Magen und Darm


Erkrankungen der Speiseröhre

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Als Gastroösophageale Refluxkrankheit (abgekürzt GERD für gastroesophageal reflux disease) bezeichnen Mediziner das Auftreten von vermehrtem Rückfluss (Reflux) von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre infolge eines gestörten Verschlussmechanismus des unteren Speiseröhrenschließmuskels.

Beschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen und Schluckbeschwerden sind Folge der Reizung und Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut. Der Übergang zur refluxbedingten Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist fließend.

Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts: Rund 10 % der Bevölkerung haben die Beschwerden einer Refluxkrankheit, und etwa ein Viertel der Betroffenen hat die Symptome einer refluxbedingten Speiseröhrenentzündung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Sodbrennen und saures Aufstoßen, besonders nach den Mahlzeiten
  • (Schmerzhafte) Schluckbeschwerden
  • Druckgefühl hinter dem Brustbein
  • Eventuell Reizhusten, Heiserkeit
  • Eventuell Übelkeit und Erbrechen.

Die Beschwerden verstärken sich im Liegen sowie durch Bücken, Pressen oder bei Anstrengung.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • mehrmals pro Woche Sodbrennen auftritt, das Schlucken Beschwerden verursacht oder Schmerzen in der Brustregion auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Normalerweise verhindert der Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre zum Magen, dass Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass diese Refluxbarriere versagt und saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Folgen sind Sodbrennen mit brennenden Schmerzen und Druckgefühl hinter dem Brustbein. Dieser Reflux tritt gelegentlich auf, z. B. nach einer fettreichen Mahlzeit, kann allerdings in eine krankhafte Form übergehen und dann die typischen Refluxbeschwerden auslösen: Das Sodbrennen häuft sich, der Betroffene muss oft aufstoßen, wobei nicht selten Speisebrei in die Speiseröhre zurückströmt. Möglicherweise leidet er auch unter Schluckbeschwerden. Das Druckgefühl hinter dem Brustbein kann so heftig sein, dass zunächst eine Herzerkrankung vermutet wird.

Begleitend treten oft Beschwerden wie Reizhusten (Refluxhusten) und Heiserkeit auf, was eine Atemwegserkrankung vortäuschen kann.

Eine drohende Langzeitkomplikation ist die Umbildung der chronisch entzündeten Speiseröhrenschleimhaut zu Speiseröhrenkrebs.

Ursachen und Risikofaktoren

Warum die Refluxbarriere versagt, bleibt letztlich oft ungeklärt. Unbestritten ist jedoch ein Zusammenhang zwischen Lebensweise und Krankheitsentstehung, allen voran der häufige Verzehr von fettreichen Speisen, regelmäßiger Nikotin-, Alkohol- und/oder starker Kaffeekonsum.

Die Refluxkrankheit scheint demnach eine typische "Wohlstandskrankheit" zu sein, deren Auftreten sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht hat. Weitere begünstigende Faktoren sind Übergewicht oder die Druckbelastung durch die stark vergrößerte Gebärmutter im letzten Drittel einer Schwangerschaft.

Auch viele heutzutage oft verordnete Medikamente können Refluxbeschwerden auslösen oder verschlimmern, z. B. Antihypertensiva, Medikamente zur Therapie von Asthma, koronarer Herzerkrankung und Harninkontinenz, Östrogenpräparate, Psychopharmaka, Schmerzmittel vom NASR-Typ wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac, Präparate gegen Eisenmangel sowie einige Antibiotika.

Die Refluxkrankheit tritt ferner auch als Folge einer Grunderkrankung wie Sklerodermie oder einer Verengung des Magenausgangs (Magenpförtnerenge) auf. Hierbei gelangt der Speisebrei aus dem Magen nicht mehr vollständig in den Dünndarm. Dadurch füllt sich der Magen zunehmend, bis schließlich so viel Druck auf dem Mageneingang lastet, dass ein Teil des sauren Mageninhalts wieder zurück in die Speiseröhre fließt. Manchmal tritt die Refluxkrankheit auch nach einer Magenoperation auf.

In 90 % der Fälle besteht gleichzeitig zur Refluxkrankheit ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Die Funktion des Speiseröhrenschließmuskels bleibt zwar intakt, der durch den Zwerchfelleinriss in den Brustkorb verlagerte Anteil des Magens fördert jedoch den Rückfluss sauren Mageninhalts in die Speiseröhre.

Komplikationen

Durch die fortwährende Benetzung der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre mit aggressivem, saurem Magensaft kommt es zunächst zu einzelnen oberflächlichen, örtlich begrenzten Schleimhautschädigungen und später dann zu großflächigen Geschwüren (Gewebedefekten) und narbigen Verengungen.

Dadurch wird im unteren Speiseröhrendrittel das dort heimische Plattenepithel zurückgedrängt und durch magenschleimhautähnliches Zylinderepithel ersetzt, das an dieser falschen Stelle zur Bildung von Geschwüren (Barrett-Ulkus) neigt und schließlich sogar zu einem Speiseröhrenkrebs entarten kann. Dieser Verlauf wird als Barrett-Syndrom bezeichnet. Das Barrett-Syndrom ist häufig: Es betrifft rund 15 % der Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD), von denen ein erheblicher Teil später an Speiseröhrenkrebs erkrankt. Um dies zu verhindern, müssen Refluxbeschwerden frühzeitig und konsequent behandelt und chronische Verläufe engmaschig endoskopisch kontrolliert werden.

Weitere Komplikationen der Refluxkrankheit umfassen chronischen Husten, Asthma und Zahnerosionen.

Diagnosesicherung

Speiseröhrenspiegelung. Die Diagnose wird mithilfe der Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie; da immer auch der Magen gleich mit inspiziert wird, spricht der Arzt zumeist von Ösophagogastroskopie) mit gleichzeitiger Gewebsentnahme gesichert. Dazu wird ein dünner, beweglicher Schlauch – das Endoskop – in die Speiseröhre vorgeschoben. Eine kleine Videokamera an der Endoskopspitze zeigt Veränderungen an der Innenwand der Speiseröhre, etwa Entzündungen oder Verengungen. Gleichzeitig können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, z. B. Speiseröhrenkrebs. Die Speiseröhrenspiegelung ermöglicht auch die Feststellung des Schweregrads bei bestehender Refluxerkrankung.

PPI-Test. Viele Ärzte empfehlen eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (PPI) auf Probe. Der Patient nimmt für die Dauer von etwa 2 Wochen Protonenpumpenhemmer ein, das sind Medikamente wie Omeprazol, die die Magensäureproduktion hemmen. Verschwinden durch die Medikamenteneinnahme die Beschwerden, liegt wahrscheinlich eine Refluxkrankheit vor. In diesem Fall wird die Medikamenteneinnahme fortgeführt.

Bestehen die Beschwerden trotz Medikamenteneinnahme weiter, sind weiterführende Untersuchungen angezeigt, die Aufschluss geben über die Aktivität des Magenschließmuskels bzw. über Menge und Häufigkeit des Säurerückflusses in die Speiseröhre. Dazu zählen die Langzeit-Säuremessung (pH-Metrie) und die kombinierte pH-Metrie/Impedanzmessung (pH-Metrie-MII).

  • pH-Metrie. Dem Patienten wird über die Nase eine pH-Sonde eingeführt, ein etwa 1,5 mm dünner und mit einem Sensor ausgestatteter Schlauch. Die Sonde misst 24 Stunden lang den Säurerückfluss in die Speiseröhre. Ein Registriergerät, das sich der Patient über die Schulter hängt, zeichnet die Messwerte auf, die dann später vom Arzt mithilfe eines Computers ausgewertet werden. Während der Untersuchung kann sich der Patient frei bewegen sowie normal essen und trinken. Für eine korrekte Katheterplatzierung in der Speiseröhre erfolgt vor der Säuremessung meist eine Speiseröhren-Druckmessung. Die pH-Metrie kann stationär oder ambulant durchgeführt werden.
  • pH-Metrie-MII. Der Ablauf entspricht der pH-Metrie. Im Unterschied zu dieser wird jedoch zusätzlich zum pH-Wert der Wechselstromwiderstand (Impedanz) in verschiedenen Speiseröhrenabschnitten ermittelt. Der diagnostische Aussagewert der pH-Metrie-MII ist höher als bei der pH-Metrie, weshalb sie bei Verfügbarkeit bevorzugt werden sollte.

Speiseröhrendruckmessung (Ösophagusmanometrie). Die Speiseröhrendruckmessung kommt vor allem zur Differenzialdiagnose und vor operativen Eingriffen an der Speiseröhre zum Einsatz. Sie gilt als Goldstandard, um die Höhe des unteren Speiseröhrenschließmuskels für eine akute Platzierung einer pH-Metrie-Sonde zu ermitteln. Bei der Speiseröhrendruckmessung wird in einer halbstündigen, schmerzlosen Untersuchung mithilfe einer Sonde der Druck an verschiedenen Stellen in der Speiseröhre und im Mageneingang gemessen, um die Aktivität des unteren Speiseröhrenschließmuskels sowie die Beweglichkeit der Speiseröhre zu beurteilen.

Die dünnwandige Sonde, die über die Nase in Speiseröhre oder Magen geschoben wird, enthält einen Ballon mit verschiedenen Messfühlern. Für die Messung wird der Ballon mit Wasser gefüllt und dann Stück für Stück wieder zurückgezogen. Der Patient erhält dabei schluckweise Wasser zu trinken. Bei jedem Schluck entsteht ein Druck auf den Ballon, dessen Messwerte dann im Computer registriert und dokumentiert werden.

Seit neuerem ermöglicht die High-Resolution-Manometrie eine noch präzisere Speiseröhrendruckmessung.

Behandlung

Die Therapie der Refluxkrankheit steht sozusagen auf 3 Beinen: Den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre 1. durch Medikamente und/oder 2. durch eine Operation zu stoppen sowie 3. die Rückfallgefahr durch gesündere Ernährungsgewohnheiten zu minimieren.

Initial steht die medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Sie führt meist zu einem raschen Abklingen der Symptome. Bei zu frühem Absetzen der Medikamente sind Rückfälle jedoch häufig. Aber auch nach der operativen Therapie sind Rückfälle nicht selten – und das saure Aufstoßen, das Sodbrennen, die Blähungen sind wieder da. Deshalb ist entscheidend, dass der Arzt im Gespräch mit dem Patienten die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten bespricht, und, wo nötig, Verbesserungen empfiehlt.

Pharmakotherapie

Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Reflux zu verringern, seine schädigende Wirkung zu vermindern sowie die Fähigkeit der Speiseröhre zur Selbstreinigung zu verbessern. Dabei richtet sich die Wahl der Medikamente auch nach dem Schweregrad der Erkrankung.

Protonenpumpenhemmer. Bei Anzeichen regelmäßiger Refluxbeschwerden werden Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt, die die Säureproduktion im Magen am stärksten und sichersten blockieren. Um richtig wirken zu können, müssen sie auf nüchternen Magen eingenommen werden.

  • Die Therapie erfolgt je nach Schwere der Beschwerden für 4–8 Wochen. Danach wird versucht, ohne Medikamente auszukommen (Auslassversuch).
  • Um einem Säure-Rebound (übermäßige Bildung von Magensäure bei abruptem Absetzen der Medikamente) vorzubeugen, kann die Therapie ausschleichend beendet werden.
  • Kommt es zu einem Rückfall, kann eine Langzeittherapie mit minimal noch ausreichend wirksamer Dosis eingeleitet werden.
  • Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Durchfall, Kopfschmerzen und Oberbauchschmerzen. Werden Protonenpumpenhemmer in hoher Dosierung über längere Zeit eingenommen, steigt das Risiko für Knochenbrüche.
  • Niedrig dosierte Protonenpumpenhemmer sind seit 2015 rezeptfrei erhältlich.

H2-Rezeptorenblocker. H2-Rezeptorenblocker wie Ranitidin oder Famotidin hemmen die Bildung von Magensäure und gelten als Mittel der zweiten Wahl, wenn Protonenpumpenhemmer nicht eingesetzt werden können. Sie wirken nach etwa 30 Minuten, die Wirkung hält bis zu zehn Stunden an. Daher eignen sie sich besonders gut für nächtliches oder länger anhaltendes Sodbrennen. Ihre Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Ranitidin ist in niedriger Dosierung rezeptfrei erhältlich, es sollte maximal sieben Tage angewendet werden.

Antazida. Treten nur gelegentlich Refluxbeschwerden ohne Entzündungszeichen der Speiseröhrenschleimhaut auf, helfen Antazida, indem sie die Magensäure durch basische Mineralien neutralisieren. Sie sind gut verträglich und rezeptfrei erhältlich. Ihre Wirkung tritt bereits nach wenigen Minuten ein, ist aber schwächer als die von H2-Rezeptorenblockern oder Protonenpumpenhemmern.

Wenn die medikamentöse Therapie nicht (mehr) vertragen wird, erfolglos bleibt oder schwerwiegende Komplikationen drohen, wird der Arzt eine operative Verengung zur dauerhaften Unterbindung des Refluxes vorschlagen.

Die Standardoperation ist die Fundoplikatio, die meist minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgt. Um den unteren Ringmuskel der Speiseröhre zu stärken, näht der Arzt Anteile des Magens manschettenartig, ganz oder teilweise rund um den unteren Abschnitt der Speiseröhre. Ummanteln die angenähten Magenanteile die Speiseröhre vollständig, handelt es sich um eine Fundoplikatio nach Nissen und Rosetti. Bei einer teilweisen Ummantelung spricht man von einer Fundoplikatio nach Toupet. Letzteres kommt bevorzugt zum Einsatz, wenn die Speiseröhrenbeweglichkeit gestört ist.

Die genannten Eingriffe sind meist erfolgreich: 80 % der Patienten sind nach der Operation beschwerdefrei und brauchen keine Medikamente mehr, insbesondere keine Protonenpumpenhemmer. Bei den übrigen verschlimmern sich allerdings nicht selten die Beschwerden (Postfundoplikatio-Syndrom) oder es kommt zum Roemheld-Syndrom, das charakterisiert ist von Druckgefühl im Oberbauch und Blähungen aufgrund von Luftansammlungen im Magen. Weil die Luft nach oben drückt, haben die Patienten dadurch manchmal den Eindruck, nun zusätzlich an Herzbeschwerden zu leiden.

Deshalb werden zunehmend endoskopische Anti-Refluxtherapien angewandt, so:

  • Hochfrequenztherapie nach Stretta. Der Chirurg sticht endoskopisch mit Nadeln in den unteren Ringmuskel, um dessen Muskelschicht zu erhitzen. Wenn die so provozierte Verletzung heilt, bilden sich Narben, die den Übergang von der Speiseröhre zum Mageneingang verengen und den Reflux somit verhindern.
  • Einspritzung von Kunststoffen. Diese erfolgt ebenfalls mit dem Ziel, den Übergang von der Speiseröhre zum Magen zu veröden und vernarben zu lassen. Eingesetzte Verfahren sind Enteryx und 18h06Gatekeeper Reflux Repair. Alternativ werden auch Kollagenimplantate vom Rind eingesetzt. Alle 3 Verfahren sind erfolgreich.
  • 18h07Endocinch: Hier rafft der Chirurg die Schleimhaut knapp oberhalb des Mageneingangs und modelliert mit einem Spezialendoskop Schleimhautfalten als Barriere für den Magensaft. Dadurch wird der Mageneingang enger und der Reflux vermindert.

Bei einem Großteil der Betroffenen ist die Erfolgsrate der endoskopischen Anti-Refluxtherapien mit denen der Fundoplikatio vergleichbar. Jedoch gibt es noch wenige Langzeiterfahrungen für diese neueren Methoden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Lebens- und Ernährungsgewohnheiten verbessern. Ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie ist eine Änderung Ihrer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Diese Maßnahmen sind daher Teil der Standardbehandlung:

  • Nehmen Sie häufige, kleine, eiweißreiche, fettarme Mahlzeiten ein.
  • Essen Sie im Sitzen und legen Sie sich 2 Stunden nach den Mahlzeiten nicht hin. Dies gilt besonders für die Abendmahlzeit.
  • Schlafen Sie nachts mit erhöhtem Oberkörper, empfohlen wird eine Anhebung des Kopfendes um 10–12 cm. Wenn Sie trotzdem flach schlafen möchten, dann können Sie sich auf die linke Seite drehen.
  • Gehen Sie zum Bücken besser in die Hocke, statt den Oberkörper herunter zu beugen.
  • Tragen Sie keine einengende Kleidung wie straff verschlossene Gürtel, enge Bundhosen oder Röcke.
  • Stellen Sie das Rauchen ein.
  • Falls Übergewicht besteht, ist es hilfreich, wenn Sie dieses abbauen, am besten ganz allmählich über Monate und zusammen mit einer Ernährungsumstellung.
  • Meiden Sie Alkohol, Kaffee, Pfefferminze, bitterstoffhaltige Magentees, fettreiche Speisen, Fruchtsäfte, Kohlensäure und Tomatensoße, da diese die Magensäureproduktion anregen bzw. den Speiseröhrenschließmuskel entspannen.
  • Wenn möglich, meiden Sie auch Schmerzmittel – diese belasten fast alle den Magen.
  • Wenn Sie mit andauerndem Stress schlecht umgehen können, empfiehlt sich eine Mind-Body-Therapie zum Stressabbau wie beispielsweise Yoga, Meditation oder Autogenes Training.

Komplementärmedizin

Phytotherapie. Bei Refluxbeschwerden häufig empfohlen werden Phytopharmaka mit Iberis-amara-Extrakt als Hauptwirkstoff (wie z. B. der Extrakt STW-5. Seine Wirksamkeit ist für Reizmagen- und Reizdarmbeschwerden durch Studien belegt, erfahrungsgemäß bessert es aber auch Refluxbeschwerden.

Rollkur. Bei leichten Refluxbeschwerden empfiehlt die traditionelle Naturheilkunde eine 14-tägige Rollkur mit Kamillenblüten: Kochen Sie einen möglichst starken Kamillentee. Nach dem Abkühlen trinken Sie ein Viertel davon auf nüchternen Magen. Legen Sie sich nun für zehn Minuten auf den Rücken. Trinken Sie dann das nächste Viertel und nehmen Sie jetzt die Seitenlage ein. Wiederholen Sie die gleiche Prozedur dann noch je einmal in der Bauch- und der rechten Seitenlage. Es dauert also 40 Minuten, bis Sie sich einmal um Ihre eigene Achse "gerollt" haben.

Da die Wirkung oft nur schwach ist, sollten Sie frischen Kartoffelsaft in den Tee mischen, weil Kartoffelsaft dem Sodbrennen als basischer Puffer entgegenwirkt. Alternativ lösen manche Patienten Talcid im Kamillentee auf, ein rezeptfreies Medikament gegen Sodbrennen mit dem Wirkstoff Hydrotalcit. Auch das verbessert die entspannende Wirkung.

Homöopathie. Bei regelmäßigem Sodbrennen empfiehlt die Homöopathie zur Akutbehandlung u. a. die engmaschige Einnahme von Acidum sulfuricum, Capsicum und Robinia pseudacacia in niederen Potenzen oder als individuelle Konstitutionstherapie. Als Komplexmittel eignet sich Collinsonia Oligoplex. Eingenommen werden vor der Mahlzeit 3-mal täglich 10–15 Tropfen mit 1 Esslöffel Wasser.

Hinweise: Alle naturheilkundlichen Verfahren können eine ernsthafte Refluxkrankheit nicht heilen, wenngleich sie auch die Beschwerden lindern. Deshalb sollten Sie sich, wenn die Beschwerden trotz naturheilkundlicher Therapie innerhalb von 14 Tagen nicht verschwinden, zu einem Gastroenterologen überweisen lassen – denn eine endoskopische Abklärung ist dann wohl notwendig (siehe oben).

Ist die schulmedizinische Behandlung erfolgt – oder aber eine ernsthafte Refluxkrankheit ausgeschlossen –, sind naturheilkundliche Verfahren zur Verhütung von Rückfällen und Folgeschäden (wieder) indiziert.

Weiterführende Informationen

  • www.gesundheitsinformation.de – Informationsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
  • www.dgvs.de – Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

Nicht-refluxbedingte Speiseröhrenentzündungen

Nicht-refluxbedingte Speiseröhrenentzündung: Im Vergleich zur refluxbedingten Speiseröhrenentzündung seltene, durch physikalische oder chemische Reize (z. B. Verätzung durch verschluckte Haushaltsreiniger, Begleiterscheinung einer Strahlentherapie) oder durch Krankheitserreger hervorgerufene akute Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut. Von der infektiösen Form, z. B. durch Hefepilze wie Candida albicans sowie Herpes- oder Zytomegalieviren, sind vor allem abwehrgeschwächte Menschen, z. B. Krebskranke, betroffen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache; bei ausgeprägten Schleimhautschädigungen kann ein operativer Eingriff notwendig sein.

Leitbeschwerden

  • Schmerzen beim Schlucken
  • Brennen hinter dem Brustbein.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei Schluckbeschwerden und Brennen hinter dem Brustbein.

Die Erkrankung

Speiseröhrenentzündungen, die nicht durch einen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux) verursacht werden, sind vergleichsweise selten.

An erster Stelle ihrer Ursachen stehen Reize durch äußere Einflüsse. Die physikalisch-chemisch bedingte Speiseröhrenentzündung entsteht beim Einsatz von Magensonden oder nach einer Strahlentherapie. Sie kann aber auch durch steckengebliebene Arzneimittel, Verätzungen der Speiseröhre mit Laugen oder Säuren, z. B. bei einem Selbstmordversuch oder einer versehentlichen Einnahme von Haushaltsreinigern bei Kindern, und in seltenen Fällen auch durch sehr heiße Getränke oder Speisen ausgelöst werden.

Von einer infektiösen Speiseröhrenentzündung sind meist Personen betroffen, die an einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche wie HIV leiden. Wichtigste Krankheitserreger sind Candida albicans (Soor-Ösophagitis) sowie Zytomegalie- oder Herpes-Simplex-Viren. Bei der körperlichen Untersuchung wird in 75 % der Fälle begleitend ein Mundsoor festgestellt, unabhängig davon, ob eine Pilz- oder Virusinfektion besteht.

Komplikationen und ihre Therapie. Bei der physikalisch-chemisch bedingten Speiseröhrenentzündung droht durch die Bildung von Narben eine dauerhafte Verengung der Speiseröhre. Im Extremfall wird dadurch das Schlucken unmöglich. In diesen Fällen ist oft eine Bougierung (mechanische Erweiterung der Speiseröhre), eventuell auch eine Ballondilatation möglich, um die Engstellen zu dehnen.

Bei einer Mediastinitis ist das Mediastinum, der Raum zwischen den beiden Lungenflügeln hinter dem Brustbein, entzündet. Bei Durchätzung der Speiseröhre muss intensivmedizinisch behandelt werden.

Das macht der Arzt

Mit einer Speiseröhrenspiegelung lässt sich die Ursache im Allgemeinen rasch klären: Eine örtliche Schwellung, Rötung oder Blutung weist auf eine physikalische oder chemische Reizung hin; für die Verätzung sind diffuse weißliche Schleimhautbeläge typisch. Bei der Soor-Ösophagitis finden sich weiß-gelbliche, gut haftende Stippchen auf der Schleimhaut. Zytomegalieviren rufen wenige große, flache, oberflächliche Geschwüre hervor, Herpes-Simplex-Viren viele kleine und tiefe Geschwüre. Zur medikamentösen Behandlung kommen bei den infektiös bedingten Speiseröhrenentzündungen je nach Ursache Antibiotika, Antimykotika oder Virostatika zum Einsatz. Reicht eine lokale Behandlung nicht aus, verabreicht der Arzt die Medikamente intravenös. Bei bereits eingetretener Vernarbung muss das Narbengewebe mittels Laser abgetragen werden.

Schluckauf

Schluckauf (Singultus): Plötzlich auftretende Zwerchfellkontraktionen. Die Kontraktionen wiederholen sich meistens einige Male und verschwinden dann genauso plötzlich, wie sie gekommen sind. Nur selten ist der Schluckauf Zeichen einer anderen Erkrankung, beispielsweise eines Tumors oder einer Entzündung in Zwerchfellnähe.

Die Erkrankung

Der Schluckauf ist eigentlich keine eigenständige Erkrankung, kann aber dennoch sehr quälend sein. Er ist die Folge einer Reizung des Nervus phrenicus, der das Zwerchfell versorgt. Das Zwerchfell zieht sich auf den Reiz hin plötzlich zusammen. Manchmal kommt es nach hastigem Essen zum Schluckauf, weil zu viel Luft geschluckt wurde. Eine Luftblase drückt dann im Magen auf den Nerv und reizt ihn. Auch kalte Getränke oder Operationen im Oberbauch lösen Schluckauf aus. Gelegentlich tritt der Schluckauf ganz ohne erkennbaren Grund auf. Wenn er zu sehr quält, helfen krampflösende und beruhigende Medikamente. Hält der Schluckauf über einen langen Zeitraum, also Tage oder Wochen an, so liegt ihm vielleicht ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder eine Erkrankung des Zentralnervensystems zugrunde. In solchen Fällen suchen Sie am besten einen Arzt auf, der die Ursachen klärt.

Selbsthilfe

Es gibt Dutzende von „absolut“ wirksamen Tricks, eine Schluckauf-Episode zu stoppen: Luftanhalten, ein paar Schlucke kaltes Wasser trinken oder ganz einfach an etwas anderes denken. Auch sich kurz und heftig erschrecken lassen soll helfen.

Für den Arzt steht hinter all diesen teils skurrilen Vorschlägen die Beobachtung, dass eine Reizung des Nervus vagus, der Einfluss auf den Nervus phrenicus (verantwortlich für die Zwerchfellbewegung) nimmt, den Schluckauf verschwinden lassen kann.

Entsprechend zielen alle Tipps darauf ab, den Nervus vagus zu reizen. Tatsächlich beruhigt sich das Zwerchfell in aller Regel von selbst, und der Schluckauf hört wieder auf.

Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung

Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung (Ösophagus-Motilitätsstörung): Sammelbegriff für selten auftretende Erkrankungen von Muskeln und Nerven der Speiseröhrenwand, die durch Störungen in der Beweglichkeit der Speiseröhre und des Nahrungstransports gekennzeichnet sind. Die Betroffenen leiden unter krampfartigen Brustschmerzen und Schluckbeschwerden. Wichtigste Formen sind die Achalasie, bei der die Beweglichkeit der Speiseröhre vermindert ist, sowie der diffuse Ösophagusspasmus und die Nussknacker-Speiseröhre (hyperkontraktiler Ösophagus), für die eine erhöhte Kontraktionsstärke bzw. -häufigkeit der Speiseröhre charakteristisch ist. Krankheitsverlauf und Therapieerfolg variieren abhängig von der ursächlichen Funktionsstörung. Patienten mit einer Achalasie haben ein 15-fach erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken.

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Die Achalasie ist eine Erkrankung, bei der Nervenzellen im letzten Abschnitt der Speiseröhre absterben. Dadurch verengt sich der letzte Speiseröhrenteil, während sich der darüber liegende Teil der Speiseröhre ausweitet.

Abzugrenzen sind die sekundären Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen, die im Gefolge anderer Erkrankungen auftreten z. B. bei progressiver Sklerodermie, Mischkollagenose, Lupus erythomatodes, Diabetes, Parkinson-Krankheit sowie generalisierten Muskelerkrankungen (z. B. Myasthenia gravis). Die Behandlung dieser Störungen richtet sich nach der Ursache.

Leitbeschwerden

  • Schluckbeschwerden, die im Laufe der Zeit immer ausgeprägter werden
  • Starke Schmerzen im Brustbereich, direkt unter dem Brustbein
  • Bei der Achalasie vor allem nachts Zurückströmen von Nahrung in die Mundhöhle.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn schon seit Tagen starke Schluckbeschwerden bestehen, die nicht von selbst wieder weggehen

Noch heute, wenn krampfartige Brustschmerzen auftreten.

Die Erkrankungen

Achalasie. Der Achalasie liegt eine Schädigung des Nervengeflechts (Plexus myentericus) in der unteren Speiseröhre zugrunde. Dadurch ist die Speiseröhre nur eingeschränkt beweglich, und der untere Ringmuskel (Ösophagussphinkter) kann bei der Nahrungspassage nicht ausreichend erschlaffen, so dass der Speisebrei nicht oder nur unvollständig aus der Speiseröhre in den Magen gelangt. Die Betroffenen empfinden krampfartige Brustschmerzen und haben Schluckbeschwerden. Nachts fließt die unverdaute Nahrung oft wieder in die Mundhöhle zurück. Die Schluckbeschwerden führen dazu, dass die Erkrankten immer weniger essen und an Gewicht verlieren.

Diffuser Ösophagusspasmus. Starke krampfartige Kontraktionen im mittleren und unteren Bereich der Speiseröhre, die keine vorantreibende Wirkung auf die Nahrung haben, sind typisch für den diffusen Ösophagusspasmus. Vor allem ältere Menschen leiden unter der Erkrankung, die mit attackeartigen starken Schmerzen im Brustbereich verbunden ist, die denen einer Angina pectoris ähneln, aber anders als diese unregelmäßig und nicht belastungsabhängig auftreten.

Nussknacker-Speiseröhre. Bei der Nussknacker-Speiseröhre zieht sich der untere Bereich der Speiseröhre extrem lange und stark zusammen. Der untere Ringmuskel funktioniert – wie auch beim diffusen Ösophagusspasmus – normal. Oft kommt ein Zurückfließen des Mageninhalts hinzu.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Mit einer Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) stellt der Arzt fest, welche Form der Speiseröhren-Kontraktionsstörung vorliegt, und mit der Speiseröhrendruckmessung, wie stark die Beweglichkeit der Speiseröhre gestört ist.

Um eine Krebserkrankung im Mageneingang auszuschließen, führt der Arzt eine Magen- und Speiseröhrenspiegelung durch.

Therapie der Achalasie. Um den Transport der Nahrung von der Speiseröhre zum Magen zu verbessern, dehnt der Arzt den unteren Ringmuskel mit einem Ballonkatheter (Ballondilatation). Der Eingriff wird endoskopisch durchgeführt und ist meistens erfolgreich, doch auch nicht ohne Risiko, denn in ~ 3 % der Fälle reißt die Speiseröhre ein. Außerdem muss bei einem Drittel der Patienten die Aufweitung nach 1–5 Jahren wiederholt werden.

Als Alternative hat sich die endoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den unteren Ringmuskel der Speiseröhre erwiesen. Durch das Nervengift wird der Muskel teilweise gelähmt, so dass die Öffnung zum Magen erweitert und somit für den Nahrungsbrei wieder besser passierbar wird. Die Behandlung ist gut verträglich, muss aber nach 6–12 Monaten wiederholt werden. Bleiben beide Behandlungsmethoden erfolglos, empfiehlt der Arzt die operative Kardiamyotomie. Dabei werden die verdickten Muskeln im Bereich des Mageneingangs (Kardia) und am unteren Ringmuskel der Speiseröhre längs eingeschnitten.

Auch wenn die Therapie die Beschwerden erfolgreich lindert, bleibt das erhöhte Risiko für Speiseröhrenkrebs weiter bestehen. Deshalb sind regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen notwendig.

Therapie von Ösophagusspasmus und Nussknacker-Speiseröhre. Kalziumantagonisten (z.B. Adalat) und Nitropräparate (z. B. Corangin® Nitrospray oder Nitrolingual® Kapseln) helfen die Krämpfe zu lösen. Beim Ösophagusspasmus lindert eine Einspritzung von Botulinumtoxin in die Speiseröhre die Beschwerden für einige Monate; eine dauerhafte Beschwerdefreiheit ist jedoch nicht zu erwarten.

Komplikationen. Als unerwünschte Folge von Ballondilatation und Kardiamyotomie tritt in ~ 15 % der Fälle eine bleibende Funktionsstörung des Ringmuskels auf, der die Refluxkrankheit zur Folge hat.

Selbsthilfe

Zu den sinnvollen Maßnahmen gehören langsames Essen und gutes Kauen. Meiden Sie Speisen und Getränke, die Sie schlecht vertragen. Bei Schluckstörungen hilft der Verzehr von flüssigen oder pürierten Speisen. Trinken Sie viel Wasser zu den Mahlzeiten, da auf diese Weise die Speisen besser rutschen. Halten Sie Ihren Oberkörper beim Essen möglichst aufrecht. Wenn Ihnen das Schlucken während einer Mahlzeit besonders große Probleme bereitet, stehen Sie während der Mahlzeit auf und gehen ein paar Schritte umher.

Um die Nachtruhe zu verbessern, nehmen Sie die letzte Mahlzeit des Tages mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen ein und schlafen Sie möglichst mit erhöhtem Oberkörper Refluxkrankheit.

Speiseröhren-Krampfadern

Speiseröhren-Krampfadern (Ösophagusvarizen): Krankhafte Erweiterungen der Venen im unteren Teil der Speiseröhre, die sich bis in den Magengrund (Ösophagus-Fundus-Varizen) ziehen können. Häufigste Ursache ist eine schwere Lebererkrankung, vor allem Leberzirrhose mit Erhöhung des Drucks in der Pfortader (Pfortaderhochdruck). Bei einem Drittel der Betroffenen kommt es zu Blutungen mit schwallartigem, massivem Bluterbrechen, die in 30 % der Fälle tödlich verlaufen. Auch nach einer Behandlung drohen weitere Blutungen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 40 %.

Leitbeschwerden

  • Bluterbrechen und Erbrechen von kaffeesatzartigem Mageninhalt
  • Tiefschwarzer Stuhl (Teerstuhl).

Die Erkrankung

Bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen, insbesondere bei Leberzirrhose, ist der Blutfluss durch die Leber behindert, so dass sich das Blut in die Pfortader zurückstaut und ein Überdruck (Pfortaderhochdruck) entsteht. Infolgedessen sucht sich das Blut andere Wege, wie etwa über die Speiseröhre. Diese erweitern sich unter der zusätzlichen Belastung zu fingerdicken Krampfadern. Da ihre Wand sehr dünn ist und unter starker Spannung steht, reißen die Speiseröhren-Krampfadern leicht ein und führen dann zu (schwallartigen) Blutungen. Leichtere Blutungen infolge kleinerer Einrisse bleiben oft unbemerkt oder machen sich durch Teerstuhl bemerkbar. Infolge des Blutverlusts entwickelt sich eine Blutarmut (Blutungsanämie).

Weitere seltene Auslöser sind eine Thrombose in Pfortader, Lebervene oder Milz, ein Bauchspeicheldrüsentumor oder eine Blutstauung bei Rechtsherzinsuffizienz.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Bei entsprechenden Beschwerden führt der Arzt eine Speiseröhrenspiegelung durch, wodurch er die Krampfadern zuverlässig erkennt.

Therapie. Im Vordergrund der Behandlung steht die Vorbeugung von Blutungen. Die Gabe von Betablockern, z. B. (Propranolol®, Nadolol®) oder Nitraten (z. B. Isosorbidmononitrat) zur Senkung des Pfortaderhochdrucks reduziert das Blutungsrisiko um 50 %. Ist eine Blutung sehr wahrscheinlich, werden die Krampfadern wie bei der Akuttherapie vorsorglich endoskopisch verödet.

Für den Therapieerfolg ist entscheidend, ob es dem Arzt gelingt, den Pfortaderhochdruck dauerhaft zu senken, um weitere Blutungen zu verhindern, die ständig drohen.

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Gängiges Behandlungsverfahren bei Speiseröhren-Krampfadern ist die Sklerotherapie: Dabei wird endoskopisch ein Kunststoff in die Krampfadern gespritzt, der zu einer Verklebung und Vernarbung der blutenden Venen führt.

Akuttherapie blutender Krampfadern. Nachdem – wie meist notwendig – der Kreislauf stabilisiert wurde, werden die blutenden Krampfadern endoskopisch lokalisiert und die Blutungsquelle gestillt. Methode der Wahl ist die Ligaturbehandlung (Gummibandligatur), bei der die blutenden Speiseröhren-Krampfadern zunächst in eine dem Endoskop aufsitzende Kappe (Konus) angesaugt und dann mit Gummibändern abgeschnürt werden. Nach einigen Tagen fällt die abgeschnürte Aussackung ab.

Eine alternative Behandlung ist die Verödungstherapie (Sklerotherapie, Sklerosierung), bei der mit dem Endoskop ein Verödungsmittel (z. B. Polydocanol) oder ein Gewebekleber (Histoacrylkleber) in die blutende Vene gespritzt wird, um die Vene zu verschließen.

In 10 % der Fälle kommt es bei blutenden Krampfadern zu schwereren Komplikationen, wie z. B. einem Durchbruch der Speiseröhrenwand, weshalb heute, wo immer möglich, die Ligaturbehandlung bevorzugt wird.

Ist die Blutung so stark, dass sie sich auf endoskopischem Weg nicht beheben lässt, legt der Arzt eine Ösophagus-Kompressionssonde durch die Nase. Sie enthält Ballons, die sich aufpumpen lassen und die blutenden Krampfadern zusammendrücken. Dadurch kommt die Blutung innerhalb von Stunden zum Stillstand.

Speiseröhrendivertikel

Speiseröhrendivertikel (Ösophagusdivertikel): Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand, bei denen entweder nur die Schleimhaut (Pulsionsdivertikel, Pseudodivertikel, falsches Speiseröhrendivertikel) oder sämtliche Wandschichten (Traktionsdivertikel, Bifurkationsdivertikel, echtes Speiseröhrendivertikel) ausgestülpt sind; Pulsionsdivertikel sind mit 80 % aller Fälle viel häufiger als Traktionsdivertikel. Mehr als drei Viertel der Patienten sind Männer, von denen wiederum zwei Drittel älter als 70 Jahre sind.

Typisch für Pulsionsdivertikel ist der schleichende Beginn mit zunehmenden Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl beim Schlucken und Mundgeruch. In diesem Fall ist zur Vermeidung von Komplikationen (z. B. Fistelbildung, Blutungen) eine operative Entfernung des Divertikels notwendig. Traktionsdivertikel machen ~ 20 % der Divertikel aus; da sie keine Beschwerden verursachen, erfordern sie auch keine Therapie. Wenn Speiseröhrendivertikel keine Beschwerden machen bzw. rechtzeitig operiert werden, ist die Prognose gut.

Sackförmige Ausstülpungen der Wandschichten des Verdauungstrakts kommen am häufigsten im Dickdarm vor.

Leitbeschwerden

  • Schluckbeschwerden
  • Häufiges Verschlucken
  • Fremdkörperfgefühl im Hals
  • Chronischer Mundgeruch
  • Nächtliches Aufstoßen von unverdauten Speiseresten.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei Schluckbeschwerden oder wenn der Betroffene sich schon längere Zeit immer wieder verschluckt.

Die Erkrankung

Entstehung der Pulsionsdivertikel. Beim Schluckvorgang ist die Speiseröhrenwand von innen einem hohen Druck ausgesetzt. Vor allem an den natürlichen Engstellen der Speiseröhre (unterhalb des Kehlkopfs, in Höhe des Aortenbogens und oberhalb des Zwerchfells) ist die Belastung hoch. Stülpt sich unter dem Druck an einzelnen Stellen die Speiseröhrenwand nach außen, entstehen Pulsionsdivertikel, meist im oberen Drittel der Speiseröhre.

Im Laufe der Erkrankung wächst das Divertikel und ruft schließlich die typischen Symptome wie Fremdkörpergefühl im Hals, später dann auch Schluckbeschwerden beim Verzehr von fester Nahrung und Mundgeruch als Folge von angesammelten Nahrungsresten im Divertikel hervor.

Einteilung der Pulsionsdivertikel. Häufigste Form der Speiseröhrendivertikel (70 %) ist das Zenker-Divertikel im Halsbereich, am Übergang der Muskelschicht des Rachens in die Muskelschicht der Speiseröhre. Das seltene (10 %) epiphrenische Divertikel entwickelt sich im unteren Drittel der Speiseröhre, knapp oberhalb des Zwerchfells.

Traktionsdivertikel scheinen nach neueren Erkenntnissen auf eine angeborene Anomalie im mittleren Drittel der Speiseröhre (im Bereich der Aufteilung der Luftröhre in die beiden Hauptbronchien zurückzugehen. Früher vermutete man, dass sie durch Zugkraft (Traktion) von außen, z.B. infolge von Vernarbungen oder Entzündungen der benachbarten Lymphknoten, entstehen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Verursachen Pulsions- oder Traktionsdivertikel keine Symptome, werden sie meist zufällig bei einer Speiseröhrenspiegelung entdeckt. Bei Beschwerden liefert eine Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) den entscheidenden Beweis; mitunter wird zusätzlich eine Speiseröhrendruckmessung zum Ausschluss einer Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung durchgeführt.

Therapie. Um Komplikationen vorzubeugen, werden Pulsionsdivertikel, die Beschwerden verursachen, in der Regel operativ entfernt. Das geschieht – wenn möglich – endoskopisch. Andernfalls muss die Speiseröhre für einen direkten Zugang über einen Schnitt im Halsbereich freigelegt werden.

Speiseröhrenkrebs

Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Meist von der Schleimhaut ausgehender bösartiger Tumor, der sich überwiegend an den physiologischen Engstellen der Speiseröhre entwickelt. Der Tumor bildet rasch Metastasen und dringt früh in das umgebende Gewebe ein. Mit einer Erkrankungsrate von 6 pro 100.000 im Jahr gehört der Speiseröhrenkrebs hierzulande zu den seltenen Krebserkrankungen – Tendenz abnehmend. Betroffen sind vor allem Männer zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Die Prognose ist trotz Behandlung ungünstig, denn weil der Tumor meist sehr spät entdeckt wird, kann er nur bei ~ 10 % der Betroffenen noch operiert werden. Dabei gilt: Je höher der Tumor sitzt, desto schlechter sind die Überlebenschancen. Meist sterben die Betroffenen innerhalb von 12 Monaten nach der Diagnose. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 15 %.

Leitbeschwerden

  • Schluckbeschwerden, zunächst nur bei fester, später auch bei flüssiger Nahrung
  • Wiederaufstoßen von Speisen in die Mundhöhle
  • Fauliges Aufstoßen
  • Heiserkeit, Stimmlosigkeit
  • Deutlicher Gewichtsverlust
  • Bluterbrechen (selten).

Die Erkrankung

Speiseröhrenkrebs entsteht vor allem in den drei physiologischen Engstellen (Ösophagusengen): im Speiseröhreneingang (15 %), im Aortenbogen auf der Höhe des linken Hauptbronchus (50 %) und im unteren Speiseröhrenabschnitt, in der Zwerchfellenge (35 %).

Risikofaktoren für die Entstehung von Speiseröhrenkrebs sind Schleimhaut schädigende Einflüsse wie langjähriger Konsum hochprozentigen Alkohols, starkes Rauchen und häufiger Genuss von Nitriten und Nitraten (z. B. gepökelte Fleischwaren) sowie von heißen Getränken. Bei der Begünstigung durch Vorerkrankungen steht mit 30 % das Barrett-Syndrom (Komplikation der Refluxkrankheit) an erster Stelle vor der Achalasie (Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung), narbigen Verengungen infolge von Verätzungen (nicht-refluxbedingte Speiseröhrenentzündung) und einer Schleimhautschädigung durch chronischen Eisenmangel  (Plummer-Vinson-Syndrom). Seltener sind ein Befall mit humanen Papillom Viren vom Typ HPV16 oder eine Bestrahlung der Speiseröhrenregion, z. B. im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung, der Grund für die Entstehung eines Speiseröhrenkrebses.

Beschwerden bereitet der Tumor lange Zeit keine. Erst spät kommt es zu Schluckbeschwerden, die zunächst nur bei festen Speisen, später auch bei weicher Nahrung und Flüssigkeit auftreten. In diesem Stadium ist die Speiseröhrenlichtung oft schon so stark verlegt, dass ein Verschluss absehbar ist. Durch die zunehmende Einengung der Speiseröhre gelangt unverdaute Nahrung wieder zurück in die Mundhöhle und führt zu unangenehmem, fauligem Aufstoßen. Schmerzen hinter dem Brustbein, die in den Rücken ausstrahlen, Husten, Heiserkeit bis hin zum Stimmverlust und Atemnot sind Folgen der Tumorausdehnung auf die Nachbarorgane, vor allem auf Stimmbandnerven, Bronchien und Luftröhre. Die letzten Monate sind oft eine Qual für die Betroffenen. Da viel zu wenig Nahrung aufgenommen wird, nehmen sie stark ab.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine Speiseröhrenspiegelung mit Gewebeprobenentnahme zur feingeweblichen Untersuchung sowie eine Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) sichern die Diagnose. Die Endosonografie erlaubt, Größe und Ausdehnung des Tumors zu beurteilen. Weitere Verfahren, z. B. CT und Bauchultraschall, ermöglichen die Feststellung eines Lymphknotenbefalls und eventueller Metastasen.

Therapie. Ist der Tumor noch in einem frühen Stadium und sind keine Lymphknoten befallen, ist in vielen Fällen eine endoskopische Abtragung möglich. Bei fortgeschrittenen Tumoren versucht der Arzt mit einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie, den Tumor vor der Operation zu verkleinern. Bei der Operation, die mit einer Sterblichkeitsrate von 8 % gefährlich ist, wird die Speiseröhre teilweise oder ganz entfernt. Die fehlende Speiseröhre wird ersetzt, indem der Magen nach oben gezogen (Magenhochzug) oder aus einem Dick- oder Dünndarmanteil eine Ersatzspeiseröhre gebildet wird.

Hat sich der Tumor bereits so weit ausgebreitet, dass eine Operation nicht mehr möglich ist, wird palliativ (also lindernd, nicht heilend) mit endoskopischen Verfahren versucht, die Speiseröhre mechanisch zu weiten (Bougierung), oder der Arzt setzt ein kleines Kunststoffrohr (Stent) ein, um die Speiseröhre offenzuhalten. Ist die Speiseröhre vollständig durch den Tumor verschlossen, ermöglicht eine Magensonde, die direkt durch die Bauchdecke zum Magen führt, die Nahrungszufuhr (PEG). Magensonden durch die Nase sind als langfristige Maßnahme für den Patienten sehr unangenehm und werden möglichst vermieden.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Speisenröhrenkrebs: Ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Speiseröhrenkrebses.
  • www.krebshilfe.de – Sehr informative Website der Deutschen Krebshilfe e. V., Bonn (Hrsg.): Unter der Rubrik Informieren finden Sie Broschüren und Infomaterial, so auch den blauen Ratgeber Nr. 13 zum Speiseröhrenkrebs, den Sie hier kostenlos bestellen oder herunterladen können.

Zwerchfellbruch

Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Verlagerung von Magenanteilen durch die natürliche Lücke im Zwerchfell (Zwerchfellöffnung, Hiatus oesophageus) nach oben in den Brustraum.

Der Arzt unterscheidet die Gleithernie (axiale Hernie), bei der Magenteile zeitweise oder ständig oberhalb des Zwerchfells liegen, von der paraösophagealen Hernie, bei der sich der vordere Magenabschnitt, der Magengrund, neben der Speiseröhre in den Brustraum drängt. Manchmal kommen Mischformen vor.

In 90 % der Fälle liegt eine Gleithernie vor, die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu: 50 % der Betroffenen sind über 50 Jahre. Gleithernien werden zunächst nicht behandelt, sondern in der Regel erst dann operativ behoben, wenn ausgeprägte Refluxbeschwerden bestehen.

Dagegen drohen bei der seltenen (~ 10 %) paraösophagealen Hernie lebensgefährliche Komplikationen, z. B. eine Einklemmung von Magen oder Speiseröhre. Sie muss daher fast immer operativ behoben werden. Die Operation eines Zwerchfellbruchs zeichnet sich durch eine hohe Erfolgsquote aus (95 %).

Leitbeschwerden

  • Gleithernie: Meist keine Beschwerden, eventuell Reflux-Symptome
  • Paraösophageale Hernie: Völlegefühl, Druckgefühl in der Herzgegend, besonders nach dem Essen.

Die Erkrankung

Ein Zwerchfellbruch ist meistens die Folge eines angeborenen oder altersbedingten Elastizitätsverlusts des Bindegewebes, das die natürliche Lücke (Hiatus oesophageus) füllt, durch die die Speiseröhre in den Magen übertritt. Begünstigende Faktoren sind neben fortgeschrittenem Alter und Veranlagung auch Schwangerschaft, Übergewicht, chronischer Husten sowie eine verstärkte Bauchpresse bei chronischer Verstopfung.

Gleithernie. Gleiten nach einem Hustenanfall oder infolge anderer Druckerhöhungen im Bauchraum Eingang und Fundus des Magens durch die Zwerchfelllücke nach oben, handelt es sich um eine Gleithernie. Die Verlagerung der Magenanteile oberhalb des Zwerchfells kann auch zum Dauerzustand werden. Wenn es nicht zu Refluxbeschwerden kommt, spürt der Betroffene jedoch nichts davon.

Paraösophageale Hernie. Komplizierter und gefährlicher wird es, wenn sich ein Teil des Magens neben die Speiseröhre in den Brustraum schiebt; in diesem Fall liegt eine paraösophageale Hernie vor. Im Extremfall wird der nach oben gedrückte Magen ganz umgestülpt und steht auf dem Kopf (Upside-down-Magen, upside down stomach). Typische Krankheitszeichen sind Aufstoßen und Druckgefühl in der Herzgegend nach einer Mahlzeit. Bleibt die paraösophageale Hernie unbehandelt, können Schädigungen der Magenschleimhaut und versteckte Blutungen im Bereich des verlagerten Magens bis hin zum Durchbruch der Magenwand auftreten. Dies kann auch die Einklemmung von Magen oder Speiseröhre mit Unterbrechung der Blutzufuhr zur Folge haben.

Das macht der Arzt

Die Diagnose stellt der Arzt durch eine Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck).

Eine Gleithernie bedarf meist keiner Therapie. Nur wenn gleichzeitig eine Refluxkrankheit besteht, wird diese mit Protonenpumpenhemmern behandelt. Wenn die medikamentöse Therapie nicht hilft, wird eventuell operiert. Bestehen die Refluxbeschwerden nach der Operation der Gleithernie weiter, wird die medikamentöse Therapie mit Protonenpumpenhemmern fortgesetzt.

Eine paraösophageale Hernie wird operativ behoben – auch wenn noch keine Beschwerden vorliegen. Dabei wird der Magen wieder in den Bauchraum zurück verlagert und entweder an der Unterseite des Zwerchfells oder an der Bauchdecke fixiert (Gastropexie). Dieser Eingriff erfolgt heute meist minimal-invasiv, d. h. laparoskopisch. Gegebenenfalls verengt man bei der Operation auch den Spalt im Zwerchfell, durch den die Speiseröhre tritt (Hiatoplastik).

Selbsthilfe

Nach der Operation einer paraösophagealen Hernie leiden die Betroffenen häufig an Schluckbeschwerden. In den ersten Wochen nach der Operation sind deshalb häufigere kleinere, pürierte oder flüssige Mahlzeiten empfehlenswert. Die Bissen sind sorgfältig zu kauen und auf kohlensäurehaltige Getränke sollte in dieser Zeit ganz verzichtet werden.

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