Augen


Sehfehler

Alterssichtigkeit

„Die einzige Methode, der Alterssichtigkeit zu entgehen, ist jung zu sterben." (Zitat von Goethe)

Alterssichtigkeit (Presbyopie): Zunehmende Fehlsichtigkeit im Nahbereich durch Veränderungen der Linse im Alter. Sie kann sich ab dem 45. Lebensjahr immer weniger verformen, infolgedessen behält sie beim Blick in die Nähe ihre abgeflachte Form und hat damit eine geringere Brechkraft. Aus der Nähe einfallende Lichtstrahlen werden hinter der Netzhaut gebündelt und ergeben so ein unscharfes Bild. Die Korrektur erfolgt mit Sammelgläsern.

Leitbeschwerden

  • Das Lesen fällt schwer, wird der Text weiter weg gehalten, ist er wieder scharf: „die Arme werden länger"
  • Bei längerem Lesen oder Arbeiten im Nahbereich ermüden die Augen zu schnell oder es stellen sich Dauerkopfschmerzen ein.

Die Erkrankung

Die Alterssichtigkeit entsteht, wenn das Auge seine Fähigkeit zur Akkomodation allmählich einbüßt: Die Linse ist von einer festen Kapsel umgeben. Lebenslang werden vom Linsenrand her neue Linsenfasern gebildet. Da durch die feste Kapsel keine Zellen verloren gehen, drängen die neuen Fasern nach und nach ins Innere und verdichten das dortige Gewebe. Mit zunehmendem Alter nimmt daher der Wasseranteil der Linse ab und der unlösliche Eiweißanteil zu. Die Linse wird somit starrer, verliert an Elastizität und geht auch bei entspannten Aufhängefasern nicht mehr in die kugelige Form zurück. Die Naheinstellung wird schwieriger – dies ist der Beginn der Alterssichtigkeit. Bei den meisten Menschen zwischen 45 und 50 Jahren ist eine Korrektur von etwa +0,75 dpt nötig. Alle 5 Jahre verringert sich die Akkommodationsleistung um weitere 0,75 dpt, bis sie im Alter von 55–60 Jahren ganz verloren geht. Dann ist keinerlei Akkommodation mehr möglich und man hat seinen Maximalbrillenwert mit +2,5 bis +3,0 dpt erreicht.

Bei Weitsichtigen fällt die Alterssichtigkeit eher auf: Unter Umständen ist die erste Lesebrille schon mit Mitte 30 nötig. Der Augapfel ist zu kurz, die zunehmende fehlende Brechkraft der Linse muss durch stärkere Brillen ausgeglichen werden.

Hingegen wird eine bestehende Kurzsichtigkeit von -2,5 bis -3 dpt durch die Altersichtigkeit für den Nahbereich scheinbar ausgeglichen. Der Augapfel ist zu lang, es entsteht wieder eine scharfe Abbildung auf der Netzhaut, wenn im Abstand von 33 cm ohne Brille gelesen wird – aber ohne dass eine Akkommodation erfolgt, da der Text in den Fernpunkt des Auges gehalten wird. Kurzsichtigkeit und Alterssichtigkeit haben sich somit günstig ergänzt: Zum Lesen kann manchmal auf die Brille verzichtet werden.

Das macht der Arzt oder Optiker

Nach der Sehschärfenbestimmung für die Ferne wird die Sehleistung für die Nähe mit Lesetafeln bestimmt. War der Betroffene bisher normalsichtig, wird ihm eine reine Lesebrille von z. B. +1 dpt angepasst. Diese Brille hat Sammelgläser und muss für die Ferne und auch z. B. für die Arbeit am Bildschirm abgesetzt werden.

Komplizierter wird die Lesebrillenverordnung für Patienten mit bestehender Kurz- oder Weitsichtigkeit. Der Kurzsichtige erhält als Lesebrille eine Brille mit schwächeren Zerstreuungslinsen; so wird bei bestehender Kurzsichtigkeit von -3 dpt eine Lesebrille mit z. B. -1,5 dpt verordnet. Umgekehrt erhält der Weitsichtige eine Brille mit noch stärkeren Sammellinsen als Lesebrille. Um ständigen Brillenwechsel zu vermeiden, kann auch eine Gleitsichtbrille verordnet werden, die zwei Sehstärken kombiniert.

Eine Lasertherapie der Alterssichtigkeit ist nicht möglich.

Selbsthilfe

  • Viele Augenmuskelübungen versprechen, eine Zunahme der Alterssichtigkeit aufzuhalten. Dem ist leider nicht so: Wie auch sollte der von Jahrzehnt zu Jahrzehnt voranschreitende Prozess der Verdichtung und der damit einhergehende Elastizitätsverlust der Linse durch Augenmuskelübungen umgekehrt werden können? Im Gegenteil: Dauernde Anspannung und Überlastung des Systems führen eher zu Beschwerden
  • Wer sich etwas Gutes tun möchte, sollte ein entspannendes Augentraining, wie z. B. Palmieren, wählen und seine Brille möglichst oft tragen.

Farbuntüchtigkeit

Farbuntüchtigkeit: Störung der Farbwahrnehmung (Farbsinnstörung), entweder in Form einer Farbschwäche oder einer Farbenblindheit. Etwa 8 % aller Männer sind von einer angeborenen Farbuntüchtigkeit betroffen, hingegen nur 0,5 % der Frauen. Erworbene Formen sind selten, in diesen Fällen muss nach der zugrunde liegenden Ursache geforscht werden. Die Farbuntüchtigkeit ist keine Krankheit; sie kann aber erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben haben, z. B. bei der Berufswahl.

Leitbeschwerden

  • Bei angeborenen Störungen bemerkt der Betroffene meist nichts. Auf Nachfrage werden z. B. Rot oder Grün als Grau benannt.
  • Zu Gelb-, Blau- oder Rotsehen kommt es bei Überdosierung bestimmter Medikamente oder bei Vergiftungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder Ihr Kind an einer Farbschwäche leiden.

Sofort, wenn Sie eine Veränderung in Ihrem Farbempfinden bemerken.

Die Erkrankung

Der Farbtüchtige stellt aus drei Spektralfarben (Rot, Grün und Blau) alle anderen Farben durch Mischung her. Verantwortlich dafür sind drei verschiedene Netzhautzelltypen. Diese Farbsinneszellen sind in der Netzhautmitte lokalisiert und arbeiten nur bei Tageslicht. Bei Nacht sind also wirklich „alle Katzen grau".

Bei einer Farbuntüchtigkeit ist das Zusammenspiel der drei Farbsinneszelltypen gestört.

Eine erbliche Farbuntüchtigkeit äußert sich entweder in einer Farbschwäche – durch einen Mangel an Sehfarbstoff ist das Auge dann weniger empfindlich für die entsprechende Farbe oder für mehrere Farben – oder aber in einer Farbenblindheit, bei der eine oder mehrere Farben gar nicht mehr wahrgenommen werden. Völlige Farbenblindheit ist sehr selten, meistens liegt eine partielle Farbenblindheit vor, bei der ein Farbsinneszelltyp fehlt, so z. B. eine Rotblindheit (Protanopie), Grünblindheit oder eine Mischung aus beiden. Da die Betroffenen beide Farben regelmäßig verwechseln, nennt man aber alle diese Fälle Rot-Grün-Blindheit. Glücklicherweise sehr selten ist der Ausfall von zwei (Monochromasie) oder gar allen drei Farbempfindungen (vollständige Farbenblindheit).

Eine plötzlich auftretende Farbuntüchtigkeit ist immer ein ernst zu nehmendes Zeichen z. B. einer Sehnerventzündung oder einer Netzhauterkrankung. Selten, aber bedrohlich ist eine Farbuntüchtigkeit als Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Resochin®, Cordarex®) oder als Zeichen einer Vergiftung.

Das macht der Arzt oder Optiker

Verschiedene Farbtests können die Diagnose bestätigen:

  • Pseudoisochromatische Tafeln: Dieser Test zeigt Zahlen auf farbigem Untergrund, die nur von Farbtüchtigen richtig erkannt werden. Geprüft werden nur Rot/Grün-Störungen (siehe Abbildung).
  • Farnsworth-Farbfleckverfahren: Der Patient muss Steine mit unterschiedlicher Farbabstufung sortieren. Dieser Test ist aufwendiger, kann aber auch Blaustörungen aufspüren.
  • Anomaloskop nach Nagel: Dieses Gerät kann die Farbschwäche quantitativ erfassen. Der Patient muss mit Hilfe einer Drehschraube eine vorgegebene Farbe „mischen". Der Rotschwache wird z. B., um eine vorgegebene Mischfarbe einzustellen, mehr Rot benötigen als der Farbnormale und der am Anomaloskop abgelesene Wert (AQ-Wert, Anomalquotient) fällt dementsprechend niedriger aus. So ist eine genaue Angabe über die Art der Farbuntüchtigkeit und ihre Ausprägung möglich. Für viele Berufe ist eine Rotschwäche kein Problem, eine Rotblindheit jedoch ein Ausschlusskriterium, z. B. bei Malern, Busfahrern oder Piloten.

Auf dem Bild dargestellt ist die Farbwahrnehmung bei Farbenblindheit. Oberste Reihe: Der Farbgesunde nimmt alle Farben wahr. Zweite Reihe: Farbspektrum eines Rotblinden. Dritte Reihe: Farbspektrum eines Grünblinden. Vierte Reihe: Farbwahrnehmung bei Blauschwäche. Fünfte Reihe: Farbspektrum eines Farbenblinden (Bildquelle: Michael Amarotico, München/Familie Dres. med. Claudia und Arne Schäffler, Augsburg)

Die angeborenen Formen der Farbuntüchtigkeit können nicht behandelt werden. Eine Aufklärung, z. B. in Bezug auf die Berufswahl, sollte daher frühzeitig erfolgen.

Erworbene Arten der Farbuntüchtigkeit lassen sich mit den Farbtests nicht gut erfassen. Hier ist der Internist gefragt; bei Verdacht auf eine Medikamentenüberdosierung sollten sofort die eingenommenen Präparate überprüft werden.

Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (Myopie): Aus der Ferne einfallende Lichtstrahlen werden vor der Netzhaut gebündelt und ergeben so ein unscharfes Bild. Der Fernpunkt (der am weitesten entfernte, noch scharf zu sehende Punkt) liegt im Endlichen, z. B. bei 1 m (entspricht 1 dpt) oder 20 cm (5 dpt). Das kurzsichtige (myope) Auge ist zu lang oder die Brechkraft der Augenlinse ist zu hoch; die Korrektur erfolgt mit Zerstreuungsgläsern (Konkavlinsen, Minusgläser).

Leitbeschwerden

  • Ferne Gegenstände erscheinen unscharf
  • Nahe Gegenstände sind scharf zu erkennen
  • Bei Dämmerung verstärken sich die Beschwerden
  • Blinzeln beim Blick in die Weite
  • Kopfschmerzen (meist über den Augen).

Wann zum Arzt oder Optiker

Jährlich, wenn Sie Brillen- oder Kontaktlinsenträger sind.

In den nächsten 2 Wochen, wenn Sie eine Verschlechterung Ihres Sehvermögens bemerken, z. B. Schilder im Straßenverkehr nicht mehr scharf sehen.

Die Erkrankung

Kurzsichtigkeit entsteht meist durch einen zu langen Augapfel – bereits eine Abweichung von 1 mm in der Länge bewirkt eine Kurzsichtigkeit von -3 dpt – und nur selten durch eine zu starke Brechkraft der Linse bei normal langem Augapfel. Da das menschliche Auge durch Akkommodation die Brechkraft nur vergrößern, nicht aber verringern kann, ist ein Ausgleich der Kurzsichtigkeit durch das Auge selbst nicht möglich.

Die Ursachen der Kurzsichtigkeit sind nach wie vor ungeklärt: Es ist bislang nur eine Vermutung, dass viel „Naharbeit" wie Lesen, Computer- und Handarbeit und schlechte Beleuchtung die Kurzsichtigkeit verstärken. Bei der Geburt ist das Auge noch nicht ausgewachsen, die Größenzunahme erfolgt im Lauf des ersten Lebensjahrs und danach in sehr geringem Maß noch bis ins Erwachsenenalter. Man nimmt an, dass die wachsenden Gewebezellen auf irgendeine Weise eine Rückmeldung des Auges erhalten. Bei viel Naharbeit im Kindes- und Jugendalter muss das Auge permanent den Ziliarmuskel anspannen, um die Krümmung und damit die Brechkraft der Linse zu erhöhen. Auf diese permanente Anspannung reagiert das Auge durch Wachsen des Augapfels, dafür verliert es die Fähigkeit, in der Ferne scharf zu sehen. Lesen bei schlechtem Licht verstärkt diesen Effekt: Je weniger Licht, desto stärker muss die Pupille geöffnet werden. Und je offener die Pupille, desto geringer ist der Bereich in der Tiefe, der scharf abgebildet wird. Das Auge muss sich also noch mehr anstrengen, um bei schlechter Beleuchtung z. B. eine Buchseite scharf zu stellen.

Als bewiesen gilt, dass genetische Faktoren beteiligt sind. Für einige Formen der Kurzsichtigkeit ist der Erbgang bekannt. Dafür spricht auch, dass einige Völker vermehrt Kurzsichtigkeit entwickeln (z. B. Chinesen): In fernöstlichen Industrienationen liegt die Häufigkeit einer Kurzsichtigkeit bei 80–90 % der Bevölkerung. In Europa weisen dagegen ~ 30 % der 20- bis 30-Jährigen eine Fehlsichtigkeit von mehr als 1 dpt auf.

Meist beginnt die „normale" Kurzsichtigkeit (Myopia simplex) im Schulalter und führt zu Werten zwischen -2 und -4 dpt (mittelgradige Kurzsichtigkeit) oder darüber (hohe Kurzsichtigkeit). In der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter kommt der Prozess zum Stillstand, die Fehlsichtigkeit verschlechtert sich nicht weiter. Bei sehr hoher Kurzsichtigkeit ist die Netzhaut bei einem erheblich verlängerten Augapfel gedehnt. Dadurch entstehen kleinste Risse, die dann eventuell zu einer Netzhautablösung führen können. Sehr selten schreitet die Kurzsichtigkeit nach der Pubertät weiter fort, daraus kann eine „bösartige" Kurzsichtigkeit mit Erblindungsgefahr entstehen (Myopia maligna).

Das macht der Arzt oder Optiker

Der Augenarzt prüft die Sehschärfe und passt eine Brille mit Zerstreuungsgläsern an. Er nutzt dazu entweder eine Messbrille, in die verschiedene Brillengläser eingehängt werden oder apparative Hilfen wie z. B. einen Phoropter.

Schreitet die Kurzsichtigkeit weiter fort, müssen die Brillengläser erneut angepasst werden. Insbesondere bei jungen Menschen unter 25 Jahren, bei denen der Prozess noch nicht zum Stillstand gekommen ist, kann dadurch der Eindruck entstehen, dass sich die Kurzsichtigkeit durch das Tragen der Brille verschlechtert.

Alternativ zur Brille werden auch Kontaktlinsen angepasst. Da der Kurzsichtige die Linsen ganztags trägt, sollten es gut angepasste, wasserhaltige weiche oder harte Kontaktlinsen sein.

Mit der Lasertherapie können inzwischen Kurzsichtigkeiten bis -10 dpt behandelt werden.

Selbsthilfe

Funktionelles Augentraining hat einen vorübergehenden Entspannungseffekt, die Sehleistung lässt sich jedoch allenfalls kurzzeitig verbessern. Da bei intensivem Augentraining Augenmuskelkrämpfe nicht selten sind, sollte das Augentraining zudem nicht ohne Absprache mit dem Augenarzt oder dem Optometristen begonnen werden.

Komplementärmedizin

Biofeedback. Biofeedback wirkt nachweislich positiv auf die Sehschärfe .

Akupunktur. In einigen Fällen scheint Akupunktur eine weitere Verschlechterung der Sehleistung im Kindesalter aufzuhalten – ob dieser Effekt nur kurzzeitig oder von Dauer ist, ist unklar .

Weiterführende Informationen

  • www.operationauge.de – Internetseite des Operation Auge e.V., Berlin: Die Seite klärt Patienten, die sich einer Operation am Auge unterziehen möchten, über Risiken, Komplikationen und OP-Richtlinien auf. Zusätzlich zu dem umfangreichen Informationsangebot bietet ein gut besuchtes Forum den Betroffenen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.
  • V. Herbst: Besser Sehen. Verein für Konsumenteninformation (Hrsg., 2003). Hervorragender Ratgeber zu allen Arten der Fehlsichtigkeit und Sehhilfen. Zu beziehen über www.konsument.at, als Suchbegriff unter der Rubrik Online Shop; in Deutschland über die Stiftung Warentest.

Nachtblindheit

Nachtblindheit: Deutlich reduziertes Sehvermögen in Dämmerung und Dunkelheit. Es gibt eine angeborene und eine erworbene Nachtblindheit. Die erworbene Form wird durch Vitamin-A-Mangel oder verschiedene Augen- oder Allgemeinerkrankungen verursacht, selten durch Medikamente, z. B. den Wirkstoff Phenotiazin.

Die Erkrankung

Die angeborene Nachtblindheit beruht auf einer mangelhaften Funktionsfähigkeit der Sinneszellen in der Netzhaut, die für das Dämmerungssehen verantwortlich sind, und geht häufig mit Kurzsichtigkeit einher.

Die erworbene Form hat verschiedene Ursachen: Vitamin A ist für die Regeneration des Sehfarbstoffs nötig. Ein Mangel entsteht entweder durch ungenügende Vitamin-A-Zufuhr – diese Erkrankung ist in Entwicklungsländern zusammen mit Unterernährung eine der häufigsten Erblindungsursachen – oder durch eine Störung der Vitamin-A-Aufnahme oder -Ausnutzung bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen oder Leberleiden.

Auch Trübungen der Hornhaut oder der Linse können zu einer Störung der Dunkelanpassung (Dunkeladaptation) führen, ebenso verschiedene Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs, wie z. B. der grüne Star.

Das macht der Arzt

Die Diagnose wird mit speziellen Geräten, den Nyktometern oder Mesoptometern (Mesometer) gestellt. Dabei adaptiert sich der Patient zunächst 10–15 Minuten im Dunkelraum. Dann werden ihm verschiedene Sehzeichen unter abgestufter Umfeldhelligkeit gezeigt. Aus den Angaben des Patienten kann der Arzt dann den Grad der Nachtblindheit bestimmen. Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt und abhängig von der Ursache.

Selbsthilfe

Wer trotz Nachtblindheit unbedingt Autofahren muss, sollte, um das Auge einzugewöhnen, die letzte halbe Stunde vor dem Autofahren in abgedunkelter Umgebung oder Dämmerung verbringen.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Heidelbeerextrakt soll das Sehvermögen bei Dunkelheit erhöhen, allerdings kann ein therapeutischer Effekt anscheinend erst erzielt werden, wenn das Phytopharmakum über einen längeren Zeitraum in hoher Dosierung eingenommen wird (etwa 200–400 mg pro Tag in Kapsel- bzw. Tablettenform).

Orthomolekularmedizin. Die Orthomolekularmedizin empfiehlt eine Substitutionstherapie mit Vitamin A. Diese ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn nachweislich ein Vitamin-A-Mangel die Ursache für die Nachtblindheit ist. Auf Verdacht sollte die empfohlene Tagesmenge von etwa 1 mg nicht überschritten werden: Da sich das fettlösliche Vitamin A im Körper anreichert, kann ein Überangebot sogar gesundheitsschädliche Folgen haben. Gleiches gilt für Beta-Karotin, einer Vorstufe von Vitamin A – hier beträgt der tägliche Bedarf 2 mg. Schwangere sollten gar kein Vitamin A einnehmen, da das Kind geschädigt werden kann.

Schielen

Schielen (Strabismus): Stellungsfehler der Augen, bei dem eine der beiden Augenachsen von der (normalen) Parallelstellung beim Blick in die Ferne abweicht. Schielen tritt bei rund 4 % der Gesamtbevölkerung auf und ist damit ein häufiger Sehfehler.

Leitbeschwerden

  • Abweichen eines Auges meist nach innen, besonders bei Müdigkeit
  • Kopfschiefhaltung, Zukneifen eines Auges
  • Sehen von Doppelbildern ohne Auffälligkeiten am Auge
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Unerklärliche Ungeschicklichkeit.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • bei Ihrem Kind ein deutliches Schielen nach dem 3.–6. Lebensmonat nicht verschwindet
  • leichtes Schielen auch nach dem 12. Lebensmonat noch besteht.

Heute noch, wenn bei Erwachsenen oder Kindern das Schielen neu auftritt (ein plötzliches Schielen kann von einem Tumor hinter dem Auge verursacht werden).

Die Erkrankung

Die Bilder, die von beiden Augen zum Gehirn gesendet werden, unterscheiden sich immer ein klein wenig voneinander: Betrachtet man einen Gegenstand, der etwa 30 cm entfernt steht, und schließt dabei abwechselnd das eine und das andere Auge, wird dieser kleine Unterschied deutlich. Erst das Gehirn verarbeitet die Netzhautbild-Differenzen zu einem einzigen dreidimensionalen Bild (räumliches Sehen).

Beim Schielen sind die beiden Bilder so unterschiedlich, dass sie als störende Doppelbilder wahrgenommen werden. Zur „Arbeitserleichterung" lernt das Gehirn, das nicht passende Bild zu unterdrücken. Das räumliche Sehen ist gestört. Das schielende Auge wird immer öfter abgeschaltet, mit der Gefahr, dass es schwachsichtig wird. Ein unbehandeltes Schielen kann also dazu führen, dass ein funktionstüchtiges Auge das Sehen nicht "erlernt". Dieser Zustand ist nach dem 6. Lebensjahr auch nicht mehr zu ändern.

Das Begleitschielen (Heterotropie) ist die häufigste sichtbare Schielform. Hier begleitet das Schielen einen anderen Augenfehler. Ein nicht korrigierter Sehfehler beispielsweise (insbesondere eine höhergradige Weitsichtigkeit) führt häufig zum Schielen, vor allem dann, wenn ein Auge einen stärkeren Sehfehler hat als das andere. Es wird angenommen, dass das stärker sehbehinderte Auge versucht, die Sehschwäche durch verstärkte Nah- oder Ferneinstellung auszugleichen, und dadurch dann auch die Balance der äußeren Augenmuskeln aus den Fugen gerät.

Genetische Faktoren spielen dabei sicher eine Rolle, denn das Risiko des Schielens ist deutlich erhöht, wenn ein Elternteil als Kind geschielt hat.

Beim Lähmungsschielen führen Lähmungen einer oder mehrerer Augenmuskeln zum Schielen.

Bei manchen Kindern jedoch lässt sich überhaupt keine Ursache finden. Die Sehkraft beider Augen ist 100%ig, und dennoch besteht ein kleiner Schielwinkel, der von Laien allenfalls auf einem Foto erkannt wird. Wegen des kleinen Schielwinkels spricht man dann auch vom Minimalschielen (Mikrostrabismus).

Familie Dres. med. Claudia und Arne Schäffler, Augsburg
Ein 5 Monate altes Mädchen mit Minimalschielen. Schielt das Kind nur ab und zu, geben sich kleine Schielwinkel fast immer mit der Zeit (bei diesem Mädchen im Alter von 15 Monaten) und sind kein Anlass zur Sorge. Dennoch sollte der Augenarzt zu Rate gezogen werden.

Erstaunlicherweise ist bei 70 % aller Erwachsenen ein latentes Schielen (Heterophorie) zu finden, bei rund 10 % kommt es dabei zu Beschwerden. Es besteht ein Ungleichgewicht der Muskeln beider Augen. Durch den „Fusionszwang" des Gehirns, die Eindrücke beider Augen zu einem einzigen Bild zu verschmelzen, wird das Ungleichgewicht latent (verborgen, unsichtbar) gehalten und ein sichtbares Schielen verhindert. Da dies nur durch eine ständig Energie verbrauchende Kompensation gelingt, kommt es zu Kopfschmerzen, Leseschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, Doppeltsehen, Problemen beim nächtlichen Autofahren und erhöhter Lichtempfindlichkeit.

Manche Säuglinge besitzen am inneren Augenwinkel eine kleine Hautfalte, die den Blick so erscheinen lässt, als würde das Kind schielen. Mit einer einfachen Untersuchung gelingt es, ein derart vorgetäuschtes von echtem Schielen zu unterscheiden: schaut ein Kind in ein Licht oder Fenster in mehreren Metern Entfernung, spiegelt sich dieses in seinen Augen. Schielt das Kind, erscheint das Abbild bei jedem Auge an einer anderen Stelle, z. B. rechts in der Mitte der Pupille, links jedoch daneben. Wenn dagegen kein Schielen vorliegt, ist das Abbild an genau der gleichen Stelle im anderen Auge zu erkennen.

Das macht der Arzt

Der Augenarzt oder Orthoptist diagnostiziert den Augenstellungsfehler mithilfe verschiedener Sehtests; er bestimmt die Sehschärfe und den Schielwinkel. Ist das Schielen durch nicht korrigierte Brechungsfehler bedingt, genügt in der Regel die Anpassung einer entsprechenden Brille. In das Brillenglas kann zusätzlich zur Korrektur der bestehenden Kurz- oder Weitsichtigkeit ein optisches Prisma eingearbeitet werden, das die Lichtstrahlen ablenkt und so die beiden Bilder vom rechten und linken Auge wieder zur Deckung bringt.

Stellt der Augenarzt durch einen Reaktionstest fest, dass das schwächere Auge vom Gehirn „abgeschaltet" wird, muss es gezielt trainiert werden. Die Behandlung hängt davon ab, wann das Schielen auftritt. Ist bei Kindern das räumliche Sehen noch nicht voll ausgereift, muss man das schielende Auge zum Sehen zwingen. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Sehzentrum im Gehirn die notwendigen Reize erhält, die es braucht, um sich vollständig auszubilden. Zum Training wird das stärkere Auge vorübergehend mit einem speziellen Pflaster abgeklebt (Okklusionstherapie). Die Behandlung wird nach bestimmten Zeitplänen von der Sehschule durchgeführt. In schweren Fällen sind eine oder mehrere Schiel-Operationen nötig, bei denen die Augenmuskeln verkürzt oder durch Vor- bzw. Rückverlagerung gestärkt bzw. geschwächt werden. Operationen stellen jedoch lediglich die Augenstellung gerade, sie verhelfen nicht zu einem funktionstüchtigen Sehen, wenn das Auge durch das Schielen in der Entwicklung zurückgeblieben ist.

Latentes Schielen wird meist mit einem Augentraining durch die Sehschule therapiert, nur gelegentlich muss operiert werden. Sehr selten wird eine Prismenbrille zur Korrektur verordnet.

Es ist umstritten, ob einer Winkelfehlsichtigkeit mit einer leichten Prismenbrille abzuhelfen ist. Denn Prismen greifen in den vom Gehirn gesteuerten Regelkreis zur Ausrichtung beider Augen auf das betrachtete Objekt ein und können daher ein Schielen verstärken.

Die Behandlung beim Lähmungsschielen ist abhängig von der Ursache. Bildet sich die Lähmung nicht von allein zurück, kann in das Brillenglas ein optisches Prisma eingearbeitet werden, das die Lichtstrahlen abknickt und so die beiden Bilder von rechten und linken Auge wieder zur Deckung bringt.

Selbsthilfe

Bei latentem Außenschielen haben sich Fusionsübungen bewährt: Lassen Sie den Blick durch das Fenster in die Ferne schweifen und fixieren Sie dabei entfernte Objekte. Dann wandern Sie mit dem Blick entlang einer gedachten Linie über mehrere Zwischenstationen aus der Ferne bis zu einem nahen Gegenstand (50 cm Entfernung) und zurück. Wiederholen Sie das Ganze fünf- bis zehnmal.

Komplementärmedizin

Akupunktur und Homöopathie nennen Behandlungserfolge bei leichtem Schielen im Kindesalter. Es gibt jedoch bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis für einen therapeutischen Nutzen, so dass man keine großen Hoffnungen in diese Verfahren setzen bzw. sie allenfalls als begleitende Maßnahmen heranziehen sollte.

Sehbehinderung und Blindheit

Sehbehinderung: Sehvermögen zwischen 30 und 5 % in der Visusbestimmung.

Hochgradige Sehbehinderung: verbleibendes Sehvermögen zwischen 5 und 2 %.

Blindheit (Erblindung): fehlendes Sehvermögen, Sehen unter 2 % bzw. eine Einschränkung des Gesichtsfeldes auf 5° und weniger.

Die Erkrankung

Jedes Jahr erblinden in Deutschland 10 000 Menschen, etwa die Hälfte von ihnen sind zum Zeitpunkt der Erblindung 80 Jahre oder älter. Bei ihnen ist die altersbedingte Makuladegeneration die häufigste Erblindungsursache. Bei Menschen zwischen 40 und 80 mit Diabetes sind meist Netzhautveränderungen und bei jungen Menschen (unter 40) absterbende Sehnerven (Optikusatrophie) die Ursache. Angeborene Formen der Blindheit, etwa aufgrund einer Röteln-Embryopathie, sind selten geworden.

Nach der gesetzlichen Definition gelten alle Menschen als blind, deren Sehrvermögen so stark eingeschränkt ist, dass sie in der Ausbildung und im Berufsleben auf Blindenhilfsmittel angewiesen sind.

Das macht der Arzt

Ist der Patient erblindet bzw. blind geboren, gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten. Aber die Schulung im Umgang mit der Blindheit ist sehr wichtig.

Insbesondere bei sehbehinderten und von Erblindung bedrohten Kindern ist eine frühe Förderung für die geistige Entwicklung unerlässlich.

Mit den entsprechenden Hilfsmitteln können sich viele Blinde selbstständig im Alltag bewegen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Menschen, die erst im hohen Alter erblinden, fällt es jedoch teilweise schwer, diese Techniken noch zu erlernen.

Die Mehrausgaben für Hilfsmittel oder Haushaltshilfen werden durch eine monatliche finanzielle Unterstützung, das Blindengeld, ausgeglichen. Die Höhe variiert von Bundesland zu Bundesland.

Jüngst gelang es Medizinern sogar, erblindeten Patienten mit einem elektronischen Netzhautimplantat einen Teil ihres verlorenen Augenlichts zurückzugeben.

Tag-Nacht-Rhythmus. Vollständig erblindeten Menschen fällt es häufig schwer, einen 24-stündigen Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten, da die Sinneseindrücke von Licht und Dunkelheit fehlen. Chronische Übermüdung und/oder umgekehrte Schlafmuster sind häufige Folgen. Weiterhin können Körperfunktionen, die dem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegen, gestört sein, etwa die Körpertemperatur, der Zuckerstoffwechsel oder die Ausschüttung von Nebennierenrindenhormonen. Eine Möglichkeit, um Betroffene eine nächtliche Ruhephase zu ermöglichen, bot die Einnahme von Schlafmitteln. Diese sind jedoch mit starken Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten verbunden und daher für die Daueranwendung nicht geeignet. Abhilfe soll der Melatonin-Rezeptor-Agonist Tasimelteon (Hetlioz®) schaffen. Er reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus, indem er auf das Zwischenhirn einwirkt und so die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin beeinflusst. Tasimelteon wird eine Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen. Anschließend sollte sämtliche Aktivität eingeschränkt werden, um das Eintreten des Ruhezustands zu fördern. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Reizmagen oder Mundtrockenheit. Nutzen und Risiken der Einnahme sind sorgfältig abzuwägen.

Selbsthilfe

Für blinde Menschen stehen vielfältige Blindenhilfsmittel (Blindentechniken) zur Verfügung, z. B.:

  • Allgemeine Hilfsmittel wie ein Langstock (Blindenstock) oder ein speziell ausgebildeter Blindenführhund helfen dem Blinden, sich zu orientieren, und geben zugleich ein Signal an die Umwelt (z. B. an andere Verkehrsteilnehmer). Unterstützend wirken Maßnahmen wie Markierungsstreifen auf Gehwegen oder akustische Signale an Ampeln, die die Umwelt für Blinde besser ertastbar oder akustisch erschließbar machen.
  • Blindenspezifische Medien wie die mit den Fingern ertastbare Braille-Schrift (Blindenschrift, Punktschrift), gesprochene Zeitschriften und Bücher oder Fernsehausstrahlungen, bei denen ein Sprecher die Handlung beschreibt (Audiodeskription). Die Deutsche Blinden-Bibliothek stellt Bücher, Tageszeitungen und Zeitschriften in Blindenschrift im digitalen Hörbuchstandard DAISY zur kostenlosen Ausleihe zur Verfügung. Das DAISY-Format kennzeichnet sich durch eine spezielle Strukturierung der Inhalte, sodass Blinde darin leichter navigieren können als in herkömmlichen Hörbuch- und MP3-Formaten. Die Wiedergabe erfolgt auditiv mit einem speziellen DAISY-Player. 
  • Durch die Verbreitung von Computern und Internet sind viele weitere elektronische Hilfsmittel hinzugekommen, z. B. Braille-Displays anstelle des Computerbildschirms, Textausgabeprogramme oder Screenreader wie Blindows®, Orca®, Window Eyes®, NonVisual Desktop Access® oder Emacspeak®, die sogar Formulare und Programmoberflächen bedienbar machen.

Barrierefrei aufbereitete Arzneimittelinfos finden Menschen mit Sehbehinderung auf der Website www.patienteninfo-service.de. Die Anwender geben den Medikamentennamen oder die auf der Arzneimittelverpackung aufgedruckte Pharmazentralnummer (PZN) in das Suchfeld ein, und gelangen dann sofort zum gesuchten Beipackzettel, der sich von einer Computerstimme vorlesen lässt. Eine praktische Alternative sind spezielle Smartphone-Apps wie „SayText“, „Prizmo“ oder „TextGrapper“. Anwender scannen den Barcode auf der Arzneimittelverpackung ein oder Fotografieren den Beipackzettel, um sich den Text vorlesen zu lassen.

Weiterführende Informationen

  • www.dbsv.org – Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V., Berlin: Erste Anlaufstelle für Blinde und Sehbehinderte, Rat und Unterstützung gibt es auch unter der bundesweiten Rufnummer 01805–66 64 56.
  • www.blista.de – Deutsche Blindenstudienanstalt e. V., Marburg: Gibt Blindenschrift-Systematiken, Übungsbücher und Zeitschriften heraus und betreibt die Deutsche Blinden-Bibliothek sowie Förderschulen.
  • www.vbs-gs.de – Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen e. V. (VBS, Würzburg): Die Internetseite des Fachverbands enthält Adressenlisten der Frühförderstellen für sehbehinderte Kinder und anderer Blinden- und Sehbehinderteneinrichtungen. Unter der Rubrik Übersicht kann man sich zur viermal im Jahr erscheinenden Verbandszeitschrift „blind – sehbehindert" informieren.

Stabsichtigkeit

Stabsichtigkeit (Astigmatismus, Hornhautverkrümmung): Krümmungsanomalien der Hornhaut oder seltener der Linse, durch die es zu unscharfem, verzerrtem Sehen kommt. Bei der regulären Stabsichtigkeit (Astigmatismus nach der Regel) bestehen zwei unterschiedlich brechende Ebenen, ein punktförmiges Objekt wird so als Stab auf der Netzhaut abgebildet; zur Korrektur wird ein Zylinderglas verwendet. Bei der irregulären Stabsichtigkeit (Astigmatismus gegen die Regel), meist infolge von Vernarbungen oder Unfällen, ist die Hornhaut völlig unregelmäßig gewölbt, der Betroffene sieht alles verzerrt; die Korrektur erfolgt mit einer harten Kontaktlinse.

Leitbeschwerden

  • Unscharfes Sehen in der Nähe und in der Ferne
  • Doppelkonturen der betrachteten Objekte.

Die Erkrankung

Eine geringe Stabsichtigkeit ist fast der Regelfall. Werte unter 0,5 dpt findet man bei nahezu jedem: Die Natur ist eben nicht „genormt". Vermutlich durch eine zu hohe Lidspannung ist die Oberfläche des Auges häufig geringfügig elliptisch gekrümmt, wie die Hälfte eines Eis oder eines Rugby-Balls. Einfallendes Licht wird dadurch in einer waagerechten Ebene stärker gebrochen als in der dazu senkrecht stehenden; dementsprechend werden alle Gegenstände unscharf und verzerrt gesehen, eine punktförmige Lichtquelle erscheint als Strich.

Die Stabsichtigkeit tritt meist in Kombination mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit auf. Bei der regulären Stabsichtigkeit bestehen nur zwei verschiedene Brechungsebenen, bei der irregulären Stabsichtigkeit ist die Hornhaut so unregelmäßig geformt und gewölbt, dass einfallende Strahlen nicht in einem Punkt, sondern in zahlreichen Punkten gebündelt werden, auf der Netzhaut entsteht dann ein unscharfes Bild.

Das macht der Arzt oder Optiker

Bei einer regulären Stabsichtigkeit bestimmt der Augenarzt ein Zylinderglas. Eine Weit- oder Kurzsichtigkeit wird ebenfalls mit ausgeglichen. Zylindergläser brechen das Licht in unterschiedlichen Richtungen. Darum ist bei der Verordnung immer die Achsenlage angegeben. Die konvexen (nach außen gewölbten) und konkaven (nach innen gewölbten) Zylinder werden so geschliffen, dass die beiden Achsen senkrecht aufeinander stehen und die Zylinder lediglich in ihrer Brechkraft verändert sind. Das Brillenrezept enthält dann neben der Angabe über Weit- bzw. Kurzsichtigkeit (Plus- oder Minusgläser) auch die Angabe zu Vorzeichen und Gradangabe über das Zylinderglas.

Vorsicht bei runden Brillengestellen: Hier kann sich unter Umständen das Glas in der Fassung drehen!

Die Anpassung von Zylindergläsern sollte möglichst früh erfolgen, eine erstmalige Anpassung im Erwachsenenalter ist oft problematisch. Es kommt häufig zu Kopfschmerzen, Doppelt- oder Verzerrtsehen, weil das Gehirn gelernt hat, das auf der Netzhaut falsch abgebildete Objekt richtig zu interpretieren. Es ist daher sinnvoll, erst nach und nach die volle Stärke auszugleichen. Eine reguläre Stabsichtigkeit lässt sich auch mit speziell angepassten Kontaktlinsen (Torische Kontaktlinsen) ausgleichen.

Eine irreguläre Stabsichtigkeit wird ausschließlich mit harten Kontaktlinsen korrigiert. Der Tränenfilm zwischen Hornhaut und Kontaktlinse gleicht die Unebenheiten aus. Unter Umständen zieht der Augenarzt eine Hornhauttransplantation in Betracht.

Eine Lasertherapie der Stabsichtigkeit ist bislang nur bei Werten bis 5 dpt möglich.

Komplementärmedizin

Ob ein funktionelles Augentraining zur Entspannung der Augenmuskeln bei Stabsichtigkeit hilft, ist fraglich; bislang liegen keine aussagekräftigen Studienergebnisse vor, die einen günstigen Einfluss auf die Sehleistung bei dieser Form der Fehlsichtigkeit bestätigen. Andererseits dürften entspannende Augenübungen (z. B. Augenyoga-Übungen, Palmieren) aber auch nicht schaden.

Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie): Einfallende Lichtstrahlen werden hinter der Netzhaut gebündelt und ergeben so ein unscharfes Bild. Das weitsichtige, hyperope Auge ist zu kurz oder die Brechkraft der Augenlinse zu gering. Die Korrektur erfolgt mit Sammelgläsern (Konvexlinsen, Plusgläser). Bis zum 40. Lebensjahr kann eine mittelgradige Weitsichtigkeit vom Auge oft durch Anspannen des Ziliarmuskels ausgeglichen werden.

Leitbeschwerden

  • Meist lange keine Beschwerden
  • Naharbeit ist anstrengend und verursacht Kopfschmerzen
  • Es dauert länger, bis sich die Augen von Nah- auf Fernsicht umgestellt haben.
  • Schielen.

Wann zum Arzt oder Optiker

In den nächsten 2 Wochen, wenn Kopfschmerzen beim Lesen oder nach Arbeiten in der Nähe bzw. am Computer auftreten.

Die Erkrankung

Das normalsichtige Auge arbeitet beim Blick in die Ferne entspannt. Der Augapfel des Weitsichtigen ist zu kurz oder die Brechkraft der Augenlinse zu gering, daher bündeln sich die Strahlen des Lichts erst hinter der Netzhaut. Um scharf zu sehen, muss die Brechkraft der Linse erhöht werden, indem der Ziliarmuskel angespannt wird und sich die Linse stärker krümmt, so dass das Bild weiter vorne und damit auf der Netzhaut entsteht. Ohne Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur muss das Auge bereits für die Ferne zusätzliche Muskelanspannung leisten. Manchen Menschen bereitet dies – besonders beim Lesen – Augen- oder Kopfschmerzen, andere wiederum tolerieren die Mehrarbeit des Ziliarmuskels ohne Probleme. So kann eine Weitsichtigkeit lange unerkannt bleiben. Im Alter verliert die Linse zunehmend an Elastizität. Dann bringt sie die für die Nähe noch zusätzlich notwendige Brechkraft nicht mehr auf, so dass der nicht oder ungenügend korrigierte Weitsichtige seine erste Lesebrille viel früher als der Normalsichtige benötigt.

Die Weitsichtigkeit überschreitet selten +6 dpt.

Das macht der Arzt oder Optiker

Nach der Sehprüfung passt der Augenarzt oder der Optiker eine Brille mit Sammellinsen an. Damit ist das Sehen in die Ferne für das Auge entspannt und auch die Naharbeit kann mühelos bewältigt werden.

Eine Lasertherapie der Weitsichtigkeit ist bislang nur bei Werten bis +5 dpt möglich, zudem sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich.

Komplementärmedizin

Die Komplementärmedizin spielt bei der Behandlung von Weitsichtigkeit praktisch keine Rolle.

Anders als bei Kurzsichtigkeit liegen bislang keine gesicherten Daten vor, die einen positiven Effekt des funktionellen Augentrainings auf die Sehleistung bei Weitsichtigkeit belegen. Ob ein Training zur Entspannung der Augenmuskeln (z. B. Augenyoga-Übungen, Palmieren) hilft, muss individuell ausprobiert werden.

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