist auch die Bauchlage mit erhöhtem Oberkörper oder die Seitenlage mit angezogenen Beinen schmerzlindernd. Versuchen Sie, sich bewusst zu entspannen, wenn Sie eine schmerzarme Haltung gefunden haben: Atmen Sie bewusst und tief, hören Sie intensiv Musik, lesen Sie ein interessantes Buch … Gehen Sie spazieren, sobald es die Schmerzen zulassen. Langsames Gehen bewegt die Rückenmuskulatur schonend und entspannt sie zugleich. Zögern Sie nicht, bei akuten Schmerzen Schmerzmittel einzunehmen. Wenn Sie sonst gesund sind, spricht nichts gegen eine kurzzeitige, maximal dreitägige Anwendung von rezeptfreien Schmerzmitteln, z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Sie helfen, den Teufelskreis von Schmerz und Verspannung zu durchbrechen. Wärme beruhigt und entspannt die Muskulatur und hilft dadurch, den Schmerz zu lindern. Bewährt haben sich warme Vollbäder (beruhigend: Melisse, Lavendel; anregend und durchblutungsfördernd: Rosmarin), warme Wickel (Heublume, Fango), Wärmflasche oder Wärmekissen im Bett, durchblutungsfördernde Pflaster (z. B. ABC-Wärmepflaster), Einreibungen z. B. mit Pferdesalbe, wärmende Unterwäsche aus Angorawolle, Wollschals oder auch ein Saunabesuch. Herzkranke Menschen müssen wegen der Kreislaufbelastung erst Rücksprache mit ihrem Arzt halten, bevor sie sich mit Vollbädern, Wickeln oder Saunabesuchen behandeln.

Besonders wirksam ist die heiße Rolle: Falten Sie ein Küchenhandtuch und zwei Frotteehandtücher der Länge nach. Wickeln Sie das Küchenhandtuch der Breite nach zu einer festen Rolle zusammen. Die beiden anderen Tücher werden schräg darum herumgewickelt, sodass das Ganze aussieht wie ein Trichter bzw. wie ein nur an einer Seite geöffnetes Bonbon. Gießen Sie nun etwa einen Dreiviertel Liter brühheißes Wasser in die Rolle (Vorsicht Verbrennung!) und wickeln Sie die Frotteehandtücher vollends um die jetzt nasse Innenrolle. Prüfen Sie die Wärme. Ist die Rolle zu heiß, so wickeln Sie ein weiteres Frotteetuch darum herum. Mit dieser heißen Rolle rollen, tupfen und massieren Sie über den Rücken. Wenn die Rolle kühler wird, nehmen Sie eine Frotteeschicht ab. Bei akuten Reizzuständen wirkt Kälte manchmal besser als Wärme. Bewährt haben sich Kühlpacks aus der Apotheke oder zerstoßene, in einem Waschlappen verpackte Eiswürfel, mehrmals täglich 1–5 Minuten lang auf die schmerzende Stelle aufgelegt. Um Erfrierungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Auflagen in ein Tuch einzuschlagen und direkten Kontakt mit der Haut zu vermeiden.

Rückenschonendes Verhalten im Alltag

Eine Garantie für einen schmerzfreien Rücken gibt es nicht. Wem es jedoch gelingt, die Wirbelsäule beweglich und die Muskelstütze funktionsfähig zu halten, hat schon halb gewonnen.

Bewegung. Wie bei der Therapie der Rückenschmerzen heißt deshalb das Motto: mehr Bewegung. Allerdings führen die meisten Menschen längerfristig nur solche Bewegungsarten aus, die ihnen entweder Spaß machen oder sich leicht in ihren Alltag integrieren lassen.

Gehen Sie möglichst zu Fuß oder benutzen Sie das Fahrrad. Ziehen Sie die Treppe dem Lift oder der Rolltreppe vor. Machen Sie Sport. Rückenschonende und die Rumpfmuskulatur trainierende Sportarten sind Schwimmen, Aquajogging, Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf. Achten Sie dabei auf eine gute Ausrüstung (Laufschuhe). Beginnen Sie ein Krafttraining im Fitnessstudio, wenn Ihnen diese Art Sport liegt. Unter kompetenter Betreuung lässt sich damit gezielt Muskulatur aufbauen, die den Rücken stärkt. Wenn Sie beruflich viel im Auto sitzen, leisten Sie sich einen guten Autositz und nutzen Sie die Pausen zum Umhergehen, zum Recken und Strecken. Wenn Sie im Büro tätig sind, erledigen Sie möglichst viel im Stehen oder Gehen. Insbesondere bei Stress sind solche Bewegungspausen wichtig, um eine Anspannung der Nacken- und Rückenmuskulatur zu verhindern. Ändern Sie beim Sitzen regelmäßig Ihre Position, abwechselnd leicht vorgeneigt, aufrecht und zurückgelehnt.

Arbeitsplatzergonomie. Arbeitsstühle mit der Funktion „dynamisches Sitzen“ sind sinnvoll. Sie verfügen über eine Rückenlehne, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Wenn Ihnen eine häufige Änderung der Sitzhaltung schwerfällt, wählen Sie eine dauerhafte Sitzposition, die zwischen Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 120° einschließt. Was früher als schlampige Haltung empfunden wurde, hat sich in neueren, wissenschaftlichen Studien als deutlich rückenfreundlicher erwiesen als eine „gerade“ Sitzhaltung mit einem rechten Winkel in der Hüfte. Wichtig für die Arbeitsplatzergonomie ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut. Wenn Sie körperlich arbeiten, vermeiden Sie möglichst Tätigkeiten, die den Rücken belasten. Gelingt dies nicht, führen Sie die erforderlichen Arbeiten rückenschonend aus. Heben und tragen Sie Gegenstände mit geradem Rücken und gleichmäßiger Verteilung auf beide Arme. Tragen Sie schwere Lasten dicht am Körper und vermeiden Sie dabei unbedingt, den Oberkörper im Stand zu drehen. Besser: In die Hocke gehen statt sich zu bücken, soweit es Ihre Kniegelenke erlauben.

Gewichtsnormalisierung. Bauen Sie vorhandenes Übergewicht ab. Sie entlasten damit nicht nur Ihren Rücken, sondern steigern zugleich auch die Bewegungs- und Lebensfreude.

Komplementärmedizin

Bei lokal begrenzten Beschwerden ohne ausstrahlende Schmerzen in die Extremitäten kommen die gleichen komplementärmedizinischen Methoden in Betracht wie die im Abschnitt Rückenschmerzen beschriebenen Maßnahmen.

Manuelle Therapien. Insbesondere die Osteopathie und die Wirbelsäulentherapie nach Dorn geben Behandlungserfolge an, ebenso liegen Berichte vor, wonach Akupunktur und Magnettherapie in vielen Fällen die Beschwerden lindern. Die Homöopathie bietet eine Konstitutionstherapie z. B. mit Hedera helix oder Viscum album an. Sanfte Bewegungstherapien wie Yoga, Tai Chi, Qigong und Feldenkrais sind bei wiederkehrenden Beschwerden empfehlenswert. Lässt das Krankheitsbild auf eine Nerveneinengung schließen, können komplementärmedizinische Maßnahmen jedoch nicht (mehr) viel ausrichten – geht dadurch z. B. wertvolle Zeit für die dringend notwendige Infusionsbehandlung bzw. eine peridurale Infiltration verloren, kann sogar Schaden entstehen.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Hier finden Sie per Stichwortsuche für die drei Begriffe Ischialgie, Radikulopathie und Rehabilitation Bandscheibenvorfall die ausführlichen Ärztlichen Leitlinien zu Diagnostik und Therapie der Erkrankungen.
  • www.dr-gumpert.de/html/bandscheibenvorfall.html – Sehr detaillierte und gut bebilderte Beschreibung des Bandscheibenvorfalls, vom Orthopäden N. Gumpert, Taunusstein.
  • P. Oldenkott et al: Bandscheiben-Leiden: Was tun? Trias, 2005. Wissenschaftlich fundierter und gut verständlicher Ratgeber mit umfangreichem Selbsthilfeteil.

Brustkorbverletzungen

Brustkorbverletzungen: Verletzungen des Brustkorbs und der Brustorgane durch stumpfe Gewalt, meist im Rahmen von Verkehrs- und Sportunfällen, oder durch Stich- und Pfählungsverletzungen, z. B. bei Gewalttaten. Leichte Verletzungen, z. B. Rippenprellungen und einfache Rippenbrüche (Rippenfrakturen) kommen häufig vor und heilen mit Schmerzbehandlung und Schonung folgenlos. Brustbeinbrüche kommen ebenso vor, wenn auch deutlich seltener. Potenziell lebensgefährlich sind dagegen Brüche an mehr als zwei benachbarten Rippen (Rippenserienbruch) sowie Verletzungen von Lungen- und/oder Rippenfell, wenn sie zu Atemstörungen führen. Verletzungen von Lunge, Herz, Schlagader oder Oberbauchorganen führen manchmal innerhalb kürzester Zeit zum inneren Verbluten, wenn nicht sofort eine Operation erfolgt.

Leitbeschwerden

  • Schmerzen (v. a.) beim Atmen, Atemnot
  • Schwindel, Herzrasen, Unwohlsein
  • Angst und innere Unruhe.

Wann zum Arzt

Sofort bei Brustschmerzen nach einer Verletzung

Sofort den Notarzt rufen bei Atemnot oder Schockzeichen.

Die Erkrankung

Der knöcherne Brustkorb schützt sowohl die Organe des Brustraums (Lunge, Herz) als auch die Organe des Oberbauchs (Leber, Milz, Magen). Er ist die erste Verteidigungszone des Körpers gegen Gewalteinwirkung von außen. Entsprechend sind Rippenprellungen und Rippenbrüche häufige Verletzungen nach allen Arten von Unfällen, z. B. durch Stürze, Schläge oder Sicherheitsgurte bei Verkehrsunfällen. Gelegentlich entstehen Rippenbrüche ohne äußere Gewalteinwirkung, wenn Knochen durch Osteoporose geschwächt sind. In diesem Fall verursachen manchmal schon kräftige Hustenstöße einen Bruch.

Prellungen und Brüche sind sehr schmerzhaft, in der Regel aber harmlos, solange die inneren Organe, Lungen- und Rippenfell unverletzt bleiben. Die Schmerzen sind so stark, weil der Brustkorb durch die Atemtätigkeit in ständiger Bewegung ist. Trotzdem heilen gebrochene und geprellte Rippen meist problemlos innerhalb von 3–6 Wochen. Als Komplikation tritt gelegentlich eine Lungenentzündung auf, da die Schmerzen zu einer oberflächlichen Atmung führen und die mangelhafte Belüftung der Lunge das Festsetzen von Krankheitserregern begünstigt. Bei älteren Menschen, die oft bereits durch Alterungsvorgänge an Lunge und Brustkorb verminderte Atemreserven haben, droht zudem eine Unterversorgung mit Sauerstoff.

Gefährlich werden Brustkorbverletzungen dann, wenn mehrere Rippen gleichzeitig gebrochen sind. Ein Rippenserienbruch führt nämlich oft zur ineffektiven, paradoxen Atmung, bei der sich der Brustkorb – entgegen der natürlichen Bewegung – während der Einatmung einzieht und während der Ausatmung ausbeult. Diese Patienten müssen maschinell beatmet werden.

Verletzungen von Lungen- und/oder Rippenfell bergen dagegen die Gefahr, dass Luft oder Blut in den Spalt zwischen Lungen- und Rippenfell (Pleuraspalt) eindringt und die Lunge zum Zusammenfallen bringt (Pneumothorax, Hämothorax). Auch diese Verletzung erschwert oder verhindert eine ausreichende Atmung und stellt damit einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Ebenso gefährlich sind begleitende Verletzungen der Hauptschlagader (Aorta) und der Brust- und Oberbauchorgane. Je nach betroffenem Organ (Herz, Lunge, Leber, Milz, Schlagader), drohen innere Blutungen, die manchmal innerhalb weniger Minuten zum Tode führen, oder akute Funktionsstörungen, z. B. von Herz oder Lunge.

Das macht der Arzt

Das Abhören der Lunge – bei Bedarf ergänzt durch Röntgen, CT, Kernspin oder Ultraschall von Brustkorb und eventuell Oberbauch – zeigt den Schweregrad der Verletzung. Bei Rippenserienbrüchen und möglichen Verletzungen am Herzen ist zusätzlich ein EKG erforderlich.

Prellungen oder einfache Brüche einzelner Rippen lassen sich ambulant behandeln. Die Atembewegungen verhindern eine klassische Bruchtherapie mit Ruhigstellung und Schonung. Wichtig ist jedoch die Einnahme von Schmerzmitteln, z. B. NSAR, um eine schmerzarme Atmung zu ermöglichen und dadurch Lungeninfektionen und Sauerstoffmangel vorzubeugen. Eine ausreichende Schmerztherapie gilt auch als wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Atemtraining. Dieses ist insbesondere bei älteren Patienten erforderlich, um eine Minderbelüftung von Lungenanteilen und ein nachfolgendes Zusammenfallen von kleinen Lungenabschnitten (Atelektase) zu verhindern.

Führen Verletzungen des Lungen- oder Brustfells zu einem Pneumothorax (oder Hämothorax), reicht bei kleineren Luft- oder Blutansammlungen meist eine Überwachung des Heilungsverlaufs durch regelmäßige Röntgenkontrollen. Bei drohendem oder bereits eingetretenem Lungenkollaps ist dagegen eine Pleuradrainage unerlässlich. Verletzungen von Organen oder Hauptschlagader erfordern eine rasche Operation.

Erste Hilfe

Wenn der Verletzte ansprechbar ist, lagern Sie ihn mit erhöhtem Oberkörper, bei erträglichen Schmerzen möglichst auf die verletzte Seite. Diese Position stabilisiert die geschädigte Seite des Brustkorbs und erleichtert die Atmung auf der unverletzten Seite.

Bei offenen Brustkorbverletzungen muss sofort gehandelt werden. Sie erkennen diese Notfallsituation an schlürfenden bis blubbernden Geräuschen im Wundbereich. Um einen zunehmenden Pneumothorax zu verhindern, ist es äußerst wichtig, die Wunde möglichst schnell luftdicht zu verschließen.

Im Notfall reicht dazu die eigene Handfläche; besser eignet sich jedoch ein Stück Plastikfolie (z. B. von einer Einkaufstüte), möglichst über einer sauberen Wundauflage, die ihrerseits mit Heftpflaster abgedichtet ist. Eine Bandage fixiert den gesamten Verband am Körper. Diese Maßnahme ist am wirksamsten, wenn der Patient vor Abdecken der Wunde kraftvoll ausatmet, um bereits eingedrungene Luft aus dem Pleuraspalt zu entfernen.

Halswirbelsäulensyndrom und Schleudertrauma

Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom, Zervikalsyndrom): Sammelbezeichnung für uncharakteristische Beschwerden im Bereich von Halswirbelsäule und Nacken durch verschleißbedingte Erkrankungen oder andere Ursachen. Betroffen sind oft 30- bis 60-Jährige, die berufstätig sind. Strahlen die Schmerzen in Schulter und Arm aus, liegt ein Schulter-Arm-Syndrom (Cervicobrachialgie) vor. Heftige, akute Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch erzwungener Fehlhaltung werden als akuter Schiefhals bezeichnet. Im Zentrum der Behandlung stehen physiotherapeutische Maßnahmen. Lässt sich die Ursache nicht beseitigen, kehren die Beschwerden oft wieder.

Schleudertrauma (Beschleunigungsverletzung, HWS-Distorsion, Peitschenschlagverletzung): Zerrungen der Muskeln und Bänder an der Halswirbelsäule, verbunden mit schmerzhaften Verspannungen der Nacken- und Halsmuskulatur. Ursache ist definitionsgemäß eine unvorhergesehene Beschleunigung, meist von hinten, die eine plötzliche Kopfbewegung gegenüber dem fixierten Rumpf verursacht, z. B. bei Auffahrunfällen. Die Beschwerden halten in der Regel wenige Wochen an, werden aber in 2–3 % der Fälle auch chronisch.

Leitbeschwerden

HWS-Syndrom:

  • Steifigkeitsgefühl („steifer Hals“) und/oder Nackenschmerzen, oft mit Ausstrahlung in (Hinter-)Kopf, Schultern und Arme
  • Meist tastbare Verhärtung der Nackenmuskulatur, häufig mit einer schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit und oft druckschmerzhaften Sehnenansätzen
  • Gelegentlich Schwindel, Ohrgeräusche oder Sehstörungen
  • Selten Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen an Schultern oder Armen.

Schleudertrauma:

Gleiche Beschwerden wie beim HWS-Syndrom, jedoch im Anschluss an einen (Auffahr-)Unfall; oft auch erst Stunden bis Tage später einsetzend.

Wann zum Arzt

Nach 1–2 Wochen bei anhaltenden Schmerzen ohne vorangegangenen Unfall

Innerhalb einiger Tage bei anhaltenden Gefühlsstörungen an Schulter oder Arm, Schwindel, Ohrgeräuschen

Innerhalb eines Tages bei Lähmungserscheinungen, Sehstörungen oder nach einem Unfall.

Die Erkrankung

An der Entstehung von akuten wie chronischen Nackenbeschwerden sind zahlreiche Faktoren beteiligt, einzeln oder in Kombination:

  • Verschleißbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule, z. B. Bandscheibenschäden, Spinalstenose oder Arthrosen der Zwischenwirbelgelenke (Facettensyndrom)
  • Blockierungen an der Halswirbelsäule
  • Muskelverspannungen aufgrund der oben genannten Erkrankungen, psychischer Anspannung oder „falscher“ Bewegungen
  • Rheumatische Erkrankungen, z. B. Morbus Bechterew oder Fibromyalgie.

Ein akuter Schiefhals macht sich oft nach dem morgendlichen Aufwachen bemerkbar, möglicherweise als Folge einer ungünstigen Kopflage im Schlaf („Verliegen“). Je nach Höhe des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts strahlen die Schmerzen in unterschiedliche Körperregionen aus, so von den ersten zwei Halswirbeln in den Kopf, vom 3. bis 5. Halswirbel in die Schulter, von den unteren Halswirbeln in Schulter und Arm bis zum Kleinfinger. In diesen Regionen, in die die Schmerzen ausstrahlen, kann es zudem zu Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Sehstörungen kommen. Dies sind Beschwerden, die eine rasche ärztliche Behandlung erfordern. Ein einfacher, akuter Schiefhals ohne Begleitbeschwerden heilt meist von selbst nach drei Tagen aus. Langsam zunehmende Beschwerden werden dagegen ohne Behandlung oft chronisch, insbesondere dann, wenn ihre Ursache bestehen bleibt.

Häufige Ursache eines akut auftretenden HWS-Syndroms sind Beschleunigungsverletzungen. Führt eine Beschleunigung, v. a. von hinten, zu einer ruckartigen und unerwarteten Beugung und Überstreckung der Halswirbelsäule, z. B. bei einem Autounfall, beim Kampfsport oder Autoscooterfahren, verursacht sie häufig eine Zerrung der dortigen Bänder und Muskeln. Fast im gleichen Augenblick ist zu spüren, wie sich die Nacken- und Halsmuskulatur blitzartig verspannt. Dieser schmerzhafte Vorgang wird durch einen Reflex ausgelöst, der dem lebenswichtigen Schutz der Halswirbelsäule dient; er sorgt dafür, dass nur selten Verletzungen an den Bandscheiben oder gar am Rückenmark auftreten. Meist klingen die Beschwerden – mit oder ohne Behandlung – innerhalb einiger Tage wieder ab. Gelegentlich gehen sie jedoch in langwierige Nackenschmerzen über, oft mit Ausstrahlung in Kopf und Arme. Solche Beschwerden sind schwer zu fassen und nachzuweisen, da sie meist eine starke psychische Komponente enthalten. Diese erschwert die Beurteilung von Schmerzensgeldklagen, die oft in diesem Zusammenhang erhoben werden.

Das macht der Arzt

Je nach Ursache und Ausmaß der Beschwerden zeigt die körperliche Untersuchung eine verminderte oder (selten) erhöhte Beweglichkeit der Halswirbelsäule, neurologische Störungen, Klopfschmerz über den Dornfortsätzen und/oder Druckschmerzpunkte, die von Muskelverspannungen herrühren. Bei Beschleunigungsverletzungen sind zusätzlich Röntgen und gelegentlich auch CT oder Kernspin erforderlich, um gefährliche Verletzungen mit drohender Querschnittlähmung, z. B. Wirbelbruch, auszuschließen und Vorschäden zu dokumentieren. Dies dient auch der Klärung versicherungsrechtlicher Fragen.

Starke Schmerzen erfordern anfangs oft eine Behandlung mit Schmerzmitteln, z. B. Patacetamol oder NSAR, eventuell auch mit muskelentspannenden Medikamenten, z. B. Tetrazepam. Bei Muskelverspannungen helfen außerdem physiotherapeutische Dehnungsgriffe, Kälte- oder Wärmeanwendungen (z. B. Fango). Massagen sind allenfalls kurzfristig wirksam. Blockierungen lassen sich meist durch Griffe der manuellen Therapie lösen. Das Tragen spezieller Halsbandagen (Zervikalstütze, Cervicalstütze, „Halskrause“) empfiehlt sich allenfalls für wenige Tage, um den akuten Schmerz zu lindern. Es hat sich gezeigt, dass eine längere Tragedauer den Heilungsverlauf nach Beschleunigungsverletzungen eher verzögert. Wenn die Beschwerden nicht innerhalb von 1–2 Wochen nach einem Unfall abklingen, wiederholt der Arzt die anfänglichen Untersuchungen oder ergänzt sie in Zweifelsfällen, um bisher nicht diagnostizierte Begleitverletzungen zu erkennen.

Bei chronischen Beschwerden werden verschiedene Therapiemaßnahmen eingesetzt: TENS-Geräte (Transkutane Elektrische Nervenstimulation), Krankengymnastik, Injektion von lokalen Betäubungsmitteln in Triggerpunkte. Gelegentlich empfiehlt der Arzt eine psychotherapeutische Behandlung, wenn er psychische Ursachen (z. B. verdrängte Konflikte) vermutet. Sind für chronische Beschwerden verschleißbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule verantwortlich, helfen manchmal Operationen, wenn konservative Therapiemaßnahmen versagen.

Selbsthilfe

Bei akuten Schmerzen hilft anfänglich oft Kühlung, z. B. mit feuchtkalten Tüchern oder Quarkwickeln, mehr zur Herstellung von Quarkwickeln, um den Schmerz zu lindern. Manche Betroffene profitieren eher von Wärme; sie empfinden es als angenehmer, den schmerzenden Nacken z. B. durch Schals, Rollkragenpullover, Kirschkernkissen oder Kartoffelwickel warmzuhalten. Besonders wirksam ist die heiße Rolle. Auch bei chronischen Schmerzen sind Wärmebehandlungen hilfreich, bei Bedarf täglich.

Starke Verspannungen der Nackenmuskulatur reagieren oft gut auf eine Übung, die nach dem Prinzip der Druckpunktbehandlung arbeitet. Legen Sie sich dazu in Rückenlage auf den Boden, den schmerzenden Nacken auf Tennisbälle gebettet. Der entstehende Druck ist zu Beginn ungewohnt und oft unangenehm, führt jedoch nach einiger Zeit zu einer deutlichen Entspannung der Muskulatur.

Vorsorge

Für die Vorbeugung chronischer Nackenbeschwerden hat insbesondere die Arbeitsplatzergonomie große Bedeutung. Aber auch andere Aspekte eines rückenschonenden Verhaltens sind zu beachten.

Komplementärmedizin

Akupunktur. Das Schulter-Arm-Syndrom gehört zu den Krankheitsbildern, für die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) explizit die Behandlung mit Akupunktur empfiehlt; positive Erfahrungsberichte liegen aber auch für alle anderen Beschwerdenkomplexe des HWS-Syndroms vor.

Entspannungsverfahren. Ist es (auch) der Alltagsstress, der buchstäblich im Nacken sitzt, können Entspannungsübungen zum Abbau von permanenter Anspannung wertvolle Dienste leisten. Vor allem die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson hilft, den Wechsel von Anspannung und Entspannung bewusst zu erleben und das Erlernte dann bei Bedarf im stressbelasteten Alltag umzusetzen. Ebenso sind Yoga, andere fernöstliche Entspannungsmethoden oder Autogenes Training besonders empfehlenswert.

Kraniosakraltherapie. Ein chronisches Beschwerdebild, das vom Nacken- bzw. Halswirbelsäulenbereich ausgeht, ist die Domäne der Kraniosakraltherapie. Auch wenn bislang nicht endgültig geklärt ist, welcher Wirkmechanismus ursächlich für eine Linderung der Beschwerden verantwortlich ist, profitieren viele Patienten zweifellos schon allein vom tief greifenden entspannenden Effekt, den die feinen Manipulationen an Kopf und Schädelknochen in der Regel bewirken.

Biofeedback. Das in chronischen Fällen sinnvolle Verfahren visualisiert Anspannungs- und Entspannungszustände und versetzt so den Rückenschmerzpatienten in die Lage, mit stress- bzw. schmerzauslösenden Situationen besser umzugehen.

Magnettherapie (Magnetfeldtherapie). Lange Zeit waren schlecht heilende Knochenbrüche das Haupteinsatzgebiet der Magnettherapie – hierfür ist der therapeutische Effekt des mit pulsierenden Magnetfeldern arbeitenden Verfahrens inzwischen wissenschaftlich belegt. Viele Orthopäden setzen die Magnetfeldtherapie auch zur Linderung chronischer Rückenschmerzen ein. Der therapeutische Nutzen ist aber umstritten. Die Befürworter führen insbesondere den muskelentspannenden und schmerzlindernden Effekt an, der der Magnettherapie zugeschrieben wird. Zur Anwendung kommen entweder eine Ganzkörpermatte oder ein Applikator, mit dem gezielt lokal begrenzte Rückenschmerzen behandelt werden. Welche Vorgehensweise im Einzelfall geeignet ist, bzw. wie viele Anwendungen in welcher Dosierung Erfolg versprechend sind, sollte vorab mit einem erfahrenen Therapeuten festgelegt werden. Ansonsten eignet sich das Verfahren auch zur Heimanwendung.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.degam.de – Patienteninfo, eine Kurz- und Langfassung informieren über Ursache und Therapie von Nackenschmerzen.
  • www.awmf.org – Stichwortsuche Beschleunigungstrauma: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Beschleunigungstraumas der Halswirbelsäule.
  • www.hws-syndrom.de – Ausführliche Beschreibung des Krankheitsbilds von der Schmerzklinik Bad Mergentheim.

Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann (Adoleszentenkyphose): Verformung der Wirbelkörper, die durch einseitige Abflachung keilförmig werden und zur Buckelbildung führen; am häufigsten an der Brustwirbelsäule. Häufige Erkrankung, besonders bei männlichen Jugendlichen. In den meisten Fällen genügen Krankengymnastik und Haltungstraining als Therapie, nur sehr selten sind Korsettbehandlungen oder gar korrigierende Operationen notwendig. Die Erkrankung verläuft meist gutartig und ohne bleibende Einschränkungen.

Leitbeschwerden

  • Meist leichter Buckel im Hals-Brust-Bereich, typischerweise als „schlechte Haltung“ interpretiert
  • Verminderte Drehfähigkeit der Wirbelsäule im Brustbereich
  • Gelegentlich Rückenschmerzen, v. a. im Erwachsenenalter.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen bei schlechter Haltung oder Buckelbildung bei Jugendlichen

Die Erkrankung

Die Ursache des Morbus Scheuermann ist nicht geklärt. Während des Wachstums entstehen Schwachstellen an den knorpeligen Deckplatten, die den Wirbelkörper an der Ober- und Unterseite begrenzen. Wenn durch die Schwachstellen Bandscheibenmaterial eindringt, verliert der Wirbelkörper an Knochenfestigkeit und verformt sich unter dem Körpergewicht allmählich zu einem Keil. Sind viele Brustwirbel von dieser Veränderung betroffen, summieren sich die Verformungen zum Rundrücken. Im Unterschied zum Buckel bei bloßer Haltungsschwäche, der sich aktiv ausgleichen lässt, ist der Rundrücken beim Morbus Scheuermann fixiert. Tritt die Erkrankung in seltenen Fällen an der Lendenwirbelsäule auf, führt sie dort zu einer Abflachung der normalen, nach vorne gerichteten Krümmung.

Die Krankheit kommt mit Abschluss des Wachstums zum Stillstand. Mit Ausnahme der wenigen schweren Fälle ist die Fehlstellung gering und äußerlich kaum sichtbar. Je stärker die Statik der Wirbelsäule gestört ist, desto größer ist die Anfälligkeit für einen vorzeitigen Verschleiß, für muskuläre Verspannungen und Rückenschmerzen. Diese Beschwerden treten meistens in den unteren Wirbelsäulenabschnitten auf, da diese die Buckelbildung der Brustwirbelsäule auszugleichen versuchen (Hohlrundrücken).

Das macht der Arzt

Bei den meisten Jugendlichen, die wegen schlechter Haltung in der Sprechstunde erscheinen, wird der Arzt nach der körperlichen Untersuchung eine alterstypische, harmlose Haltungsschwäche diagnostizieren. Den Verdacht auf einen Morbus Scheuermann wird er v. a. dann äußern, wenn er einen fixierten, also nicht ausgleichbaren Rundrücken findet. In diesem Fall zeigt das Röntgenbild der Wirbelsäule in den betroffenen Wirbelkörpern typische Löcher (Schmorlsche Knötchen), die dem eingedrungenen Bandscheibenmaterial entsprechen.

Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich. Früher wurden Betroffene in Korsette eingeschnürt, zur Schonung angehalten, in ihrer Berufswahl eingeschränkt, also krank gemacht. Heute hat sich die Haltung der Ärzte geändert; sie empfehlen den betroffenen Jugendlichen, ihr Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu leben und körperlich aktiv zu sein. Krankengymnastische Behandlungen erübrigen sich, wenn regelmäßig geeigneter Sport betrieben wird. Erwachsene mit abgelaufenem („ausgebranntem“) Morbus Scheuermann und Rückenschmerzen profitieren oft von einer Krankengymnastik an Geräten (Bewegungstherapie). Bei extremer Buckelbildung ist – ähnlich wie bei der Skoliose – eine Korsettbehandlung oder eine Versteifungsoperation möglich, aber nur in Ausnahmefällen notwendig und empfehlenswert.

Selbsthilfe

Wer bei Morbus Scheuermann seine Oberkörpermuskulatur durch regelmäßigen Sport trainiert, beugt Rückenschmerzen vor. Am besten geeignet sind Sportarten mit fließenden, symmetrischen Bewegungen des Oberkörpers, z. B. Schwimmen. Weniger empfehlenswert sind sportliche Aktivitäten, die zu wiederholter Stauchung der Wirbelsäule führen, wie Fußball oder Laufen. Sportarten wie Squash, Tennis oder Mannschaftsballdisziplinen sind in Maßen sinnvoll, doch raten die meisten Ärzte von intensivem Training ab, da die abrupten Richtungswechsel zu starken Beschleunigungs- und Bremskräften auf die geschädigte Wirbelsäule führen. Neben Sport empfiehlt sich als Selbsthilfemaßnahme das Erlernen eines rückenfreundlichen Verhaltens, z. B. im Rahmen einer Rückenschule.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Scheuermann: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Erkrankung.
  • www.skoliose-info-forum.de – Privat geführte Internetseite, Waxweiler: Informativ, interaktiv und mit Forum. Richtet sich an Patienten und Interessierte von Wirbelsäulendeformitäten (v. a. Skoliosen und Morbus Scheuermann).

Rücken-, Nacken- und Kreuzschmerzen

Jeder zehnte Besuch beim Hausarzt und jeder zweite Besuch beim Orthopäden hat seinen Grund in Rückenproblemen. Da sie häufig von Schmerzen begleitet sind, spricht der Betroffene im Allgemeinen von Rückenschmerzen, die sich noch genauer in Nacken- oder Kreuzschmerzen unterteilen lassen. So häufig Rückenschmerzen sind, sie führen nur in 2 % zu schwerwiegenden, dauerhaften Beschwerden.

Die Häufigkeit von Rückenbeschwerden verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass jede Wirbelsäule spätestens ab dem sechsten Lebensjahrzehnt deutliche Verschleißerscheinungen zeigt. Sie äußern sich z. B. in Schäden von Bandscheiben und Wirbelkörperknochen,(Osteochondrosen), in Arthrosen der Zwischenwirbelgelenke (Spondylarthrose) und in Knochenanbauten an den Wirbelkörperkanten (Spondylophyten). Einerseits sind auch erhebliche Schäden oft mit erstaunlich wenig Beschwerden verbunden, andererseits können auch geringfügige Veränderungen manchmal zu starken Schmerzen führen.

Wenn Rückenschmerzen länger als sechs Wochen andauern, werden sie zu chronischen Rückenschmerzen. Sie führen zu starken Einschränkungen im Alltag und machen oft langfristige Krankschreibungen erforderlich. Mit zunehmender Dauer der Schmerzen fühlen sich die Betroffenen deshalb zermürbt und psychisch stark belastet.

Umgekehrt gilt: Psychische Belastungen sind auch eine häufige Ursache chronischer Rückenschmerzen.

Leitbeschwerden

Schmerzen im Rücken, speziell im Nacken- oder Kreuzbereich, bei Bewegung oder in Ruhe. Diese strahlen oftmals aus in benachbarte Körperregionen, so von der Halswirbelsäule in Kopf, Schultern und Arme, von der Brustwirbelsäule in den Brustkorb und von der Lendenwirbelsäule in Bauch, Hüfte und Beine. Manchmal werden die Schmerzen begleitet von Gefühlsstörungen oder Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen.

Die Erkrankung

Für den Arzt ist es im Einzelfall schwierig, die Ursache von Rückenschmerzen herauszufinden. Hochgradig verspannte Partien der die Wirbelsäule stützenden bzw. bewegenden Rückenmuskulatur kommen als Auslöser ebenso in Frage wie Einengungen oder Reizungen von Teilen des Rückenmarks oder von Nerven, die in der Wirbelsäule das Rückenmark verlassen. Das Gleiche gilt für viele Begleitstrukturen wie Bandscheiben, Knochen, die Gelenke und selbst die Beckenorgane.

Trotz eingehender Untersuchungen findet der Arzt oft keine klare Ursache für die Beschwerden. Denn das komplizierte System Wirbelsäule reagiert auf ganz verschiedene Störungen recht gleichartig. Wer oder was auch immer den Schmerz ausgelöst hat, immer führt der Schmerzreiz zunächst zu einer reflexartigen Muskelanspannung. Wenn der Reiz weiter anhält, verkrampfen sich die Muskeln, eine Verspannung entsteht. Sie sorgt dafür, dass auch die benachbarten Abschnitte der Wirbelsäule in das Schmerzgeschehen einbezogen werden. Auf diese Art entsteht ein Teufelskreis, der sich unabhängig vom auslösenden Reiz verstärkt und unterhält.

Ähnliche Teufelskreise werden auch im Rückenmark und im Gehirn ausgelöst, wo der Rückenschmerz verarbeitet wird.

Diese Mechanismen schaukeln sich so auf, dass der Schmerz sich irgendwann verselbstständigt. Unabhängig vom ursprünglichen Auslöser stehen die Schmerzen dann ganz im Vordergrund. Die Therapie solcher chronischen Rückenschmerzprobleme gehört in diesem Fall in die Hand speziell geschulter Schmerztherapeuten. Diese ergänzen die Behandlung durch Entspannungstechniken, z. B. Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson sowie psychotherapeutische Verfahren.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung

Wegen der Häufigkeit von Rückenschmerzen im Praxisalltag verzichtet der Arzt häufig zunächst darauf, die genaue Ursache der Rückenschmerzen zu ermitteln. Er klärt vielmehr zuerst ab, ob eine gefährliche oder eine ungefährliche Situation vorliegt. Gefährlich sind v. a. drohende Nervenschädigungen oder Lähmungen durch Einengung des Wirbelkanals und der Nervenaustrittslöcher. Solche Notfallsituationen lassen sich meist schon durch die körperliche Untersuchung erkennen und durch Röntgen, CT oder Kernspin bestätigen, im Zweifelsfall auch durch Spezialuntersuchungen wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Gelegentlich können Rückenschmerzen aber schwere Erkrankungen innerer Organe zugrunde liegen, etwa Herzinfarkt, Rippenfellentzündung, Risse und Aussackungen in der Hauptschlagader, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Nierensteine. Bei Frauen können Kreuzschmerzen ihre Ursache auch in gynäkologischen Erkrankungen haben.

Am Ausmaß chronischer Rückenschmerzen ist die Psyche immer mit beteiligt, entweder als Dämpfer, als Verstärker oder sogar als Auslöser. So zählen Rückenbeschwerden zu den häufigsten somatoformen Störungen.

Sind gefährliche Ursachen ausgeschlossen, erübrigen sich zunächst weiterführende Untersuchungen an der Wirbelsäule, weil Röntgen-, CT- und Kernspinbefunde häufig keine Übereinstimmung mit den Beschwerden zeigen.

Auch wenn es dem Arzt gelingt, auf diese Weise die Ursache von Rückenschmerzen aufzudecken, ändert diese Erkenntnis selten etwas an der Behandlung.

Handelt es sich um unkomplizierte akute Rückenschmerzen, klingen sie meist mit Medikamenten und/oder den bekanntesten Therapieverfahren innerhalb weniger Wochen ab.

Tritt keine Besserung ein, wird eine Ursachenforschung notwendig. Jetzt kommen technische Untersuchungsverfahren zum Einsatz, z. B. CT oder Kernspin, in Einzelfällen auch spezielle, radiologische Methoden wie Szintigrafie oder neurologische Untersuchungsverfahren, z. B. Elektromyografie und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Auch die Behandlung wird nun intensiver, z. B. durch eine Kombination mehrerer Behandlungsverfahren.

Therapie

Bei akuten Rückenschmerzen müssen zunächst die Schmerzen gelindert werden:

  • Direkt schmerzlindernd wirken Schmerzmittel, Massage, Wärme oder Kälte (je nach individuellem Bedürfnis) sowie verschiedene elektrische Ströme. Hier haben auch komplementärmedizinische Maßnahmen wie Akupunktur und manuelle Therapie ihren Platz.
  • Auch wenn viele Betroffene ruhiges Liegen auf dem Sofa spontan bevorzugen, empfehlen aktuelle Behandlungsleitlinien, dem gewohnten Alltag nachzugehen und sich viel zu bewegen. Denn nur so lässt sich verhindern, dass sich die Muskeln wieder verspannen und der Teufelskreis von vorne beginnt. Die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) hat in einer Studie herausgefunden, dass häufig noch eine alte Therapie von Rückenschmerzen verordnet wird, die Bettruhe empfiehlt. Dieses Vorgehen leistet jedoch der Chronifizierung der Schmerzen Vorschub.

Medikamente

Schmerzmittel. Sind Rückenschmerzen so stark und anhaltend, dass sie den Tagesablauf stören, empfiehlt sich eine regelmäßige, mehrtägige Einnahme von Schmerzmitteln (NSAR), z. B. Ibuprofen 400–600 mg 3x täglich, Diclofenac 75 mg 2x täglich oder Etoricoxib (z.B. Arcoxia®) 90 mg 1x täglich. Wegen der zahlreichen Nebenwirkungen empfiehlt es sich, diese Schmerzmittel nicht länger als drei Tage ohne ärztliche Verordnung und Kontrolle einzunehmen.

Reicht dies nicht, verordnet der Arzt oft eine Kombination mit stärkeren Schmerzmitteln. Hier kommen z. B. Metamizol oder Flupirtin zum Einsatz, aber auch schwache Opioide, z. B. Tilidin, oder starke Opioide, z. B. Fentanyl. Sind die Rückenschmerzen chronisch, verordnet der Arzt manchmal auch Antidepressiva, z. B. Amitriptylin oder Antiepileptika, z. B. Gabapentin.

Sind die Rückenschmerzen mit starken Muskelverspannungen verbunden, helfen Muskelrelaxanzien, z. B. Tetrazepam oder Tolperison. Die meisten Mittel dieser Medikamentengruppe machen als Nebenwirkung müde und beeinträchtigen dadurch die Fahrtüchtigkeit. Bei abendlicher Einnahme lässt sich diese Nebenwirkung als Einschlafhilfe nutzen.

Spritzen oder Tabletten? Nach verbreiteter Meinung wirken Medikamente besser, wenn sie gespritzt werden. Diese Einschätzung ist jedoch falsch – gespritzte Medikamente wirken lediglich schneller als Tabletten oder Zäpfchen. Eine Ausnahme sind örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika), die sich ausschließlich spritzen lassen, und bestimmte Kortisonpräparate, die v. a. am Ort der Injektion wirken, ohne starke Nebenwirkungen im ganzen Körper zu verursachen. Alle anderen (Schmerz-)Medikamente sind als Tablette oder Zäpfchen ebenso effektiv wie Spritzen an die Wirbelsäule oder ins Gesäß. Außerdem treten bei Spritzen gelegentlich Komplikationen auf, wenn die Injektionsnadel wichtige Strukturen, z. B. Nerven und Gefäße, schädigt oder Bakterien einschleppt, die eine Infektion verursachen.

Orthopädische Injektionsbehandlung. Meist kommen örtliche Betäubungsmittel und Kortisonpräparate zum Einsatz, die der Arzt entweder oberflächlich, Quaddeln, Neuraltherapie, oder tief ins Gewebe spritzt. Unter Ultraschall-, Röntgen- oder CT-Kontrolle lassen sich Injektionen auch direkt an die Nervenwurzeln neben der Wirbelsäule setzen (periradikuläre Therapie). Eine aufwendigere Behandlung ist die Injektion von örtlichen Betäubungsmitteln, Kortisonpräparaten und anderen Substanzen in den Raum zwischen der Wirbelsäule und dem Rückenmark (peridurale Infiltration), möglichst zielgenau an die schmerzende Stelle. Sie erfolgt über einen dünnen Schlauch (Katheter), den der Arzt unter Röntgenkontrolle einführt und dort über mehrere Tage für wiederholte Injektionen belässt. Letztgenannte Verfahren sind in ihrer Langzeitwirkung umstritten.

Die einzigen Injektionen, deren Wirksamkeit in Studien belegt wurde, sind die so genannten Lidocaininjektionen. Diese werden direkt in den Muskel gespritzt. Sie wirken aber nur, wenn im Anschluss darauf Dehnungsübungen gemacht werden.

Allgemein anerkannte, nicht medikamentöse Therapieverfahren

Nur wenige Rückentherapieverfahren stützen sich auf einen wissenschaftlich untermauerten Wirkungsnachweis; dies gilt auch für einige schulmedizinische Therapien.

Allgemein gilt, dass passive Therapien, z. B. Massagen oder Fangopackungen, in der Regel nicht langfristig wirken, auch wenn sie kurzfristig die Schmerzen lindern. Sie sind aktiven Therapien wie z. B. der Physiotherapie unterlegen, die den Muskelapparat aufbauen und dadurch das Skelett stützen. Bei diesen ist der Erfolg mit Mühen und aktiver Mitarbeit verbunden und tritt langsamer ein.

Häufig verordnete Therapien sind:

Krankengymnastik. Gezielte Übungen helfen beim Aufbau stützender Muskelgruppen, die die Wirbelsäule stabilisieren. Sie dehnen verspannte und verkürzte Muskeln und verbessern damit die Rückenbeweglichkeit. Außerdem schulen sie Koordination und Körpergefühl, was langfristig zu rückenfreundlicheren und gesünderen Bewegungsmustern führt.

Die Wirksamkeit von Krankengymnastik ist bei Rückenschmerzen wissenschaftlich erwiesen, jedoch nur bei konsequenter (täglicher) Fortführung der Übungen zu Hause.

Krankengymnastik an Geräten (Bewegungstherapie). Durch Training an Fitnessgeräten wird der gezielte Muskelaufbau unterstützt. Unter kompetenter Anleitung durch eine Fachkraft ist sie bei Rückenschmerzen ein wichtiges Behandlungsverfahren mit nachhaltiger Wirkung.

Physikalische Verfahren. Physikalische Verfahren wie Wärme (Rotlicht, Fango, heiße Rolle), Kälte (Eis, Wechselduschen) und Strom (Gleichstrom, verschiedene Wechselströme, TENS-Therapie) lindern Rückenschmerzen, verbessern die Durchblutung, entspannen oder aktivieren die Muskulatur. Die Effekte sind kurzfristig messbar; eine langfristige Wirksamkeit besteht aber nicht.

Sanfte Bewegungstherapien. Yoga, Tai Chi und Qigong, Feldenkrais oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten das Körperbewusstsein, ändern Bewegungsmuster und verbessern die Koordination der Bewegungen. Obwohl ursprünglich nicht als Rückentherapie entwickelt, haben sich diese übenden Mind-Body-Verfahren in der Praxis gut zur Behandlung von chronischen, teils auch akuten Rückenschmerzen bewährt. Insbesondere für Yoga liegen auch wissenschaftliche Wirknachweise vor.

Rückenschule. Die Anleitung zur Selbsthilfe will neben gymnastischen Übungen zur Stärkung der Muskulatur und der Beweglichkeit auch Wissen zu rückenschonendem Verhalten vermitteln. Krankenkassen, Krankengymnasten und Rehabilitationskliniken bieten hierzu Kurse an, deren Kosten häufig die Krankenkasse übernimmt. Die Rückenschule ist bei chronischen Rückenproblemen dann hilfreich, wenn der Betroffene die erlernten Techniken in Eigenregie in seinem Alltag einsetzt.

Physiotherapie. Vor allem in Kombination mit einer manuellen Therapie sehr wirksam. Ein Muskel wird zunächst gegen Widerstand angespannt, dann lässt man ihn locker und der Therapeut kann den Muskel im Anschluss schmerzfrei dehnen

Umstrittene, nicht-medikamentöse Therapieverfahren

Magnettherapie (Magnetfeldtherapie). Lange Zeit waren schlecht heilende Knochenbrüche das Haupteinsatzgebiet der Magnettherapie – hierfür ist der therapeutische Effekt des mit pulsierenden Magnetfeldern arbeitenden Verfahrens inzwischen wissenschaftlich belegt. Viele Orthopäden setzen die Magnetfeldtherapie auch zur Linderung chronischer Rückenschmerzen ein. Der therapeutische Nutzen ist aber umstritten. Die Befürworter führen insbesondere den muskelentspannenden und schmerzlindernden Effekt an, der der Magnettherapie zugeschrieben wird. Zur Anwendung kommen entweder eine Ganzkörpermatte oder ein Applikator, mit dem gezielt lokal begrenzte Rückenschmerzen behandelt werden. Welche Vorgehensweise im Einzelfall geeignet ist, bzw. wie viele Anwendungen in welcher Dosierung Erfolg versprechend sind, sollte vorab mit einem erfahrenen Therapeuten festgelegt werden. Ansonsten eignet sich das Verfahren auch zur Heimanwendung.

Laserakupunktur.Eine Behandlung mit Soft- oder Low-Level-Lasern soll gegenüber der klassischen Nadelakupunktur eine Schmerzlinderung verschaffen und nur geringe Nebenwirkungen haben.

Operationen an der Wirbelsäule. Hartnäckige und chronische Rückenschmerzen alleine sind kein Grund für eine Operation. Die Missachtung dieser Tatsache hat in der Vergangenheit zu so vielen Fehlschlägen von Operationen geführt, dass sich dafür sogar ein medizinischer Begriff eingebürgert hat: die Failed Back Surgery, die fehlgeschlagene Rückenoperation.

Operationen sind nur dann notwendig und Erfolg versprechend, wenn schwere Symptome auf nicht operative Behandlungen unzureichend ansprechen und die Beschwerden sich auf klar identifizierbare Ursachen zurückführen lassen, welche operativ zu beheben sind.

Die Ursachenforschung erfordert meist einen großen diagnostischen Aufwand. Die Befunde von bildgebenden Verfahren, z. B. Röntgen, CT und Kernspin, sind zudem nur dann aussagekräftig, wenn sie zu den Symptomen und den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung passen. Glücklicherweise sind Arzt und Patient mit der Entscheidung für eine operative Therapie selten unter Zeitdruck; eine Ausnahme bilden die wenigen Situationen, in denen eine drohende Nervenschädigung, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall eine sofortige Operation erzwingt.

Entlastungsoperationen. Ziel ist die Entlastung eingeengter Nerven, z. B. bei Bandscheibenschäden, oder Einengung des Wirbelkanals (Spinalstenose). Zu diesem Zweck entfernt der Operateur Teile von Bändern und Wirbelbögen, gegebenenfalls auch krankhafte Knochenanbauten (Spondylophyten). Die Operation beeinträchtigt die Stabilität der Wirbelsäule nur geringgradig; das Gesamtgefüge bleibt erhalten.

Versteifungsoperationen. Sie dienen meist dazu, einen instabilen Wirbelsäulenabschnitt zu stabilisieren, z. B. bei Spondylolisthese, Wirbelgleiten, Wirbelbrüchen oder Knochenmetastasen. Ein weiteres Einsatzgebiet von Versteifungsoperationenm (Spondylodesen) ist die Korrektur von Wirbelsäulenverkrümmungen, z. B. bei Skoliose oder schwerem Morbus Scheuermann. Dabei bringt der Operateur in die Wirbelkörper der betroffenen Region Schrauben ein und verbindet sie über Stäbe in Längs- und eventuell Querrichtung miteinander. Oft ersetzt er zusätzlich mehrere Bandscheiben durch Knochenblöcke oder Titanimplantate. Die eigentliche Versteifung ist Aufgabe des Körpers und findet in den folgenden Monaten statt, indem die stabilisierten Wirbelsäulenabschnitte miteinander verwachsen. Da sich die versteiften Segmente nicht mehr gegeneinander bewegen, sind die benachbarten Segmente vermehrter Belastung ausgesetzt; daher nützen sich diese häufig vorzeitig ab und verursachen dann ihrerseits Schmerzen.

Vertebroplastik und Kyphoplastik. Diese Techniken dienen der Behandlung von Wirbelkörperbrüchen durch Osteoporose; sie kommen aber auch bei starken Schmerzen durch Wirbelsäulenmetastasen zum Einsatz. Bei der Vertebroplastik (Vertebroplastie) spritzt der Arzt Knochenzement in den Wirbel und versucht damit, die Knochensubstanz zu stabilisieren und weitere Verformungen zu verhindern. Die Kyphoplastik (Kyphoplastie) beinhaltet die gleichen Operationsschritte, jedoch bläst der Operateur vor dem Einspritzen des Zements den Wirbel mit einem Ballon auf seine ursprüngliche Höhe auf.

Denervierung. Bei schmerzhaften Verschleißerkrankungen der Zwischenwirbelgelenke Facettensyndrom bietet sich das Verfahren der Denervierung an. Durch gezielte Stromimpulse schaltet der Arzt diejenigen Nervenfasern aus, die Schmerzreize aus den erkrankten Gelenken weiterleiten. Dazu verwendet er eine Thermosonde, die er unter lokaler Betäubung oder kurzer Narkose über eine Nadel an die Nerven heranführt. Das Verfahren beseitigt zwar die Schmerzen, nicht jedoch deren Ursache. Zudem ist es schwierig und aufwendig, die schmerzhaften Zwischenwirbelgelenke alle korrekt zu identifizieren.

Selbsthilfe

Die Selbsthilfe bei Rückenschmerzen beruht auf drei Prinzipien: Bewegung, Bewegung und Bewegung – soweit sie nicht schmerzt. Dabei spielt das Engagement des Betroffenen im Rahmen der Selbsthilfe eine ebenso wichtige Rolle wie die Behandlung durch den Arzt. Dies gilt neben der Behandlung von Rückenschmerzen umso mehr für deren Vorbeugung: Auch nach der wirkungsvollsten Behandlung kehren Rückenschmerzen wieder, wenn der Betroffene im Alltag nicht weiterhin auf seinen Rücken achtet.

Linderung akuter Schmerzen

Ohne Linderung der akuten Schmerzen schafft es kaum ein Betroffener, überhaupt wieder in Bewegung zu kommen. Hier bieten sich folgende Möglichkeiten der Selbsthilfe an:

Suchen Sie eine Haltung, in der Ihre Schmerzen möglichst gering sind. Erfahrungsgemäß wird Liegen und Gehen als angenehmer empfunden als Stehen und Sitzen. Viele Therapeuten empfehlen die Rückenlage mit um 90° gebeugten Hüft- und Kniegelenken (Stufenlagerung, Stufenbettlagerung). Für manche Rückenschmerzgeplagte ist auch die Bauchlage mit erhöhtem Oberkörper oder die Seitenlage mit angezogenen Beinen schmerzlindernd. Versuchen Sie, sich bewusst zu entspannen, wenn Sie eine schmerzarme Haltung gefunden haben: Atmen Sie bewusst und tief, hören Sie intensiv Musik, lesen Sie ein interessantes Buch … Gehen Sie spazieren, sobald es die Schmerzen zulassen. Langsames Gehen bewegt die Rückenmuskulatur schonend und entspannt sie zugleich. Zögern Sie nicht, bei akuten Rückenschmerzen Schmerzmittel einzunehmen. Wenn Sie sonst gesund sind, spricht nichts gegen eine kurzzeitige, maximal dreitägige Anwendung von rezeptfreien Schmerzmitteln, z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Sie helfen, den Teufelskreis von Schmerz und Verspannung zu durchbrechen. Wärme beruhigt und entspannt die Muskulatur und hilft dadurch, den Schmerz zu lindern. Bewährt haben sich warme Vollbäder (beruhigend: Melisse, Lavendel; anregend und durchblutungsfördernd: Rosmarin), warme Wickel (Heublume, Fango), Wärmflasche oder Wärmekissen im Bett, durchblutungsfördernde Pflaster (z. B. ABC-Wärmepflaster), Einreibungen z. B. mit Pferdesalbe, wärmende Unterwäsche aus Angorawolle, Wollschals oder auch ein Saunabesuch. Herzkranke Menschen müssen wegen der Kreislaufbelastung erst Rücksprache mit ihrem Arzt halten, bevor sie sich mit Vollbädern, Wickeln oder Saunabesuchen behandeln.

Besonders wirksam ist die heiße Rolle: Falten Sie ein Küchenhandtuch und zwei Frotteehandtücher der Länge nach. Wickeln Sie das Küchenhandtuch der Breite nach zu einer festen Rolle zusammen. Die beiden anderen Tücher werden schräg darum herumgewickelt, sodass das Ganze aussieht wie ein Trichter bzw. wie ein nur an einer Seite geöffnetes Bonbon. Gießen Sie nun etwa einen Dreiviertel Liter brühheißes Wasser in die Rolle (Vorsicht Verbrennung!) und wickeln Sie die Frotteehandtücher vollends um die jetzt nasse Innenrolle. Prüfen Sie die Wärme. Ist die Rolle zu heiß, so wickeln Sie ein weiteres Frotteetuch darum herum. Mit dieser heißen Rolle rollen, tupfen und massieren Sie über den Rücken. Wenn die Rolle kühler wird, nehmen Sie eine Frotteeschicht ab. Bei akuten Reizzuständen wirkt Kälte manchmal besser als Wärme. Bewährt haben sich Kühlpacks aus der Apotheke oder zerstoßene, in einem Waschlappen verpackte Eiswürfel, mehrmals täglich 1–5 Minuten lang auf die schmerzende Stelle aufgelegt. Um Erfrierungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Auflagen in ein Tuch einzuschlagen und direkten Kontakt mit der Haut zu vermeiden.

Rückenschonendes Verhalten im Alltag

Eine Garantie für einen schmerzfreien Rücken gibt es nicht. Wem es jedoch gelingt, die Wirbelsäule beweglich und die Muskelstütze funktionsfähig zu halten, hat schon halb gewonnen.

Bewegung. Wie bei der Therapie der Rückenschmerzen heißt deshalb das Motto: mehr Bewegung. Allerdings führen die meisten Menschen längerfristig nur solche Bewegungsarten aus, die ihnen entweder Spaß machen oder sich leicht in ihren Alltag integrieren lassen.

Gehen Sie möglichst zu Fuß oder benutzen Sie das Fahrrad. Ziehen Sie die Treppe dem Lift oder der Rolltreppe vor. Machen Sie Sport. Rückenschonende und die Rumpfmuskulatur trainierende Sportarten sind Schwimmen, Aquajogging, Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf. Achten Sie dabei auf eine gute Ausrüstung (Laufschuhe). Beginnen Sie ein Krafttraining im Fitnessstudio, wenn Ihnen diese Art Sport liegt. Unter kompetenter Betreuung lässt sich damit gezielt Muskulatur aufbauen, die den Rücken stärkt. Wenn Sie beruflich viel im Auto sitzen, leisten Sie sich einen guten Autositz und nutzen Sie die Pausen zum Umhergehen, zum Recken und Strecken. Wenn Sie im Büro tätig sind, erledigen Sie möglichst viel im Stehen oder Gehen. Insbesondere bei Stress sind solche Bewegungspausen wichtig, um eine Anspannung der Nacken- und Rückenmuskulatur zu verhindern. Ändern Sie beim Sitzen regelmäßig Ihre Position, abwechselnd leicht vorgeneigt, aufrecht und zurückgelehnt.

Arbeitsplatzergonomie. Arbeitsstühle mit der Funktion „dynamisches Sitzen“ sind sinnvoll. Sie verfügen über eine Rückenlehne, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Wenn Ihnen eine häufige Änderung der Sitzhaltung schwerfällt, wählen Sie eine dauerhafte Sitzposition, die zwischen Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 120° einschließt. Was früher als schlampige Haltung empfunden wurde, hat sich in neueren, wissenschaftlichen Studien als deutlich rückenfreundlicher erwiesen als eine „gerade“ Sitzhaltung mit einem rechten Winkel in der Hüfte. Wichtig für die Arbeitsplatzergonomie ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut. Wenn Sie körperlich arbeiten, vermeiden Sie möglichst Tätigkeiten, die den Rücken belasten. Gelingt dies nicht, führen Sie die erforderlichen Arbeiten rückenschonend aus. Heben und tragen Sie Gegenstände mit geradem Rücken und gleichmäßiger Verteilung auf beide Arme. Tragen Sie schwere Lasten dicht am Körper und vermeiden Sie dabei unbedingt, den Oberkörper im Stand zu drehen. Besser: In die Hocke gehen statt sich zu bücken, soweit es Ihre Kniegelenke erlauben.

Gewichtsnormalisierung. Bauen Sie vorhandenes Übergewicht ab. Sie entlasten damit nicht nur Ihren Rücken, sondern steigern zugleich auch die Bewegungs- und Lebensfreude.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Bei starken akuten Rückenschmerzen sind standardisierte Pflanzenextrakte kaum eine Alternative zu den im Allgemeinen gut wirksamen synthetisch hergestellten Schmerzmitteln. Dementsprechend sind schmerzlindernde Kombinationspräparate wie z. B. Eschenrinde in Verbindung mit Zitterpappel (enthalten z. B. in Phytodolor® Tinktur) allenfalls dann empfehlenswert, wenn es sich um leichtere bzw. abklingende Rückenschmerzen handelt.

Sind Muskelverspannungen die Ursache für Rückenschmerzen, können Einreibungen mit ätherischen Ölen wie Arnikaöl, Johanniskrautöl, Rosmarinöl oder Eukalyptusöl (enthalten z. B. in Dolocyl® Muskel- und Gelenköl) die Beschwerden lindern.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt ein individuell abgestimmtes Konstitutionsmittel als Begleittherapie, z. B. zu physiotherapeutischen Maßnahmen. Hier kommen u. a. Aconitum, Bryonia, Nux Vomica, Rhus toxicodendron und Sulfur infrage.

Akupunktur. Das Einstechen feiner Nadeln in standardisierte Akupunkturpunkte hat zum Ziel, einen gestörten „Energiefluss“ zu normalisieren. Die Wirksamkeit ist bei chronischen Rückenschmerzen wissenschaftlich nachgewiesen. In den entsprechenden Studien war ein Therapieerfolg auch dann zu sehen, wenn die Nadeln außerhalb der vorgesehenen Punkte gesetzt wurden. Manche Kritiker gehen deshalb von einer unspezifischen Wirkung aus.

Biofeedback. Das in chronischen Fällen sinnvolle Verfahren visualisiert Anspannungs- und Entspannungszustände und versetzt so den Rückenschmerzpatienten in die Lage, mit stress- bzw. schmerzauslösenden Situationen besser umzugehen.

Weitere komplementärmedizinische Maßnahmen.

Weiterführende Informationen

www.patientenleitlinien.de – Unter der Rubrik Rückenschmerz finden Sie detaillierte Informationen zur Ursache und Therapie, im Rahmen des Wissensnetzwerks www.evidence.de der Universität Witten/Herdecke.www.qualimedic.de/ruecken – Internetseite der Qualimedic AG, einer „Arzt-Aktiengesellschaft“ aus Köln: Unter der Rubrik Orthopäden finden Sie ausführliche Selbsthilfemaßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenproblemen. www.forum-schmerz.de – Internetseite des Deutschen Grünen Kreuzes, Marburg: Gut besuchtes Patientenforum. Unter dem Suchbegriff Rückenschmerzen finden Sie umfassende Informationen. www.starker-ruecken.com – Private, neutral und unabhängig zusammengestellte Internetseite mit Inhalten rund um das Thema Rückenschmerzen. Den Nutzern werden Buch- und Produkttipps, Links und allgemeine Informationen angeboten. Besonders hilfreich ist die Möglichkeit, sich mehr als 100 verschiedene Rückenübungen als Video anzusehen.J. Weingart et al.: Endlich ein gesunder Rücken. Mit gezielten Übungen schmerzfrei und entspannt. Urania, 2006. Den ärztlichen Ratgeber zeichnet eine Vielzahl reich bebilderter Übungen aus. M. Schwarz: Schmerzfrei mit der Dorn-Methode. Foitzick, 2007. Nützlicher Ratgeber, der die Prinzipien der Dorn-Methode in alltagstaugliche Rückenübungen umsetzt.

Skoliose

Skoliose (idiopathische Skoliose): Fixierte Seitverbiegung der Wirbelsäule, meist kombiniert mit einer Verdrehung um die Längsachse. In knapp 90 % der Fälle ist die Ursache unbekannt (idiopathisch), 10 % sind Folgen von Lähmungen, Muskel- und Nervenerkrankungen, unterschiedlich langen Beinen und Unfällen. Skoliosen treten bei Mädchen viermal häufiger auf als bei Jungen. Die Therapieempfehlungen sind abhängig vom Ausmaß der Verbiegung und der Geschwindigkeit der Zunahme. Sie reichen von bloßer Beobachtung über Korsettbehandlung bis zur Operation. Wenn die Verbiegung nach dem Wachstumsabschluss zum Stillstand kommt, ist der Langzeitverlauf meist sehr gut. Nimmt die Verbiegung weiter zu, entwickeln sich eventuell schwere Verformungen von Wirbelsäule und Brustkorb, im Extremfall mit Beeinträchtigung innerer Organe.

Leitbeschwerden

  • Anfangs oft keine Beschwerden, selten Rückenschmerzen
  • Veränderung der Körperformen wie Höherstehen einer Schulter, einseitiges Vorstehen des Beckens, selten sichtbare Rückenkrümmung; meist zufällig von Beobachtern bemerkt (z. B. beim Umziehen oder Duschen)
  • Einseitiges Vorspringen des Brustkorbs (Rippenbuckel) oder der Lendenmuskulatur (Lendenwulst) beim Vornüberbeugen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn eine Veränderung der Körpersymmetrie auffällt

Die Erkrankung

Skoliosen entstehen während des Wachstums. Es gibt angeborene und frühkindliche Formen, die meisten Fälle werden aber im Alter von 10–14 Jahren auffällig. Dass in bestimmten Familien Skoliosen gehäuft vorkommen, spricht für eine erbliche Komponente. Oft finden sich die Krümmungsscheitel bei verwandten Betroffenen an den gleichen Stellen der Wirbelsäule. Die Verbiegung und Verdrehung der Wirbelsäule entsteht durch Wachstumsstörungen einzelner Wirbelabschnitte. Während des Wachstums nimmt die Fehlstellung deshalb meist zu, später verlangsamt sich die Zunahme oder kommt sogar zum Stillstand. Beträgt allerdings der Verbiegungswinkel mehr als 40°, ist auch im höheren Lebensalter mit einem Fortschreiten der Skoliose zu rechnen, im Einzelfall bis zu 3° pro Jahr. In unbehandelten Fällen entwickeln sich dadurch im Erwachsenenalter manchmal schwere Verformungen von Wirbelsäule und Brustkorb, die zunehmend Nerven und Wirbelkanal einengen und in extremen Fällen sogar die Funktion von Herz und Lunge stören.

Während des Wachstums kommen Rückenschmerzen bei Skoliosepatienten nicht häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. Die betroffenen Kinder leiden unter der veränderten Körpersymmetrie, die besonders in der sensiblen Phase der Pubertät als Entstellung wahrgenommen wird. Wenn zusätzlich eine Korsettbehandlung nötig ist, nimmt die psychische Belastung zu, weil das Korsett die Bewegungsfreiheit einschränkt und sich meist nicht durch Kleidung kaschieren lässt.

Das macht der Arzt

Im Gespräch fragt der Arzt nach Skoliosen in der Familie, bestimmten Entwicklungsschritten (erste Periode, Wachstum) und eventuellen Beschwerden. Danach untersucht er Nervensystem und Wirbelsäule. Korrigierbare Verbiegungen, z. B. durch eine unterschiedliche Beinlänge, werden nicht als Skoliose bezeichnet; sie sind meist harmlos und leicht durch eine orthopädische Schuhzurichtung korrigierbar.

Durch das Röntgen der Wirbelsäule lässt sich die Verbiegung genau messen (Verfahren nach Cobb). Neben diesem Messwert fließen in die Therapieentscheidung noch weitere Kriterien ein, insbesondere die Geschwindigkeit der Skoliosezunahme und das noch zu erwartende Wachstum. Für die Behandlung gelten folgende Richtlinien:

  • Bei Skoliosen mit einer Verbiegung von weniger als 20° genügen regelmäßige Kontrollen, konsequenter Sport und eine spezielle Rückengymnastik.
  • Skoliosen mit einer Verbiegung von mehr als 20° erfordern das Tragen eines Korsetts; zusätzlich verordnet der Arzt Krankengymnastik. Die Korsettbehandlung ist Erfolg versprechend, bedeutet aber für junge Menschen in der Pubertät eine starke psychische Belastung und körperliche Einschränkung. Die Jugendlichen benötigen deshalb eine einfühlsame Motivation durch Familie und Freunde, um die erforderliche Tragedauer von 16–23 Stunden pro Tag einzuhalten.
  • Bei Skoliosen mit einer Verbiegung von mehr als 45–50° empfiehlt sich eine operative Behandlung. Sie hat zum Ziel, die Wirbelsäule möglichst gerade aufzurichten und in einer günstigen Stellung mit Stäben zu versteifen. Die postoperative Rehabilitation nimmt etwa ein halbes Jahr in Anspruch.
  • Als Verlaufskontrolle dienen wiederholte Röntgenuntersuchungen während des Wachstums in Abständen von 8–12 Monaten, später in deutlich größeren Zeitintervallen.

Prognose

Die nicht-operative Behandlung verlangsamt oder verhindert ein Fortschreiten der Skoliose. Entscheidend für den Therapieerfolg sind ein frühzeitiger Beginn und eine konsequente Durchführung, weil bestehende Verbiegungen ohne Operation kaum mehr rückgängig zu machen sind. Je kleiner die Verbiegung zum Wachstumsabschluss ist, umso wahrscheinlicher kommt die Skoliose im Erwachsenenalter dauerhaft zum Stillstand. Menschen mit leichter Skoliose leiden genauso häufig an Rückenschmerzen wie normal gewachsene Menschen.

Große Verbiegungen schreiten meist auch nach Wachstumsabschluss weiter fort und erfordern deshalb eine rechtzeitige Operation. Eine dauerhaft verbesserte Stellung und Statik ist dann aber mit einer bleibend eingeschränkten Beweglichkeit der Wirbelsäule verbunden. Wird ein günstiger Operationszeitpunkt verpasst, führt die zunehmende Skoliose manchmal zu schweren Störungen der Herz- und Lungenfunktion.

Selbsthilfe und Vorsorge

Sport und körperliche Aktivität, wie sie generell zur Selbsthilfe und Vorsorge bei Rückenschmerzen dienen, stärken die Rückenmuskulatur. Die Asymmetrie der Skoliose erfordert oft zusätzlich krankengymnastische Spezialübungen, deren Erfolg von einer konsequenten Durchführung abhängt. Die Motivation durch die Eltern ist hierfür genauso wichtig wie das regelmäßige Tragen eines Korsetts. Familie und Freunde haben die Aufgabe, die unter den Einschränkungen leidenden Kinder und Jugendlichen zu ermutigen und in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Skoliose: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der idiopathischen Skoliose im Wachstumsalter.
  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Wirbelsäulendeformitäten: Ärztliche Leitlinie zum Rehabilitationskonzept für Wirbelsäulendeformitäten.
  • www.skoliose.com – Informative Internetseite der Katharina Schroth Klinik, Bad Sobernheim, die auf die Behandlung von Skoliose spezialisiert ist.
  • www.skoliose-info-forum.de – Privat geführte Internetseite, Waxweiler: Informativ, interaktiv und mit Forum. Richtet sich an Patienten und Interessierte von Wirbelsäulendeformitäten (v. a. Skoliosen und Morbus Scheuermann).
  • www.bundesverband-skoliose.de – Internetseite des Bundesverbands Skoliose-Selbsthilfe e. V., Limbach: Seit 1971 bestehende Selbsthilfevereinigung mit rund 1 700 Mitgliedern, mit Selbsthilfegruppen in allen Bundesländern.
  • www.skoliose-aktiv.de – Internetseite der Skoliose Aktiv e. V., Stuttgart: 1996 gegründete Selbsthilfevereinigung, mit hilfreichen Informationen.
  • H. R. Weiß: Ich habe Skoliose. Pflaum, 2007. Praktischer Leitfaden für Betroffene, Angehörige und Therapeuten.

Spinalstenose

Spinalstenose (Spinalkanalstenose): Verengung des Wirbelkanals, meist durch verschleißbedingte Veränderungen an Wirbelgelenken, Bändern und Bandscheiben. Die Erkrankung ist im höheren Lebensalter sehr häufig. Sie betrifft meist die Lendenwirbelsäule und beeinträchtigt dort die Funktion der Rückenmarknerven. Wenn die konservative Behandlung versagt, helfen Entlastungsoperationen, die den Wirbelkanal erweitern. Bei über 60-Jährigen ist die Spinalstenose der häufigste Grund für eine Wirbelsäulenoperation.

Leitbeschwerden

  • Schweregefühl, Schmerzen und Schwäche in den Beinen, besonders beim Gehen und Stehen
  • Rückenschmerzen
  • Oft Taubheitsgefühl im Gesäß und/oder in den Beinen
  • Verstärkung der Beschwerden bei aufrechter Haltung, Verbesserung durch gebeugte Haltung, deshalb häufig Buckel beim Gehen.

Wann zum Arzt

Nach 1–2 Wochen bei anhaltenden Rückenschmerzen, belastungsabhängigem Schweregefühl oder Schmerzen in den Beinen

Innerhalb weniger Tage bei anhaltender Taubheit in Gesäß oder Bein.

Die Erkrankung

Von seltenen, angeborenen Formen abgesehen, handelt es sich bei der Spinalstenose um eine typische Alterungserscheinung der Wirbelsäule. Beteiligt sind verschiedene anatomische Strukturen, die zusammen die Wand des Wirbelkanals bilden: Bandscheiben, Zwischenwirbelgelenke und das Ligamentum flavum, ein kräftiges, in Längsrichtung verlaufendes Band. Eine direkte Einengung entsteht, wenn sich eine geschädigte Bandscheibe nach hinten vorwölbt oder vorfällt. Arthrosen der Zwischenwirbelgelenke wirken sich dagegen indirekt auf die Weite des Wirbelkanals aus, indem sie zur Bildung von knöchernen Ausziehungen (Spondylophyten) führen, die ihrerseits sowohl den Wirbelkanal als auch die Nervenaustrittslöcher einengen. Eine weitere Ursache ist eine Verdickung des Ligamentum flavum, das den Wirbelkanal nach hinten abschließt. Die Form dieses Bands ändert sich mit der Körperposition. Ist die Wirbelsäule leicht nach vorne gekrümmt, z. B. beim Sitzen, wird es gedehnt und verdünnt sich. Hierdurch öffnet sich der Wirbelkanal und bietet mehr Raum für das Rückenmark und die Nervenwurzeln. Ist die Wirbelsäule dagegen gestreckt, wie beim Stehen, verkürzt und verdickt sich das Band. Daher haben Patienten mit Spinalstenose Schmerzen beim Stehen oder Laufen, die nahezu sofort verschwinden, wenn sie sich hinsetzen oder bücken.

Das macht der Arzt

Die Abhängigkeit der Beschwerden von Körperhaltung und Belastungssituation ist so typisch, dass der Arzt meist sofort die richtige Diagnose stellt. Die sichere Abgrenzung von ähnlichen Krankheitsbildern gelingt durch Röntgen, CT und Kernspin, gegebenenfalls mit Kontrastmitteln.

Bei leichteren Beschwerden helfen meist konservative Behandlungsmaßnahmen, im Wesentlichen die gleichen wie bei Bandscheibenschäden. Speziell für die Therapie der Spinalstenose werden Mieder und Korsette angeboten, die den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt in eine günstigere Krümmung bringen. Starke Beschwerden lassen sich jedoch manchmal nur durch eine Operation beheben. Üblich sind Entlastungsoperationen, bei denen der Arzt Teile des Wirbelbogens und des verdickten Ligamentum flavum sowie knöcherne Ausziehungen entfernt. Die Entnahme größerer Knochenmassen macht oft eine anschließende Versteifungsoperation erforderlich, um die Stabilität des operierten Wirbelsäulenbereichs zu erhalten. Ein neues, ambulant durchführbares Operationsverfahren verwendet Implantate, die zwischen die Dornfortsätze der betroffenen Wirbel gespannt werden. Diese Spreizer haben die Aufgabe, die Wirbel auseinanderzudrücken und damit den verengten Kanal aufzuweiten. Die Operation führt in 70–80 % der Fälle zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden; Untersuchungen zur langfristigen Wirksamkeit stehen jedoch noch aus.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Spinalstenose: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Erkrankung.
  • www.orthopaedie-aukamm.de/documents/ws_spinalstenose.pdf – Orthopädische Gemeinschaftspraxis an der Aukammklinik, Wiesbaden: Gut verständliche Beschreibung, v. a. der Entwicklung von Spinalstenosen.
  • www.zdf.de/ZDFmediathek – Service des ZDF: Unter dem Suchbegriff Spinalstenose können Sie sich ein sehr informatives und empfehlenswertes Video herunterladen, in dem auch Betroffene zu Wort kommen.

Spondylolisthese

Spondylolisthese (Spondylolisthesis, Wirbelgleiten, Gleitwirbel): Verschiebung zweier Nachbarwirbel gegeneinander, wobei der obere nach vorn rutscht; in 80 % der Fälle am 5. Lendenwirbel. Bei der echten Spondylolisthese tritt das Gleiten durch eine angeborene oder überlastungsbedingte Spaltbildung des Wirbelbogens (Spondylolyse) auf. Jungen sind hiervon zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Bei der unechten Spondylolisthese (Pseudospondylolisthese) ist das Wirbelgleiten Zeichen einer verschleißbedingten Gefügelockerung der Wirbelverbindungen. 5–10 % aller Menschen über 60 Jahre sind von der Erkrankung betroffen, oft ohne Beschwerden zu entwickeln. Zur Behandlung leichterer Beschwerden reicht Krankengymnastik, bei Symptomen einer starken Nerveneinengung ist manchmal eine Versteifungsoperation erforderlich.

Leitbeschwerden

  • Rückenschmerzen, zum Teil mit Ausstrahlung ins Gesäß und in die Beine
  • Beinschmerzen nach einer längeren Gehstrecke, die sich durch eine Pause oder kurzes Hinsetzen bessern
  • Gefühl der Instabilität im Rückenbereich
  • Manchmal Gefühlsstörungen (Kribbeln oder Taubheit) oder Teillähmungen eines Beins.

Wann zum Arzt

Nach 1–2 Wochen bei anhaltenden, lokalen Rückenschmerzen

Innerhalb einiger Tage bei anhaltenden Gefühlsstörungen im Bein

Innerhalb eines Tages bei Lähmungsserscheinungen in einem Bein

Sofort bei Kontrollverlust über Blase und Mastdarm (sehr selten).

Die Erkrankung

Spondylolisthese. Die Ursache der echten Spondylolisthese liegt in einem Defekt der Wirbelbogenwurzel zwischen oberem und unterem Gelenkfortsatz. Da meistens beide Seiten eines Wirbelbogens betroffen sind, geht die feste Verbindung von Wirbelbogen und Wirbelkörper verloren. Die Entstehung des Defekts ist sowohl anlage- als auch überlastungsbedingt. Betroffen sind häufig Sportler, die beim Ausüben ihres Sports ihren Rumpf wiederholt rückwärts beugen, z. B. beim Turnen, Trampolinspringen, Speerwerfen, Judo, Ringen, Delphinschwimmen. Die Erkrankung beginnt meist im Kindes- und Jugendalter. Gelegentlich führt sie zu einer Instabilität der Wirbelsäule, die der Körper jedoch zunächst durch vermehrte Muskelarbeit auszugleichen versucht. In diesem Stadium spürt der Betroffene nichts von seiner Erkrankung. Auf Dauer macht sich jedoch die ständige Überlastung von Bändern und Muskeln in Form von Rückenschmerzen bemerkbar. Bei stärkeren Verschiebungen der Wirbel treten Überlastungsbeschwerden der Zwischenwirbelgelenke auf. Führt die Spondylolisthese zur Einengung von Nervenwurzeln, strahlen die Schmerzen typischerweise in die Beine aus.

Die unechte Spondylolisthese tritt dagegen v. a. bei älteren Menschen auf. Sie beruht auf verschleißbedingten Schädigungen an der Bandscheibe und den Zwischenwirbelgelenken. Insbesondere der 4. und 5. Lendenwirbel lösen sich bei mangelhafter Fixierung aus dem Verbund und rutschen oder kippen nach vorne.

Dauerhafte Nervenschäden drohen, wenn in den Beinen Gefühlsstörungen, Muskelschwächen oder Lähmungen auftreten, wenn z. B. Teile des Fußes „einschlafen“ oder die Fußspitze beim Gehen am Boden schleift.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Die Spondylolisthese wird häufig zufällig beim Röntgen, CT oder Kernspin entdeckt. Anhand einer Röntgenaufnahme beurteilt der Arzt das Vorliegen und gegebenenfalls das Ausmaß einer Spondylolisthese. Findet er bei der körperlichen Untersuchung Hinweise auf eine Nerveneinklemmung, benötigt er zur Planung der Therapie zusätzlich ein Kernspin.

Therapie. Die Behandlungsgrundsätze sind dieselben wie bei Bandscheibenschäden. Symptome einer schweren Nerveneinengung machen eine Operation erforderlich, in der Regel eine Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts (Spondylodese). Die Operation beseitigt sowohl die Beschwerden durch die Nerveneinengung als auch die Schmerzen, die durch die Instabilität der Wirbelsäule entstehen. Die Gesamtbeweglichkeit des Rückens leidet kaum unter der Versteifung einzelner Wirbelsegmente; allerdings steigt die Belastung der benachbarten Segmente und begünstigt dort frühzeitige Verschleißerscheinungen.

Selbsthilfe

Entscheidend ist ein guter Trainingszustand von Muskulatur und Bändern. Sämtliche Maßnahmen zum Vorbeugen von Rückenschmerzen, beispielsweis durch einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz, sind empfehlenswert.

Komplementärmedizin

Empfohlen werden die gleichen Therapieverfahren wie bei Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Spondylolisthese: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Erkrankung.

Stumpfes Bauchtrauma

Stumpfes Bauchtrauma: Verletzung des Bauchraums durch stumpfe Gewalt, häufig verursacht durch Autolenkräder oder Fahrradlenker. Leichte Verletzungen sind häufig und heilen meistens ohne Behandlung. Bei stärkerer Gewalteinwirkung entstehen eventuell Milzrisse, Leberrisse (Leberrupturen) oder Bauchspeicheldrüsenrisse (Pankreasrupturen), die meist zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen und deshalb in der Regel eine rasche Operation erfordern. Verletzungen von Magen, Darm, Blase und Nieren werden ebenfalls operiert, da sie ohne Therapie meist eine gefährliche Bauchfellentzündung und/oder Blutvergiftung verursachen.

Leitbeschwerden

  • Bauchschmerzen nach Schlag oder Tritt in den Bauch
  • Häufig Schockzeichen wie kalter Schweiß, Schwindel, Herzrasen, Unwohlsein, Angst und innere Unruhe.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag nach einem Unfall mit Schlag oder Tritt gegen den Bauch oder den Brustkorb mit anschließenden Schmerzen

Sofort mit dem Notarzt ins Krankenhaus bei Schockzeichen wie Herzrasen, Kaltschweißigkeit und Angst.

Die Erkrankung

Der Begriff „stumpfes Bauchtrauma“ deckt ein weites Spektrum von Verletzungen ab: vom harmlosen Bluterguss in der Bauchwandmuskulatur bis zum Milzriss und Leberriss mit akut lebensbedrohlichen Blutungen. Gefährlich sind auch Verletzungen von Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Harnwegen; sie führen oft innerhalb mehrerer Tage bis Wochen zu Blutvergiftungen oder Bauchfellentzündungen. Viele lebensbedrohliche Folgen innerhalb des Bauchraums gehören zum Krankheitsbild des akuten Abdomens.

Da selbst harmlos scheinende Unfälle gelegentlich zu gefährlichen Verletzungen der Bauchorgane führen, ist es wichtig, nach stumpfer Gewalt gegen den Bauch auch bei geringfügigen Beschwerden frühzeitig einen Arzt aufzusuchen – im Zweifelsfall lieber zu häufig als zu selten. Die Chance, schwere Bauchverletzungen ohne bleibenden Schaden zu überstehen, ist am höchsten, wenn die Operation innerhalb der ersten acht Stunden erfolgt.

Das macht der Arzt

Die erste Aufgabe des Arztes besteht darin, möglichst rasch gefährliche von unbedenklichen Situationen zu unterscheiden. Zu diesem Zweck misst er Blutdruck und Puls, tastet und hört Bauch und Brust ab. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt eventuelle Blutungen sowie mögliche Milz- und Leberverletzungen, Röntgen- oder CT-Aufnahmen von Bauch und Brustkorb geben einen Hinweis auf schwere Magen- und Darmverletzungen. Durch mehrfache Blutuntersuchungen lässt sich ein (eventuell zunehmender) Blutverlust erfassen.

Früher wurde, um eine Blutung auszuschließen, eine Bauchhöhlenspülung (Peritoneallavage) mithilfe eines dünnen Schlauchs (Katheter) durchgeführt, den der Arzt über einen kleinen Schnitt in die Bauchhöhle einführte. Dieser diagnostische Eingriff erübrigt sich aber heute durch die moderne, hochauflösende bildgebende Diagnostik.

Eine starke Blutung erfordert eine sofortige Operation, bei der jede Minute zählt. Auch ein Loch in Magen oder Darm macht eine rasche Operation notwendig, allerdings mit etwas geringerem Zeitdruck. Bei einer leichten Blutung oder einem Bluterguss in Leber und Milz ist dagegen eine abwartende Haltung möglich, solange Blutdruck und Puls stabil sind. Die Betroffenen bleiben auf der Intensivstation und werden regelmäßig daraufhin untersucht, ob die Blutung von selbst zum Stillstand kommt. Gelingt es rechtzeitig, Blutungen zu stillen und die Folgen des Blutverlusts für den gesamten Organismus zu beherrschen, heilen die Verletzungen meist ohne bleibende Folgen.

Bei schweren Verletzungen der Milz ist es gelegentlich erforderlich, das gesamte Organ zu entfernen, wenn die – meist lebensbedrohliche – Blutung anders nicht zu stillen ist. Aus dem gleichen Grund ist der Chirurg manchmal gezwungen, Teile der Leber zu entfernen. Der Verlust der Milz führt zu einer gewissen Abwehrschwäche, deren Folgen sich jedoch durch verschiedene Impfungen, besonders gegen Pneumokokken, weitgehend auffangen lassen. Ansonsten hat die Entfernung der Milz oder eines Teils der Leber in der Regel keine einschneidenden Folgen für das spätere Leben.

Erste Hilfe

Der Bauchverletzte sollte immer liegen. Eine Rolle aus Decken oder Kleidung unter den Knien und eine Kopfunterlage entspannen die Bauchdecke und reduzieren auf diese Weise den Schmerz.

Der elterliche Reflex, Kinder bei Bauchschmerzen aller Art mit einer Wärmeflasche zu versorgen, ist bei einem stumpfen Bauchtrauma fehl am Platz. Wärme fördert nämlich die Durchblutung und verstärkt damit einen eventuellen Blutverlust.

Weiterführende Informationen

  • www.erste-hilfe-fuer-kinder.de – Private Internetseite eines Vaters aus Berlin: Steuern Sie unter der Rubrik Erste Hilfe das Thema Verletzungen an zu Ursache, Beschwerdebild und Behandlung von Bauchverletzungen.

Trichterbrust

Trichterbrust: Verformung des vorderen Brustkorbs mit einer trichterförmigen Eindellung des Brustbeins, bedingt durch eine Wachstumsstörung der Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen. Eines von 300 Kindern ist von der angeborenen Störung betroffen, Jungen dreimal häufiger als Mädchen. Körperliche Beeinträchtigungen sind sehr selten, im Vordergrund steht die psychische Belastung. Die Behandlung erfolgt operativ und führt zu guten, dauerhaften Ergebnissen.

Leitbeschwerden

  • Typischerweise keine körperlichen Beschwerden
  • Symmetrische oder asymmetrische Verformung des Brustkorbs mit eingesunkenem Brustbein
  • Häufig Fehlhaltung mit Rundrücken, nach vorne geneigten Schultern, Hohlkreuz mit ballonartig hervortretendem Bauch.

Wann zum Arzt

Beim Kleinkind, wenn eine Fehlstellung des Brustbeins auffällt

Vor der Pubertät, wenn der kosmetische Aspekt zum Problem wird.

Die Erkrankung

Die ungewöhnliche Form des Brustkorbs entsteht durch ein Fehlwachstum der Rippenknorpel am Übergang zum Brustbein. Die Ursache ist unklar, erbliche Faktoren spielen in 30 % der Fälle eine Rolle. Gelegentlich tritt eine Trichterbrust in Kombination mit einem Marfan-Syndrom auf, einer genetisch bedingten Anomalie des Bindegewebes. Meist fällt die Trichterbrust bereits im Säuglingsalter auf, doch nimmt die Verformung bis zum Abschluss des Wachstums zu. Körperliche Beschwerden finden sich dabei nur selten, auch starke Einengungen des Brustraums haben in der Regel keine Funktionsstörung von Herz oder Lunge zur Folge. Inwieweit das veränderte Aussehen zu psychischen Problemen führt, hängt sowohl von der Stärke der Fehlstellung als auch von der Persönlichkeit des Betroffenen ab.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine Trichterbrust wird durch eine Blickdiagnose sofort erkannt. Der Arzt dokumentiert und objektiviert sie durch seitliche und frontale Fotografien, Röntgenbilder und Messungen des Brustumfangs an verschiedenen Stellen. Ebenso wichtig ist es für den Arzt, den Leidensdruck des Betroffenen zu erfassen. Von den Ergebnissen dieser Untersuchungen hängt die Entscheidung für oder gegen eine operative Behandlung ab. Ist eine Operation geplant, ergänzt der Arzt die Diagnose durch eine dreidimensionale CT-Darstellung des Brustkorbs und durch Untersuchungen der Herz- und Lungenfunktion.

Konservative Therapie. Eine neue, nicht operative Behandlungsmethode benutzt Saugglocken, um durch leichten Unterdruck das Brustbein langsam zu heben. Bei regelmäßiger Anwendung beträgt die Behandlungsdauer einige Monate bis Jahre. Den Berichten nach profitieren Kinder ebenso wie Erwachsene im mittleren Lebensalter von dieser Methode; Langzeitergebnisse stehen aber noch aus.

Unabhängig von der sonstigen Behandlung empfiehlt es sich, begleitende Fehlhaltungen, z. B. Rundrücken, hängende Schultern oder Hohlkreuz, durch Krankengymnastik zu korrigieren. Der Aufbau einer natürlichen Haltung nimmt der Trichterbrust viel Belastendes und stärkt das Selbstvertrauen des Betroffenen.

Operative Therapie. Beim Verfahren nach Nuss, der Regenschirmmethode, führt der Operateur über kleine Schnitte einen Metallbügel ein und hebt damit das Brustbein an. Nach 2–4 Jahren entfernt er den Bügel über Schnitte an der gleichen Stelle. Obwohl der ideale Operationszeitpunkt vor der Pubertät liegt, lassen sich mit dieser Methode bei Patienten unter 30 Jahren gute kosmetische Ergebnisse erzielen. Stark asymmetrische Fehlstellungen erfordern meist eine offene Operation, am häufigsten nach dem Verfahren von Savitch. Dabei durchtrennt der Operateur Brustbein und Rippenknorpel und vernäht sie anschließend in korrigierter Stellung. Auch dieses Verfahren führt zu guten Resultaten.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Trichterbrust: Ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Erkrankung.
  • www.trichterbrustinfo.de – Private Internetseite eines Betroffenen aus Herdwangen-Schönach: Mit nützlichen und übersichtlichen Informationen.

Wirbelbrüche

Wirbelbrüche (Wirbelfrakturen): Bruch eines Wirbelteils (Wirbelkörper, Dornfortsatz, Wirbelbogen), häufig als pathologische Fraktur, nach Bagatellunfällen oder spontan, bei starker Osteoporose oder Krebsmetastasen in der Wirbelsäule. Seltener als unfallbedingte Verletzung durch starke, direkte (z. B. Sturz, Anprall) oder indirekte Gewalteinwirkung (z. B. Stauchung, Überstreckung). Stabile Brüche, wie sie oft bei Osteoporose auftreten, heilen meist unter konservativer Therapie innerhalb von 2–3 Monaten, eventuell unterstützt durch eine Korsettbehandlung. Instabile Brüche gefährden das Rückenmark und erfordern deshalb eine rasche Operation, häufig mit Versteifung des betroffenen Wirbelsegments.

Leitbeschwerden

  • Mäßige bis stärkste Schmerzen auf Höhe des Bruchs, eventuell mit Ausstrahlung in die Rippen oder die Lendengegend
  • Gefühlsstörungen und/oder Teillähmungen als Hinweis auf eine Rückenmarkverletzung
  • Rascher Verlust der Körpergröße um mehrere Zentimeter als Hinweis auf Osteoporosebrüche.

Wann zum Arzt

Innerhalb weniger Tage bei neu aufgetretenen Rückenschmerzen im höheren Alter, v. a. bei bekannter Osteoporose sowie bei anhaltender Taubheit in Arm oder Bein.

Sofort bei starken Rückenschmerzen nach einem Unfall, stärkerem Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen, im Zweifel liegend mit Krankentransport.

Die Erkrankung

Symptome, Therapie und Prognose von Wirbelbrüchen hängen davon ab, ob es sich um stabile oder instabile Formen handelt.

Stabile Wirbelbrüche. Bei stabilen Wirbelbrüchen sind die Wirbel zwar manchmal an der Vorderkante zusammengepresst (komprimiert), die Hinterkanten jedoch intakt, und damit das Gesamtgefüge stabil. Der Wirbelkanal mit dem darin verlaufenden Rückenmark ist nicht eingeengt und auch nicht von einer Einengung bedroht. In diese Gruppe gehören meist Osteoporosebrüche, die spontan oder nach kleinen Unfällen und Belastungen auftreten. Längerfristig führen die einwirkenden Kräfte (z. B. aufgrund des Körpergewichts) oft zu einer keilartigen Verformung des betroffenen Wirbelkörpers, der dadurch an seiner Vorderseite deutlich an Höhe verliert. Sind mehrere Wirbel betroffen, entwickelt sich ein Rundrücken, bei stärkerer Ausprägung ein sichtbarer „Witwenbuckel“, der oft mit starken Schmerzen verbunden ist. Typischerweise verursachen die ersten Wirbeleinbrüche meist wenige Beschwerden und bleiben deshalb häufig unerkannt. Dass dadurch die erforderlichen therapeutischen und v. a. vorbeugenden Maßnahmen ausbleiben, bedeutet eine große Gefahr, da das Risiko für weitere Wirbeleinbrüche bereits nach dem ersten Ereignis um das vier- bis fünffache steigt.

Instabile Wirbelbrüche. Bei instabilen Wirbelbrüchen ist auch die Wirbelhinterkante zerstört. Häufig entstehen bewegliche Bruchstücke, die das Rückenmark bedrängen oder verletzen. Ursache ist meist ein Unfall mit starker Gewalteinwirkung, z. B. ein Treppensturz, ein Sturz vom Pferd oder ein Sprung in seichtes Wasser; dabei sind die Lenden- und Brustwirbelsäule mit je 45 % häufiger betroffen als die Halswirbelsäule mit 10 %. Je nach Ausmaß und Höhe der Schädigung drohen unterschiedliche Formen der Querschnittlähmung. Drohende Lähmungen lassen sich durch eine Operation verhindern; bereits eingetretene Lähmungen können jedoch kaum rückgängig gemacht werden, da der Schaden an den Nerven meist irreparabel ist.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Nach Unfällen untersucht der Arzt die Wirbelsäule und sucht nach Gefühlsstörungen oder Lähmungen an Armen und Beinen. Röntgenaufnahmen beweisen einen vermuteten Bruch; zur weiteren Beurteilung ist meistens ein CT oder Kernspin erforderlich.

Konservative Therapie. Hierzu gehört eine weitgehende Bettruhe von einigen Tagen, die bei Bedarf durch die Gabe von Schmerzmitteln, z. B. NSAR, oder von Kalzitonin, z. B. Osteos® erleichtert wird. Bereits während dieser Zeit stehen die Patienten mit Unterstützung durch Krankengymnasten und Brustkorsette kurzzeitig auf. Für das notwendige Training der Rückenmuskulatur sorgen Anspannungsübungen im Liegen, isometrische Übungen. In den folgenden Tagen und Wochen lernen die Betroffenen rückengerechte Verhaltensweisen, ähnlich einer Rückenschule. Dies geschieht zunächst im Krankenhaus, nach 2–4 Wochen ambulant. Bei Brüchen am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule empfiehlt sich das Tragen eines Korsetts für 6–8 Wochen, um eine Fehlstellung zu verhindern. Patienten mit Halswirbelbrüchen erhalten meist für 6–12 Wochen eine Zervikalstütze („Halskrause“).

Operative Therapie. Stabile Brüche erfordern nur dann eine operative Behandlung, wenn sie mit hartnäckigen Schmerzen verbunden sind – ein häufiges Problem bei osteoporotischen Brüchen mit Verformung des Wirbelkörpers. Bei instabilen Wirbelbrüchen ist dagegen immer eine sofortige Operation erforderlich, auch wenn (noch) keine Zeichen einer Rückenmarkverletzung bestehen. Dabei überbrückt der Operateur die instabilen Segmente mit Metallstangen, Schrauben oder Metallkäfigen und korrigiert so bestehende Einengungen des Wirbelkanals. Nach der Operation ist nur für wenige Tage Bettruhe erforderlich, da die Implantate während der Heilungsphase genügend Stabilität für Alltagsbelastungen geben. Deshalb wird auch, zumindest im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule, meist auf eine zusätzliche Korsettbehandlung verzichtet. Bei operierten Halswirbelbrüchen dagegen verordnet der Arzt oft für einige Wochen eine Zervikalstütze. An den Klinikaufenthalt von etwa einer Woche Dauer schließt sich eine mehrwöchige Rehabilitation in einem spezialisierten Zentrum an. Die versteiften Segmente heilen innerhalb von 6–9 Monaten. Die Metallimplantate verbleiben in der Regel ein Jahr im Körper, in Einzelfällen auch lebenslang.

Als Alternative zur Versteifungsoperation bieten sich, insbesondere bei frischen oder stabilen Wirbelbrüchen, die minimal-invasiven Verfahren der Vertebroplastik und Kyphoplastik an. Sie haben zum Ziel, den erweichten und zusammengesackten Wirbelkörper durch Einspritzen von flüssigem Knochenzement zu stabilisieren und damit ein Fortschreiten der Wirbelverformung zu verhindern. Bei der Kyphoplastik bläst der Operateur den Wirbel zusätzlich vor dem Einspritzen des Zements mit einem Ballon auf seine ursprüngliche Höhe auf. Der Knochenzement härtet rasch und macht die Wirbelsäule sofort nach Abschluss der Operation belastbar. Der Patient bleibt nur wenige Tage in der Klinik und benötigt anschließend keine spezielle Rehabilitation. Meist führt die Stabilisierung zu einer deutlichen Verringerung der Schmerzen.

Selbsthilfe und Vorsorge

Konsequent auf rückengerechte Verhaltensweisen zu achten, ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausheilung von – operierten wie konservativ behandelten – Wirbelbrüchen. Anregungen hierzu finden Sie im Einleitungstext. Vorsorge ist besser als Nachsorge: Osteoporosebedingte Wirbelbrüche lassen sich am ehesten durch eine frühzeitige Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose verhindern.

Komplementärmedizin

Zur Linderung der Schmerzen sowie zur Unterstützung des Heilungsprozesses kommen bei Wirbelbrüchen als komplementärmedizinische Maßnahmen v. a. Magnettherapie, Homöopathie und Akupunktur in Betracht.

Komplementärmedizinische Maßnahmen zur Vorbeugung von Osteoporose.

Wirbelsäuleninfektionen

Wirbelsäuleninfektionen: Entzündungen der Wirbelkörper (Spondylitis) und der Bandscheiben (Spondylodiszitis), meist durch Bakterien ausgelöst. Je nach Ausdehnung der Infektion reicht die Therapie von mehrwöchiger, antibiotischer Behandlung im Krankenhaus bis zur Operation. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose gut, insbesondere bei Kindern.

Die Erkrankung

In Entwicklungsländern hat eine Infektion der Wirbelsäule meist eine Tuberkulose zur Ursache. Dagegen entsteht sie in Industrienationen typischerweise als Folge einer unbemerkten Blutvergiftung, seltener auch nach Verletzungen oder Eingriffen an der Wirbelsäule. Besonderes gefährdet sind Menschen mit Diabetes, Alkoholabhängigkeit, Mangelernährung und langfristiger Behandlung mit Kortisonpräparaten oder Zytostatika. Die Entzündung zerstört die Bandscheibe und/oder den Wirbel und greift oft auf benachbarte Weichteilgewebe über. Sie führt zu nächtlichen Ruheschmerzen, die sich durch Liegen nicht bessern. Oft leiden die Patienten unter Fieber, Schüttelfrost und einem allgemeinen Krankheitsgefühl, längerfristig unter deutlichem Gewichtsverlust. Ohne Behandlung führt die lokale Zerstörung der Wirbelsäule häufig zu Knickbildungen in der Wirbelsäule und langfristig zu Lähmungen. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung breitet sich die Infektion gelegentlich in den Brust- oder Bauchraum oder das Rückenmark aus.

Weisen die Beschwerden auf eine Infektion der Wirbelsäule hin, sucht der Arzt zunächst im Blut nach Entzündungszeichen, bei Fieber zusätzlich nach Bakterien. Kernspin und Knochenszintigrafie machen die Entzündungs- und Zerstörungsprozesse im Knochen und den Weichteilen sichtbar. Selten ist zur Diagnosesicherung eine Gewebeentnahme (Biopsie) erforderlich.

Die Therapie beginnt in der Klinik. Dort erhält der Patient während einer zwei- bis vierwöchigen Bettruhe eine Infusionsbehandlung mit hoch dosierten Antibiotika. Eine anschließende ambulante Behandlung mit Tabletten ist so lange erforderlich, bis die Entzündungswerte im Blut wieder normal sind – in der Regel dauert dies mehrere Monate. Meist heilt die Infektion ohne bleibende Schäden aus. Wenn die antibiotische Therapie jedoch keine ausreichende Wirkung zeigt, Abszesse in benachbarten Weichteilen entstehen oder die Wirbelsäule ihre Stabilität verliert, wird die Infektion operativ behandelt. Dabei entfernt der Arzt das kranke Gewebe, spült den Eiter aus und versteift im Bedarfsfall die zerstörten Wirbelsäulenabschnitte (Spondylodese).

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